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Mezzosopranistin Michaela Wehrum (l.) und Sopranistin Nicole Tamburro begeistern in der Licher Marienstiftskirche.

Große Gefühle, großes Vergnügen

  • VonRedaktion
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Seit Jahren zählt »Barock festlich« zu den Höhepunkten der Konzertszene. Am Samstagabend war es in Lich wieder so weit.

Ein ganz besonderes musikalisches Büfett hatte man in der Licher evangelischen Marienstftskirche am Samstag wieder angerichtet: »Barock festlich«. Geboten wurde ein fünfteiliges Programm verschiedenster Genres. Von der zarten Kammermusik bis zum machtvollen Chorgesang war alles dabei, und zur Vielfalt kam noch ein herausragendes handwerkliches Niveau. Die Zuhörer waren schwer begeistert.

Die Reihe zählt seit Jahren zu den Schwerpunkten der regionalen Konzertszene und glänzt mit diversen Höhepunkten. Doch statt die Musikfreunde mit einer Mammutstrecke zu strapazieren, teilte man den Abend in fünf Teile und ließ genug Erholungspausen für alle.

Die Entscheidung fiel in jedem Fall schwer, schon der kammermusikalische Auftakt war verlockend: Susanne Oehler (Flöte), Elisa Friedrich (Violine), Torsten Oehler (Cello) und Christof Becker (Cembalo) musizierten Werke von Johann Sebastian Bach, Franz Benda und Carl Philipp Emanuel Bach.

Darauf folgten kleine geistliche Konzerte, gesungen von Tenor Shawn Mlynek und Orgelmusik von Rosenmüller, Johann Joseph Fux und anderen sowie im Teil »Cellissimo« die a-Moll Cellosonate von Francesco Geminiani und die bedeutende 5. Suite für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach mit Cellistin Katja Kapus. Sie entfaltete auf ihrem Instrument mit größter Sicherheit eine enorme Klangvielfalt und erarbeitete ganz sensible Stimmungsnuancen. Besonders war, wie sie den Klang in die machtvolle Akustik der Kirche förmlich einschmiegte. Herausragende Transparenz und spürbare Emotionalität waren weitere Hauptmerkmale ihres von Glanzlichtern erhellten starken Auftritts.

Den Abschluss des Abends bestritt dann der bekannte, herausragende Violinist Vesselin Paraschkevov mit der Sonate und Partita I von Bach für Violine solo.

Exzellente Interaktionen

Mit Spannung erwartet wurde das Chorkonzert, in dem zwei Großwerke Vivaldis zu Gehör kamen. Als erstes das »Magnificat« RV 610 (Der Lobgesang der Maria) in sieben Teilen, gefolgt vom »Gloria«. Interpreten waren die Camerata Vocale Hessen und die Cappella Instrumentalis unter der Leitung Christof Beckers.

Schon hier setzten Sopranistin Nicole Tamburro und Mezzosopranistin Michaela Wehrum dem Geschehen Glanzlichter auf; Bereits die ersten beiden Sätze gelangen wunderbar, mit exzellenten Interaktionen zwischen Solisten und Ensemble. Mit frischem Elan eröffnet, gestaltete man den zweiten vielfältig verträumt und mit dramaturgischer Variation. Im Nu war klar, dass der bestmotivierte Chor mit den glänzenden Instrumentalisten und Solistinnen ein ideale Verbindung eingegangen war, die zahlreiche spannende Phasen hervorbrachte. Das reichte vom lieblichen Timbre bis zu strahlender barocker Klangpracht und war oft tänzerisch ausgelegt.

Christof Becker führte mit Sensibilität, Engagement und Präzision das Ganze bis zum finalen, prachtvoll barocken Glanz. Resultat: So ergriffen war man musikalisch schon lange nicht mehr; ein herzlicher, wertschätzender Beifall des hingerissenen Publikums war die Folge.

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