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Erinnerungen an den Tornado über Lumda

Augenzeugin: "Es dauerte nur Sekunden"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Vor zehn Jahren zog ein Tornado mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h über Lumda hinweg. 80 Gebäude wurden beschädigt. Dass niemand verletzt wurde, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken.

"Vögel wurden wie Papierfetzen durch die Luft gewirbelt." Mit diesen Worten beschrieb eine ältere Lumdaerin jenes Ereignis am 23. August 2010, das den Grünberger Stadtteil Lumda in die bundesweiten Schlagzeilen brachte. Und eine zweite Frau diktierte dem Reporter in den Block: "Erst kam der Regen, dann der Sturm - es dauerte nur ein paar Sekunden."

Nicht nur Vögel wurden damals zum Spielball der Naturgewalten: Der Tornado der Stärke F3/T6, der morgen vor zehn Jahren mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h über Lumda zog, deckte ganze Dächer ab, knickte im Wald jenseits der Landesstraße mächtige Fichten wie Streichhölzer um, verwandelte Teile von Wandverkleidungen zu gefährlichen Geschossen.

Wohl nur dank des Regens bekam keiner der rund 200 Menschen in den betroffenen Vierteln des Dorfes auch nur eine Schramme ab. Zu dieser frühen Abendstunde, gegen halb sieben, wären ansonsten noch viele Lumdaer auf der Straße gewesen.

Halben Dachstuhl weggerissen

So wie jene Männer, die an diesem Montagabend gerade das Zelt vom Pizzafest tags zuvor abgebaut hatten. In einem Nebengebäude suchten sie Unterschlupf, als der Himmel die Schleusen öffnete. "Dann brach auch schon der Sturm los, und zwei von uns mussten die Tür festhalten." Nachdem der beängstigende Lärm einer seltsamen Stille gewichen war, traten sie ins Freie. Mit dabei war Gerhard Müller, den diese Zeitung damals mit folgenden Worten zitierte: "Überall lagen Ziegel, umgefallene Bäume - ein langer Dachsparren war gut 15 Meter weit geflogen und gegen eine Wand geprallt."

Wenig später rückten über 100 Kräfte von Feuerwehr und THW an, beseitigten umgestürzte Bäume, dichteten Dächer ab, packten überall an, wo Hilfe gebraucht wurde. Nicht anders die Lumdaer, die mit Schippe, Besen und "Waldmoped" Solidarität bewiesen.

Es dauerte nur Sekunden, doch die Drehwinde hinterließen einen Riesenschaden. Schätzungen sprachen von rund einer Million. Dutzende Autos und vor allem über 80 Gebäude waren in Mitleidenschaft gezogen worden, 14 davon schwer. Am schwersten ein Haus in der Amselstraße, wo der Sturm den halben Dachstuhl weggerissen hatte.

Größte Handwerkerdichte weit und breit

Über Tage hinweg wurde das 660-Seelen-Dorf nun zum Stelldichein der Handwerker. An mehreren Häusern ragten Kräne in den Himmel, deckten Zimmerleute Dächer neu ein.

Die materiellen Folgen hielten sich in Grenzen. Dafür sorgten vor allem ein zinsgünstiges Kreditprogramm der Sparkasse Grünberg und meist kulante Versicherungen, hatten sich doch nur wenige auf einen Elementarschaden eingestellt, erst recht nicht für die Scheunen. Nicht vergessen seien die Nothilfedarlehen des Landes, die am Ende von einer Handvoll Lumdaern in Anspruch genommen werden mussten.

Im Vergleich dazu recht glimpflich davongekommen war das Nachbardorf Reinhardshain. Dort hatte der Sturm nur ein Dutzend Häuser beschädigt, bevor er gen Lumda weiterzog, eine Schneise in den Wald schlug und Äste hunderte Meter weit durch die Luft schleuderte. "Zum Glück", sei letztmals ein Augenzeuge der Ereignisse zitiert, "hat der Tornado auf seinem Weg nach Lumda nicht die vielbefahrene Autobahn überquert".

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