Asbest und mehr

Asbest: Hotel-Abriss für Baugebiet in Grünberg kommt teuer

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Altbauten bergen oft böse Überraschungen. Das zeigt sich in Reinhardshain, wo die Stadt ein altes Hotel für ein Baugebiet abreißen lässt. Schadstoffbelastete Baustoffe verteuern die Sache erheblich.

Im Zuge der Arbeiten haben die Angestellten des Unternehmens unter anderem asbesthaltige oder mit Sulfat belastete Baustoffe entdeckt. Die Entsorgung verteuert sich entsprechend. Alles in allem, inklusive des Mehraufwands für den "normalen" Bauschutt, so die Stadtverwaltung Grünberg, belaufen sich die Mehrkosten auf 105 000 Euro an, womit sich der Abriss auf 293 000 Euro verteuert. Offen bleibt noch, wer dafür am Ende aufkommt.

Der Gebäudekomplex – vor 60 Jahren vom damaligen Pächter der nahen Autobahnraststätte Reinhardshain als Hotel-Garni mit 70 Betten, Garagen und einem Schwimmbad errichtet – steht seit 1994 leer. Seither verfiel das Anwesen zusehends.

Um den Schandfleck zu beseitigen und ein kleines Baugebiet zu erschließen, erwarb die Stadt 2018 das Anwesen, brachte die Bauleitplanung für sechs Ein- oder Zweifamilienhaus-Parzellen auf den Weg und schrieb die Abrissarbeiten aus. Ergebnis der Submission: Zunächst auf 175 000 Euro veranschlagt, stiegen die Kosten bereits auf 183 000 Euro. Inzwischen sind alle Gebäude niedergelegt, das 4300 Quadratmeter große Grundstück kommt als weitläufige Freifläche daher. Freilich abgesehen von den mit Planen abgedeckten Schutthaufen (Foto).

Schadenersatz durch Vorbesitzer?

Im Zuge der Arbeiten aber traten jüngst dann Materialien zutage, deren Entsorgung aufgrund einer Gesundheits- und/oder Umweltgefährdung teuer kommt. Unter anderem war der alte Swimmingpool im Garten mit einem offensichtlich verdächtigen "Boden-Müll-Gemisch" verfüllt worden, wurde doch eine Beprobung veranlasst.

Bei der Entkernung der Gebäude selbst fanden sich unter anderem Bims-Steg-Deckenplatten. Aufgrund des hohen Sulfat-Anteils sind diese nicht recycelfähig, müssen gesondert entsorgt werden. Mehrkosten resultieren auch daraus, dass sämtliche Heraklith-Dämmplatten unter den Zwischendecken so stark verklebt waren, dass sie zeitaufwendig abgestemmt werden mussten.

Mehrausgaben resultieren auch aus HBCD-belastetem Styroporwandputz; der Stoff besitzt ähnliche Eigenschaften wie das Insektenvernichtungsmittel DDT oder polychlorierter Biphenyle (PCB), bedarf daher einer gesonderten Entsorgung. Schließlich stellte die Abrissfirma fest, dass Fußbodenplatten auf asbesthaltigem Kleber verlegt worden waren. Was wiederum eine "ergänzende Schadstoffsanierung" erfordert. In toto Mehrkosten von 89 100 Euro, brutto. Beim normalen Bauschutt entstand ebenfalls ein Mehraufwand von knapp 14 000 Euro. Die 500 Euro Aufschlag aufgrund einer längeren Standzeit des Bauzauns sind in diesem Fall tatsächlich Peanuts. Die außerplanmäßige Summe von rund 105 000 Euro soll laut Bürgermeister Frank zu gegebener Zeit im Nachtragsetat bereitgestellt werden.

Vorerst wird die Summe als Investition für das Baugebiet mit vermutlich sechs Ein- und Zweifamilienhausparzellen verbucht und kann aus Auszahlungsresten gedeckt werden. Abzuwarten bleibt, ob die Stadtverordneten auch diese Einstandskosten am Ende auf den Baulandpreis umlegen.

Klar, dass sich nun die Frage stellt, ob die Belastung des Gebäudes, die drohenden hohen Entsorgungskosten nicht bereits früher festzustellen gewesen wären, ob der Vorbesitzer diese hätte offenlegen müssen. Die Stadt hat denn auch den Juristen des Hessischen Städte- und Gemeindebundes mit der Prüfung etwaiger Schadenersatzansprüche beauftragt.

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