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Gestern gebürstet (v. l.): Detlev Scheiber, Dunja Lippert, Klaus Kühn und Eddi Bernhard.

"Als Stamm hu mer hau Solperfläsch mit Wirsching"

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Grünberg (tb). Ein Novum in der Frühschoppengeschichte war gestern im Festzelt zu erleben: Auf einen Schlag bat Bürstmeister Gerd Lippert alle vier Kandidatenauf die Bühne. Die übliche Spannung war damit dahin oder zumindest verringert. Warum die vier gebürstet werden sollten? Lippert: "Alle sind Dienstleister, Versorger, Seelsorger, Psychologen und Betriebswirtschaftler. Bei ihnen beginnt das Ehrenamt, wenn wenig los ist und sie ihren Laden trotzdem offen halten." Außerdem unterstützen sie, alle vier sind Wirte, die Vereine; als Mitglied wie auch als Sponsor. Erster Kandidat war Detlev Scheiber, der 1983 zunächst das "Clou", 1997 dann das "Merlin" eröffnete. Für den gebürtigen Heppenheimer sollte die Mundartprobe erwartungsgemäß schwerfallen. Ins Oberhessische zu übersetzen war: "Wenn ich eine Vorladung von der Stadt erhalte, kommen sie mir meist mit innovativen Ideen." Puuh. Oder "Äääähm", wie Scheiber zunächst nur hervorbrachte. Dann aber haute er diesen raus: "Wenn aich vo de Gemee geloare wern, is doas naut Goures." Für einen Südhessen sehr gut. Total richtig wäre gewesen: "Wenn aich off die Gemee geloare wern, hu se meestens Firz im Kopp."

Alle folgenden hatten dagegen Heimvorteil. Sogar Klaus Kühn, obgleich der in Laubach geboren ist. Ab 1987 betrieb er zunächst die "Grüne Au", seit 2002 hat er mit der "Schirn" sein Auskommen - laut Lippert wäre er in seiner alten Heimatstadt "als Wirt längst verhungert". Kühn sollte beschreiben, was ein Stammtisch ist. "Doas eass doh, wuh dey setze, dey immer do sitze." Perfekt.

Aufgewachsen in Mücke ist Dunja Lippert. Für die Wirtin von "Lippert’s", Frau von Gerd Lipperts Bruder, gab es diese Übersetzungsaufgabe: "Als Tagesgericht bieten wir Ihnen heute in Salzlauge eingelegtes Fleisch vom Vogelsberger Hausschwein auf Gemüsekohl und Erdäpfeln." Die Kandidatin: "Bei iehs gebt’s zum Mittoagsdesch Solberfläsch, Kadoffen ean Wirsching." Fast perfekt, statt "Mittagstisch" sagt man in Grimmich "Stamm". Klar, auch sie wurde zur echten Grünbergerin erhoben. Und sorgte für einen weiteren Lacherfolg: "Doas mich mein Schwocher noch emo birscht!?"

Letzter im Bunde: Eddi Bernhard, seit 1988 und bis zum Umzug auf die andere Straßenseite Wirt des alten, dann des neuen "Klimperkasten". Da aus Wohnfeld stammend, war die Probe auch für ihn kein Ding: "Ein Gast hat so sehr dem Alkohol gefrönt, dass er den Eindruck eines militärischen Geschützes macht." Bernhard ganz richtig: "Mann, doa bist ja voll wey e Strandhaubitze."

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