Die Register mit den Pfeifen sind schon ausgebaut, die leeren Gehäuse der Orgel werden ebenfalls gereinigt und überarbeitet. Die lindgrüne Farbe weicht einem hellen Grau. Pfarrer Schaaf (am Spieltisch) berät sich mit den Handwerkern. FOTO: SO
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Die Register mit den Pfeifen sind schon ausgebaut, die leeren Gehäuse der Orgel werden ebenfalls gereinigt und überarbeitet. Die lindgrüne Farbe weicht einem hellen Grau. Pfarrer Schaaf (am Spieltisch) berät sich mit den Handwerkern. FOTO: SO

Das große Pfeifenputzen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Rund 760 Pfeifen, von bleistiftstark bis mehr als mannshoch, hat die Orgel in der Krofdorfer Margarethenkirche in ihren elf Registern. Jede einzelne von ihnen wandert in diesen Tagen durch die Hände eines Orgelbauers, um gereinigt zu werden. Zum ersten Mal übrigens seit 50 Jahren.

Die Pfeifen der Orgel in der Krofdorfer Margarethenkirche kehren an ihren "Geburtsort" zurück. In der Werkstatt von Meister Günter Hardt in Möttau bei Weilmünster war die Orgel um 1970 gebaut und 1971 in der Krofdorfer Kirche auf der Westempore eingebaut worden. Sohn Uwe Hardt, der das Unternehmen in vierter Generation führt, besorgt jetzt die Überarbeitung des Instruments. Das Unternehmen bringt reichlich Erfahrung insbesondere bei Restaurierungen mit, betreuen die Mitarbeiter doch bis zu 350 Orgeln in ganz Hessen und darüber hinaus.

14 Tage sind für die Arbeiten geplant, bewusst terminiert zu Ferienbeginn. In den vergangenen Jahren war die grundhafte Reinigung immer wieder mal Thema gewesen, jetzt wurde es wirklich Zeit. Das bestätigt auch das Gutachten des zurate gezogenen Orgelsachverständigen der Rheinischen Kirche, Friedhelm Haverkamp. Eigentlich geht man davon aus, dass etwa alle 25 Jahre ein solches Instrument gründlich geputzt werden muss. Der Zustand einer Orgel hängt derweil immer ab von Faktoren wie Luftfeuchtigkeit oder der Art der Heizung in einer Kirche. Staub und Schimmel, das sind die beiden größten Feinde der Instrumente.

Das Krofdorfer Instrument hatte bislang keine Revisionstüren, was die regelmäßige Wartung und Durchsicht nicht so ganz einfach machte. Das wird jetzt geändert. Die Orgel trägt übrigens immer noch das erste Farbkleid von 1971, ein zartes Lindgrün. Auch das wird jetzt an die helle Ausgestaltung der Kirche mit Weiß und Grau angepasst.

Die Margarethenkirche war in der Vergangenheit mehrfach umgestaltet worden. Bei der großen Kirchensanierung von 1965 bis 1968 gab es einen neuen Anstrich und dann wieder im Jahr 2003. Das heutige Erscheinungsbild stammt aus diesem Jahr und war seinerzeit mit der Landesdenkmalpflege abgestimmt. Übrig geblieben war seinerzeit nur die lindgrüne Farbe der Orgel. Denn die Gemeinde scheute damals die Kosten, die ein Grundreinigen und Streichen der Orgel mit sich gebracht hätte.

Prof. Johannes Schreiter, der Glaskünstler, dem die Krofdorfer Gemeinde mehrere wunderbare Fenster zu verdanken hat, hatte sich schon vor gut zehn Jahren an dem Farbton gestoßen, der gar nicht recht zur restlichen Ausgestaltung der Kirche passen wollte. Das wird jetzt korrigiert.

"Die Idee ist, die Orgel farblich etwas zurückzunehmen gegenüber dem Kirchenfenster und harmonischer in den Innenraum einzupassen", sagt Pfarrer Christoph Schaaf.

Die farbliche Gestaltung besorgt Maler Udo Krausch aus Laubach. Zusammen mit dem Stiftungsbeirat und Presbyteriumsmitgliedern hat er Ende der vergangenen Woche beraten, wie es werden soll. Auch die in Denkmalschutzfragen kompetente Architektin Stefanie Muskau wurde eingebunden.

Rund 25 000 Euro sind für die Arbeiten insgesamt eingeplant. Bereits seit einem dreiviertel Jahr werden in der Gemeinde etwa bei Gottesdiensten Spenden gesammelt, um die Arbeiten zu finanzieren. Eigentlich sollten zudem noch Konzerte stattfinden, um die weiteren Mittel einzuspielen. Doch die sind jetzt erst einmal der aktuellen Corona-Situation zum Opfer gefallen.

Mit einer Spendenaktion, bei der Patenschaften für Pfeifen übernommen werden können, sollen weitere Mittel gewonnen werden.

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