Große Lohnlücke

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Gießen(pm). Sie arbeiten genauso lang, ziehen aber beim Verdienst den Kürzeren: Frauen, die im Landkreis Gießen eine Vollzeitstelle haben, verdienen rund 370 Euro weniger im Monat als ihre männlichen Kollegen. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zum Internationalen Frauentag am 8. März hingewiesen.

Die Gewerkschaft beruft sich auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach liegt das durchschnittliche Vollzeiteinkommen von Frauen im Kreis Gießen aktuell bei 3 098 Euro im Monat - Männer mit der gleichen Arbeitszeit kommen auf 3 467 Euro. Das macht einen Unterschied von elf Prozent.

Kleine Einkommen, Mini-Renten

"Es kann nicht sein, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt noch immer so stark benachteiligt sind. Viele Unternehmen in der Region nutzen das Lohngefälle aus, obwohl sie mehr zahlen müssten", kritisiert Andreas Kampmann von der NGG-Region Nord-Mittelhessen. Besonders problematisch sei die Situation in frauendominierten Berufen - etwa im Gaststättenservice oder im Bäckereiverkauf.

Wenn hier nicht nach Tarif gezahlt werde, träfen niedrige Löhne häufig auf Teilzeitjobs und befristete Stellen. "Die Folge sind geringe Einkommen und im Alter Mini-Renten, die Frauen dann beim Amt aufstocken müssen", sagt Kampmann.

Nach Einschätzung des Gewerkschafters dürfte die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern im Landkreis Gießen sogar bei deutlich über elf Prozent liegen: "Bezieht man Teilzeitstellen und Minijobs in die Rechnung ein, wird die Kluft noch größer. Denn hier arbeiten mehr Frauen als Männer. Zugleich sind die Löhne im Schnitt deutlich niedriger."

Die Gewerkschaft fordert die Unternehmen erneut auf, die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen zu beenden. Auch die Politik sei gefordert.

"Statt immer neuer Lippenbekenntnisse zum Frauentag brauchen wir einen gesetzlichen Anspruch auf gleiches Geld für gleichwertige Arbeit, der Wirkung zeigt und in den Betrieben zwingend umgesetzt werden muss", sagt Kampmann. Alles andere sei im Jahr 2020 von vorgestern.

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