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Der großen Liebe über den Weg gepilgert

  • vonPatrick Dehnhardt
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Er wollte einen günstigen Urlaub machen, den Kopf freibekommen und Antworten auf die großen Fragen des Lebens finden. Also pilgerte Moritz Mansson auf dem Jakobsweg. Und ausgerechnet dabei fand er seine große Liebe. Teil 2 der Serie "Warum in die Ferne schweifen".

Es war im Sommer 2011. Moritz Mansson - damals noch Nachname Schmidt - studierte zeitgleich in Brüssel und Gießen. Das Geld war knapp, dennoch wollte er Urlaub machen. Angeregt durch Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" wurde er auf den Jakobsweg neugierig.

Während sich der Comedian in seinem Text ausgiebig über die Herbergen beschwerte, sah der aus Wettenberg stammende Wanderer die Möglichkeiten: "30 Tage à 10 Euro Übernachtungskosten - das ist ein guter Preis." Zudem wollte der heute 32-Jährige seine körperlichen Grenzen kennenlernen.

Über Paris reiste er zunächst nach Saint-Jean-Pied-de-Port, schnürte die Wanderschuhe und machte sich auf die erste Etappe. Im Gegensatz zu Kerkeling hatte er dabei bestes Wetter, "das half, den Berg zu bezwingen". Das könnte aber auch daran gelegen haben, dass der Hesse besser in Form war als der Moderator.

Mansson war von der Landschaft und der Natur beeindruckt. "Ich sah den kompletten Sonnenaufgang über den Pyrenäen. Mir ging es da sehr gut." Um komplett abschalten zu können, kappte er die Verbindung zur Welt. Er hatte nur ein einfaches Mobiltelefon für den Notfall im Gepäck. Ins Internet konnte er damit nicht. So gab es aber auch keinen Druck, ständig Bilder von der Reise über Facebook zu teilen. Stattdessen teilte er in den Herbergen die Zimmer mit anderen Pilgern, "da kommt es vor, dass du mit neun Mann auf einer Stube liegst". Mit dem Schlafen habe er dennoch nie Probleme gehabt: "Wenn du 35 Kilometer gelaufen bist, bist du komplett platt."

Mansson hatte stets das Ziel, morgens um fünf Uhr aufzubrechen. Nur so konnte er sicher sein, in der nächsten Herberge wieder ein Bett zu bekommen - denn diese wurden nach dem Windhundprinzip vergeben. In der Mitte des Jakobswegs lagen die Ortschaften teils 15 Kilometer auseinander. "Da musst du durchhalten", sagt der 32-Jährige.

Dabei seien nicht nur er, sondern auch seine Gedanken gewandert. "Ich habe irgendwann sogar Schlager gesungen." Mansson sagt, er habe sich bewusst dafür entschieden, ohne Freunde loszuziehen. "Ich wollte was Neues kennenlernen. Ansonsten hätte man doch das Gleiche wie sonst beredet."

Unterwegs lernte Månsson einige andere Pilger kennen. Besonders gefiel ihm dabei, dass man sich selbst, aber auch dem Gegenüber komplett öffnen konnte. "Und wenn dir eine Person nicht gefällt, dann gehst du am nächsten Tag einfach ein bisschen schneller oder langsamer."

Bereits am zweiten Tag lief ihm eine Pilgerin in seinem Alter über den Weg, ein paar Tage später wieder. Er und Louise Mansson verabredeten sich, eine Etappe gemeinsam zu gehen und zu schauen, ob man miteinander im Wandern mithalten könne. Schnell fanden sie dabei Gemeinsamkeiten. "Wir waren zwei Nachdenkliche auf der Suche nach den Antworten des Lebens."

Der ersten gemeinsamen Etappe folgten weitere. Nur einmal gingen sie getrennte Wege, als sie sich an einer Gabelung nicht einigen konnten, ob sie den Weg nach unten oder oben einschlagen sollten. Beide Pfade führten wieder zusammen - jedoch verpassten sie sich an jener Kreuzung. "Und wir hatten keine Handy-nummern ausgetauscht." Die einzige Lösung war, immer weiter zu laufen, bis man den anderen traf. "Ich bin 50 Kilometer weit gegangen, um sie wiederzufinden." Dann suchte er sich völlig erschöpft eine Herberge - und plötzlich "kam sie angelaufen".

Einen besonderen Moment teilten beide, als sie das Cruz de Ferro auf dem höchsten Punkt des Jakobswegs 1500 Meter über dem Meeresspiegel erreichten. Als sie dort - wie es Brauch ist - einen Stein von Zuhause ablegten, fing ein Pilger aus Österreich an, auf seinem Saxophon "Amazing Grace" zu spielen. "Da haben wir vor Rührung geweint."

Als die beiden Pilger Santiago de Compostela erreichen, beschließen sie, noch bis zum Kap Finisterre am Meer weiterzugehen. "Da hatten wir schon gemerkt, dass wir uns mögen."

Aus der Pilgerreise wurde ein gemeinsamer Lebensweg: 2014 heiratete das Paar, 2013 und 2015 kamen die Töchter zur Welt.

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