Im Süden von Fellingshausen findet sich am Waldrand ein sehenswerter Grenzsteingarten. FOTO: SO
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Im Süden von Fellingshausen findet sich am Waldrand ein sehenswerter Grenzsteingarten. FOTO: SO

Die Grenzen erkunden

  • Rüdiger Soßdorf
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"Auf den Spuren unserer Vorfahren" nennt Ernst Döpfer die heimatkundliche Rundwanderung entlang historischer Grenzen rund um sein Heimatdorf Fellingshausen.

Dünsberg. An die höchste Erhebung weit im Westen des Kreises Gießen denkt jeder automatisch, wenn die Stichworte "Wandern" und "Biebertal" fallen. Der Weg auf den knapp 500 Meter hohen Berg macht Lust und gute Laune. Nicht minder ganz oben die Einkehr in der Raststätte bei Thorsten Scherer und seinem Team. Doch der Aufstieg zum Gipfel soll bei der heutigen Wanderempfehlung nur ein Extra-Schmankerl sein.

Unter die Wanderstiefel genommen wird vielmehr eine von Ernst Döpfer aus Fellingshausen ausgearbeitete Route. "Auf den Spuren unserer Vorfahren" nennt Döpfer die heimatkundliche Rundwanderung entlang historischer Grenzen. Er engagiert sich seit Jahrzehnten im VHC Gießen und ist ehrenamtlicher Wanderwegemarkierer.

Als Start- und Zielpunkt bieten sich der Parkplatz am Krumbacher Kreuz oder das Hotel/Restaurant "Zum Keltentor" am Waldrand nahe Fellingshausen an. Warum? Eine gute Gelegenheit, im dortigen Restaurant Le Chalet die Wanderung mit Leckereien aus der mediterranen Küche ausklingen zu lassen.

Doch vor der Schlussrast steht der Weg. Döpfer empfiehlt die Rundwanderung gegen den Uhrzeigersinn. So folgt man im ersten Abschnitt ab dem Hotel Keltentor südwärts dem Kelten-Römer-Pfad (Markierung KR), einem zertifizierten Qualitätswanderweg, der dort nach wenigen Schritten auf die Spuren des Bergbaus am Dünsberg führt. "An dieser Stelle war die alte Förderstätte der Grube Friedberg, in der bis in die 1960er Jahre Brauneisenstein und Manganerz abgebaut wurden", erläutert Wanderführer Döpfer. Über saftige Wiesen geht es auf dem Kelten-Römer-Pfad ostwärts. Nach dem Queren der Kreisstraße Rodheim-Fellingshausen führt der Weg zum Waldrand, zur sogenannten Toteneiche. "Bis etwa zum Jahr 1710 mussten die Toten von Fellingshausen zur Bestattung nach Rodheim getragen werden. Wie schriftlich und mündlich überliefert ist, bewegte sich der Trauerzug auf dem Weg über den Bauroth bis zur Eiche. Hier wurde eine Rast eingelegt und die Leichenträger wechselten, bevor es auf geradem Weg weiterging zum Rodheimer Kirchhof. Daher der Name "Toteneiche", skizziert Döpfer die historische Bedeutung dieses Naturdenkmals. Nur wenige Schritte weiter, am Waldrand, befindet sich der im Jahr 2014 angelegte Grenzsteingarten. ein sogenanntes Lapidarium. Döpfer, im Ehrenamt Obmann für historische Grenz- und Vermessungsmale im Landkreis Gießen, hat dort Forststeine, Gütersteine und Bergwerksteine zusammengetragen - eine ganz besondere Sammlung in der Region. Praktisch, dass es dort zugleich eine Info-Tafel sowie Flyer zum Mitnehmen gibt.

Der Weg führt von dort bergauf und dann wieder hinab bis ins Hammersbachtal. Auch dort finden sich entlang des Weges immer wieder Grenzsteine, wie ein Exemplar von 1776 oder ein Dreimärker mit den Initialen GH für das Großherzogtum Hessen sowie FLH/RDH für Fellingshausen und Rodheim. Auf der Rückseite steht KP für das Königreich Preußen und KFD für Krofdorf. Döpfer: "Es ist ein ehemaliger Landesgrenzstein an drei Gemarkungen. Daher die Bezeichnung ›Dreimärker‹".

Auch nach dem Queren der Landstraße auf dem weiteren Weg nordwärts kommt man immer wieder an historischen Grenzsteinen vorbei bis zum Krumbacher Kreuz. Dort, direkt am Fuß des Dünsberges, befinden sich seit fast 20 Jahren Keltentor und Keltengehöft; eine sehenswerte Rekonstruktion keltischer Wall- und Siedlungsanlagen.

Wie jetzt weiter? Entweder die Fahrstraße oder einen der vielen anderen Wege hinauf zum Gipfel mit herrlichem Fernblick aus dem Aussichtsturm (und der Möglichkeit zu besagter Einkehr mittwochs, samstags und sonntags) oder aber den direkten Weg am Ortsrand von Fellingshausen entlang zurück zum Hotel Keltentor, falls das Auto dort wartet. Mit Dünsberg-Einkehrschwung sind’s 13 Kilometer. ohne gut acht, die unter die Wanderschuhe genommen werden.

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