+

"Grimms Zeichner" in Laubach

  • schließen

Ein "Gruß aus Hessen" erwartet die Besucher der neuen Sonderausstellung im Museum Fridericianum zu Laubach. Der Name passt, präsentiert der Heimatkundliche Arbeitskreis doch Postkarten und Buchillustrationen des Marburger Künstlers Otto Ubbelohde (1867 - 1922), dem zu Recht das Attribut "Hessen- Maler" zuerkannt worden ist.

Schwerpunkt der Ubbelohde-Ausstellung im Fridericianum ist das umfangreiche Werk an Ansichtskarten des Marburger Malers und Grafikers. Das Gros der Exponate - darunter Ansichten idyllischer Winkel aus Laubach und Lich - stammt aus der Sammlung von Wolfram Bamberger. Im Sommer zunächst in dessen Heimatstadt Marburg und dort im "Haus der Romantik" zu sehen, darf sich nun das Fridericianum glücklich schätzen, diese sehenswerte Werkschau zu präsentieren.

Freilich hat der "Hessen-Maler" Otto Ubbelohde über den einstigen Volksstaat hinaus Berühmtheit erlangt. Ergebnis seiner Zeichnungen für Grimms Märchen. Wer etwa kennt es nicht, das bitterarme kleine Mädchen, das mit seiner Schürze Sterntaler auffängt? Im Fridericianum ist es neben anderen Illustrationen der Fantasiewelt der Gebrüder zu entdecken.

Björn-Christoph Stühler, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises, machte bei der Vernissage am Freitag auf eine "Zugabe" aufmerksam: Neben den Arbeiten aus der Sammlung Bambergers finden sich in den Vitrinen auch Trachten aus dem Fundus des Museums. Dies erscheint als passende "Begleiterscheinung", sind doch Illustrationen Ubbelohdes zu Büchern über hessische Trachten ausgestellt.

Kunsthistorikerin Sabine Harder gab sodann einen ausführlichen Einblick in das Schaffen Ubbelohdes. Dieser war nach Lehr- und Studienjahren schließlich nahe seiner Geburtstadt Marburg, im heutigen Lahntal-Goßfelden, sesshaft geworden. Als junger Mann hatte er sich in München zum Porträtmaler ausbilden lassen, ein Studium des naturalistischen Malstils absolviert. Eine prägende Lehrzeit, das belegen in Laubach gezeigte detailgenau-realistische Stadtansichten ebenso wie seine immerwährende Vorliebe zur Landschaftsmalerei. Ubbelohdes Schaffen, auch das erfährt der Besucher des Fridericianums, stand ganz im Spannungsfeld unterschiedlicher künstlerischer Strömungen der Zeit um 1900.

Kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert sollte er dann das Fundament für seine landesweiten Bekanntheit legen: Mit "feinfühligem Sensorium" (Harder) brachte er 447 Federzeichnungen für eine 1906 erschienene dreibändige Ausgabe zum 50. Jahrestag der letzten Märchenedition der Brüder Grimm zu Papier. Eine neue und eigene, gerade für Kinderaugen fesselnde Bilderwelt.

Neben Buchillustrationen, Kalendern, Exlibris, Stadtführern und Plakaten entwarf Ubbelohde mit größter Präzision und Detailtreue Vorlagen für Ansichtskarten. Die wurden damals immer beliebter: 1875 beförderte die Deutsche Post 62 Millionen Karten, 1900 hatte sich deren Zahl schon mehr als verzehnfacht: Mit 955 Millionen war ihr Anteil an den Brief- und Postkartensendungen zugleich von elf auf 36 Prozent gestiegen.

Als Gebrauchsgrafiker fand er hier sein Auskommen, reiste dafür häufig auch durch den Vogelsberg und bannte idyllischen Winkel wie die Licher Schlossgasse oder das gräfliche Anwesen zu Laubach auf Karton. Insgesamt prägte seine Heimat sein Œuvre, kein Wunder also, dass er der Nachwelt als der "Hessen-Maler" in Erinnerung blieb.

Die Ubbelohde-Ausstellung ist bis 23. Februar 2020 jeweils samstags und sonntags von 14.30 bis 16.30 Uhr sowie an jedem ersten Mittwoch im Monat von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare