Der Lanz-Bullog und Binder der Genossenschaft im Einsatz mit Reinhard Mölcher sen. und Wilhelm Schmidt. FOTO: ARCHIV LD
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Der Lanz-Bullog und Binder der Genossenschaft im Einsatz mit Reinhard Mölcher sen. und Wilhelm Schmidt. FOTO: ARCHIV LD

Bank mit eigener Waschanlage

  • vonKarl-Ernst Lind
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Grünberg (ld). 1920 gründeten 65 Personen die "Landwirtschaftliche Bezugs- und Kreditgenossenschaft" in Lardenbach. Das 100-jährige Jubiläum kann man jetzt allerdings nicht mehr feiern, da die Bank einst mit der Volksbank Gießen fusionierte.

An so einen Zusammenschluss hatten die Gründer noch nicht gedacht. Ihr Ziel war der gemeinschaftliche Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirtschaftlichen Betriebs, sowie der Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Erster Vorsitzender war Karl Müller.

Die Idee war gut, die Genossenschaft gedieh: 1936 zählte sie 145, 1940 dann 211 Mitglieder. Die für jedes Mitglied auf einen Geschäftsanteil begrenzte Haftsumme betrug anfangs 200 Mark.

1950 wurde unter der Leitung von August Jung ein Außenlager in Freienseen eröffnet. Zu jener Zeit übernahm auch der im Dorf als "Großer Wilhelm" bekannte Wilhelm Schmidt von seinem Vater Karl Schmidt die Geschäftsführung. Zur Unterstützung standen ihm im Laufe seiner Zeit Wilhelm Dörr, Helga Peitz und Roselinde Haeske zur Seite.

1958 änderte sich der Name der Bank, die nun als "Spar- und Darlehnskasse Lardenbach" bekannt war. Neben dem landwirtschaftlichen Warenlager und dem Finanzgeschäft besaß die Genossenschaft noch eine Waschanlage mit Schleuder und eine Wäschemangel.

Für die Landwirte standen ein Lanz-Bulldog mit Binder, ein Krautschläger, eine Kartoffeldämpfanlage und eine Getreidereinigungsanlage zur Verfügung. Das Warenlager betreute ab dem 1. Juli 1977 bis zu dessen Auflösung am 1. Januar 1987 Heinrich Frank. Bereits 1985 wurde das Zweigwarenlager in Freienseen aufgelöst.

Die am 25. Februar 1971 beschlossene Verschmelzung der Sparda Lardenbach mit der Volksbank Gießen ließ nach deren Vollzug im Bankgeschäft einen weiteren Aufschwung mit deutlichen Steigerungen bei den Geldeinlagen erkennen. Am 25. Oktober 1980 wurde ein Zweigstellenneubau eingeweiht. Überraschend wurde dieser im Dezember 2008 geschlossen, das Gebäude ist mittlerweile in Privatbesitz.

Bankräuber scheiterte

1995 sah das noch anders aus: Damals gab es ein Festprogramm zum 75-jährigen Bestehen, bei dem die "Amigos" spielten.

Am 4. Januar 2005 machte die Bank Schlagzeilen: Damals versuchte ein Unbekannter, die Bank zu überfallen. Durch das beherzte Auftreten der Bankangestellten musste der mit einer "Phantom der Oper"-Maske und einem hellen Strohhut maskierte Täter jedoch ohne Beute abziehen.

Die Bankfiliale ist nun seit langer Zeit geschlossen, ein Fest zum 100-jährigen Bestehen wird es darum nicht geben. Die älteren Lardenbacher erinnern sich jedoch noch gern an diesen Ort, an dem man nicht nur Geldgeschäfte erledigen, sondern sich auch unterhalten konnte.

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