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Pfarrer Rolf Schmidt vor der Kirche auf dem Wirberg.

Abschied vom Kirchspiel Wirberg

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Grünberg (pm). Eine lange Dienstzeit: Seit 1986 ist Rolf Schmidt Pfarrer im Kirchspiel Wirberg. Am Sonntag wurde er im Gotteshaus auf dem Wirberg in den Ruhestand verabschiedet. Obwohl wegen der Pandemiebestimmungen nur angemeldete Gäste zugegen waren, hatten sich alle Gemeindemitglieder von ihm verabschiedet - schriftlich. Die Kirchenvorstände hatten deren Worte in den drei Gemeinden des Kirchspiels gesammelt und zu einem Buch zusammengestellt.

Das nahm Schmidt bewegt entgegen.

Nachfolge offen

Bewegt waren auch die vielen Abschieds- und Dankesworte, die Irmgard Becker und Barbara Sehrt für die Frauenhilfe, Peter Helwig, Birgitt Münch und Gretel Röhmig für die drei Kirchenvorstände, Corinna Gans für die Organisten sowie Präses Elke Sézanne und Dekan Norbert Heide für den scheidenden Seelsorger vorbereitet hatten. Neben einer Torte, einer Packung Schnitzel und vielen Blumen nahm Schmidt auch rote Söckchen mit in den Ruhestand. Darin solle der Neu-Pensionär die guten und schönen Erlebnisse sammeln, die jetzt auf ihn warten, wünschten Präses Sézanne und Dekan Heide.

»Vieles wird nachwirken«, versicherte der Propst in Oberhessen, Pfarrer Matthias Schmidt in seiner Ansprache zur Entpflichtung des Seelsorgers. Er erinnerte an die vielen persönlichen Kontakte und Freundschaften, die in mehr als drei Jahrzehnten entstanden, und bezog in seinen Dank an den Namensvetter auch dessen Frau Bettina ein. Für den Nachfolger oder die Nachfolgerin sei alles vorbereitet und er sei zuversichtlich, »dass wir nicht zu lange warten müssen«, so der Propst. Das dürfte besonders die Kirchenvorstandsmitglieder gefreut haben, die jetzt nach 35 Jahren auf eine pfarrerlose Zeit zugehen. Rolf Schmidt war in der fast 500-jährigen Geschichte des Kirchspiels der Pfarrer mit der längsten Dienstzeit, fand Kirchenvorsteher Peter Helwig heraus.

»Es war gut so wie es war«, sagte der 65-Jährige einige Tage vor dem Abschiedsgottesdienst. Im Büro im Gemeindehaus in Göbelnrod hängen keine Bilder mehr, die Bücher sind auch nicht mehr da. Auf dem Schreibtisch steht ein Laptop, an dem er gerade noch gearbeitet hat. Seinen Lebensmittelpunkt hat Schmidt schon seit einem Jahr in einem Ortsteil von Bad Endbach, im Haus seiner Eltern. Ins Büro nach Göbelnrod, wo er mit der Familie 34 Jahre nebenan gewohnt hat, kommt er nur noch für die Dinge, die nur dort erledigt werden können. »Wir haben uns hier immer wohlgefühlt«, lobt Schmidt das Leben in der dörflichen Gemeinschaft.

Gottesdienst feiern und diese bewusst gestalten, die Arbeit mit Kindern und die Seelsorge standen für Pfarrer Schmidt im Mittelpunkt seines Dienstes im Kirchspiel. Besonders die Arbeit mit Kindern habe sich sehr verändert.

Die großen Kindergruppen, die sich regelmäßig in den Gemeindehäusern trafen, gebe es nicht mehr, bedauert er: »Die Interessen haben sich verlagert«. Auch die Zahl der Ehrenamtlichen in der Arbeit mit Kindern sei zurückgegangen. Die jungen Leute verließen die Dörfer für Studium und Ausbildung und siedelten sich anderswo an. Er habe den Schwerpunkt dann mehr auf die Grundschule verlagert: »Da war viel aufzubauen«.

Seine Reaktion auf die Corona-Beschränkungen war nicht der Weg ins Internet. Er hat stattdessen Hausgottesdienste entwickelt und die Gemeinde wöchentlich damit versorgt. »Die Menschen, die keinen Bezug zur digitalen Welt haben, sollten nicht abgehängt werden«, findet er.

Das Kirchspiel Wirberg umfasste am Anfang seiner Dienstzeit die Orte Harbach, Beltershain, Göbelnrod und Reinhardshain. »Da waren Kompromisse nötig«, erinnert sich Schmidt. Ein Vorteil sei die Kirche auf dem Wirberg gewesen: »Das ist der gewachsene Mittelpunkt«. Hier finden bis heute die wichtigsten Ereignisse im Kirchspiel statt wie Konfirmationen und Jubiläen. Die Kirche hat sich auch zum kulturellen Mittelpunkt mit geistlichen Konzerten entwickelt. Durch die Zuordnung von Harbach zum Kirchspiel Grünberg war das Gemeindegebiet von Pfarrer Schmidt vorübergehend etwas kleiner, bis 2017 Lumda zum Kirchspiel kam. Die Gottesdienste übernehmen vertretungsweise die Pfarrer Leissler und Gabriel aus der Rabenau, bis ein neuer Seelsorger oder eine Seelsorgerin ins Kirchspiel kommt.

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