Als wäre es gestern gewesen

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Grünberg (pm). Bald 100 Jahre ist es her, dass der Gemeinderat am 25. Juli 1921 den Beschluss fasste, eine landwirtschaftliche Winterschule in Grünberg einzurichten. Schon kurze Zeit später - am 1. November 1921 - konnten die ersten Schüler dem Unterricht durch Landwirtschaftsrat Trautmann lauschen. Nun hat das Stadtarchiv zwei Tonbänder erworben, die den Eröffnungstag der Landwirtschaftsschule wieder hör- und somit erlebbar machen.

Zunächst in der Volksschule, dann 1925/26 im Rathaus untergebracht, herrschte für Schüler und Lehrer ständiger Platzmangel, sodass bereits 1925 ein Antrag auf Erbauung einer eigenen Landwirtschaftsschule gestellt wurde.

Anstelle eines Neubaus entschied man sich zu dieser Zeit jedoch noch, das Sehrt’sche Haus in der Londorfer Straße zu erwerben. Abgesehen von den Jahren 1945/46, als der Unterricht infolge des Bombenkrieges vorübergehend auf dem Warthof und in der Volksschule stattfand, blieb die Londorfer Straße das Domizil der Landwirtschaftsschüler bis 1957. Dann übernahm die Polizei das Gebäude.

Nach behelfsweiser Unterbringung in der Kreisberufsschule in der Theo-Koch-Straße erhielt die Landwirtschaftsschule 1960 den lang ersehnten Neubau in der Gießener Straße. Dieser Teil der Geschichte der Grünberger Landwirtschaftsschule wird nun noch einmal in besonderer Weise »lebendig«. Und zwar lebendiger, als es das Studium alter Akten und Dokumente zu vermitteln vermag.

Rund 8000 Quadratmet er - so der erste Festredner und Architekt der Landwirtschaftsschule - hatte die Stadt an der nördlichen Begrenzung des Gallusmarktplatzes kostenlos bereitgestellt. Nach langer Planungsphase und Baubeginn im September 1959 konnte bereits im Dezember desselben Jahres Richtfest gefeiert werden, berichtet der Bauplaner weiter. Der rund 650 000 DM teure Neubau umfasste die Landwirtschaftsschule nebst Wirtschaftsberatungsstelle, Internat, Wohnungen für die Leiterin und den Hausmeister, einen Werkraum und Garagen. Man habe sich »bemüht, eine flüssige Innenraumabteilung vorzunehmen«, sodass die Mädchen-, die Jungenabteilung und die Wirtschaftsberatungsstelle zwar »räumlich verbunden, aber so voneinander getrennt liegen, dass der Besucher- und Schülerverkehr nicht störend wirken kann«. Dabei legte der Architekt in seiner Rede großen Wert darauf, zu betonen, dass der »bewährte und schöne Baustoff Holz« sehr viel verwendet wurde und so dem Bau einen »wohnlichen und heimischen Charakter verleiht«.

Der Vertreter der ehemaligen Schüler fasste die Gefühle der Festgäste zusammen: »Dieser schönen, neuen Schule, die hier an den Toren der Stadt Grünberg von frischer reiner Luft umweht wird, möchten wir nur wünschen, dass für alle Zukunft auch aus der Schule heraus ein echter lebendiger Geist herrschen möchte.«

Nur fünf Jahre später wurde die Schule in Grünberg aufgelöst und nach Gießen verlegt. Das Gebäude freilich fand mit der Bildungsstätte Gartenbau, die es im März 1966 übernahm, einen würdigen nachfolgenden Nutzer.

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