Auf dem Feld zwischen Lich und Laubach tummeln sich bei Sonnenschein die Erdbeerliebhaber. FOTO: LKL
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Auf dem Feld zwischen Lich und Laubach tummeln sich bei Sonnenschein die Erdbeerliebhaber. FOTO: LKL

Große Nachfrage

  • vonLena Karber
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Die Erdbeersaison läuft auf Hochtouren. Vor allem Felder zum Selberpflücken erfahren im "Corona-Jahr" eine große Nachfrage, berichten die Anbieter hierzulande. Doch wer noch Erdbeeren ergattern will, sollte sich beeilen.

Schon mehrfach musste Ulrich Bender schließen, weil es auf den Feldern nichts mehr zu holen gab. "Ich kann die grünen Erdbeeren ja nicht rot anmalen", sagt er und lacht. "Schmeckt ja nicht, also müssen sie erst einmal nachreifen."

Seit Ende Mai läuft auf vielen Feldern zum Selberpflücken im Kreis Gießen die Erdbeersaison. Auch am Münsterer Kreuz zwischen Lich und Laubach, wo die Familie Bender auf einem Hektar insgesamt sieben verschiedene Sorten Erdbeeren anbaut. Seit dem 24. Mai können sie geerntet werden - mit einigen Tagen Unterbrechung, denn der Betrieb sieht sich in diesem Jahr mit einer ungünstigen Konstellation konfrontiert: Eine mäßige Ernte trifft aktuell auf eine enorme Nachfrage. "Ich schätze, die Nachfrage ist um ein Viertel oder sogar um die Hälfte gestiegen", sagt Bender. "Aber wegen der Dürre im Frühjahr sind die Erdbeeren kleiner. Und es gibt auch insgesamt weniger."

Über eine Erdbeer-Hotline hält der Betrieb seine Kunden daher aktuell auf dem Laufenden: Wählt man die entsprechende Nummer, erfährt man über eine Bandansage, ob das Feld geöffnet ist oder wie lange die Pause, die den Früchten zum Nachreifen gegeben werden muss, voraussichtlich noch dauert. Viele Anrufe nimmt Bender auch persönlich entgegen. "Das Telefon klingelt ab morgens um sechs Uhr ständig", sagt er. "Bestimmt hundert Mal am Tag."

Wie zur Bestätigung meldet sich in diesem Moment sein Handy. Eine Frau fragt, ob geöffnet ist. "Ja, aber Sie sollten am besten bald kommen", lautet Benders Rat. "Ich kann nicht garantieren, dass um 15 Uhr noch Erdbeeren da sind."

Nach dem Anruf schüttelt Bender mit dem Kopf. Dass er zum Teil Leute wegschicken muss oder Gäste vor geschlossenen Feldern stehen, wenn sie zu spät kommen, gefällt ihm nicht. "Ich kann nicht sagen, dass wir zufrieden sind, wir würden natürlich gerne viel mehr verkaufen", meint Bender. "Aber im Corona-Jahr ist eben alles anders."

Dass so viele Leute kommen, um selber Erdbeeren zu pflücken, hängt für ihn eng mit der aktuellen Situation zusammen. "Als wir aufgemacht haben, wurden wir quasi überfallen", sagt er. "Man merkt, dass die Leute einfach mit ihren Kindern mal wieder raus wollten - gerade dann, wenn die Sonne scheint." Die Voraussetzungen sind seiner Meinung nach optimal: "Wir sind eine Open-Air-Veranstaltung."

Auch Wolfgang Schadeck bemerkt auf dem Johanneshof in Lich eine sehr hohe Nachfrage nach Erdbeeren. Er vermutet noch einen weiteren Grund: "Vielleicht läuft das mit den Lieferungen aus dem Ausland nicht so gut wie sonst", sagt er. "In den Supermärkten ist ja auch das Gemüse teurer geworden." Deutsche Waren seien daher sehr gefragt.

Die Dürre im Frühjahr hat seinen Erdbeeren weniger zugesetzt, da sie teilweise beregnet wurden. Doch insgesamt handele es sich um eine "mittlere Ernte", meint Schadeck. "Die Erdbeersaison war mal wieder von allen Schwierigkeiten durchsetzt", sagt er und zählt auf: Dürren im Frühjahr, eine extreme UV-Belastung um Pfingsten, Hagel und zuletzt auch Starkregen.

Im Gegensatz zu Pflanzen im Tunnelanbau seien seine konventionell angebauten Pflanzen Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Daher habe er über diese sehr teure und aufwendige Angelegenheit "zumindest schon einmal nachgedacht", wenn auch eher perspektivisch. "Die Wetterextreme nehmen einfach immer mehr zu", sagt Schadeck. "Dadurch wird der Freilandanbau immer risikobelasteter."

Vom Wetter hängt es auch ab, wie lange die Erdbeersaison noch dauert. Extreme Hitze lässt die Früchte schneller reifen, Nässe birgt die Gefahr von Fäulnis. Experte Schadeck rechnet aktuell damit, bis Ende dieser Woche, vielleicht auch noch ein paar Tage länger, Erdbeeren anbieten zu können. Bei Bender ist es ähnlich. Er geht von etwa zwei Wochen aus.

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