HR3-Chef Jörg Bombach: Von Status Quo zur Klassik

Frankfurt. Bei Treffen im Rundfunkhaus an der Bertramswiese werden HR-Chef Jörg Bombach eingie Gemeinnisse entlockt, die so noch nicht im Internet stehen: Er spricht über sein Verhältnis zu Frankfurt, seine Meinung zum Quoten-Gerangel mit dem Privatfunk und über das "Stigma", in Offenbach geboren zu sein.

Treffpunkt Funkhaus Bertramswiese. Die Schlagzeile "Mit Bombi auf’n Bembel nach Bornheim" hat sich zerschlagen. Der eloquente Mittfünfziger, der ungern über sein Alter räsoniert und vom HR als "sympathischer Endzwanziger" kommuniziert wird, ist zu beschäftigt, muss sich jeden Termin freischaufeln. Zumal: Gedöns um seine Person ist dem HR3-Chef und "Hessenquiz"-TV-Moderator eher fremd. Ein Blick ins Internet belegt’s: Ein paar Interviews, plus die vom Sender vorgehaltene Biografie – viel mehr ist nicht zu finden.

Dabei ist der Mensch interessant. Bombach zählt zu den 100 berühmtesten Frankfurtern der Jetztzeit. Trotz des Stigmas, in Offenbach geboren zu sein. Aber das sei ein Versehen gewesen, klärt er auf. Die Eltern – Mutter aus Österreich, Vater Ostpreuße – waren nach dem Krieg in Frankfurt gelandet. Mutters (Frankfurter) Arzt hatte eine Entbindungsklinik am Kaiserleikreisel – und als der Vater den Buben im Römer standesamtlich anmelden wollte, wurde er abgewiesen. Zum gebürtigen Frankfurter fehlten für Klein-Jörg wenige Meter ...

Trotzdem wurde "Bombi" ein Frankfurter durch und durch. Groß geworden in Bornheim an der Landwehr, den Trümmerberg am Ratsweg als Abenteuerspielplatz vor der Haustür, sog er Frankfurt quasi mit der Muttermilch auf. Dass sich die Halde über das alte Eintracht-Stadion am Riederwald erstreckte, sollte der Junge erst später erfahren. "Dort haben wir wunderbar spielen können: Schutt, die Reste der Stadt. Im Sommer Himbeern und Brombeern gelesen. Und Matchbox-Autos gesprengt: Die explosive Mischung bestand je zur Hälfte aus Unkraut-Ex und Zucker."

Von den Eltern, die Opernliebhaber und Konzertbesucher waren, erbte Bombach das Musische. Köstlich in diesem Zusammenhang ein Schlüsselerlebnis: In früher Jugend hatte er den Vater gebeten, ihm ein auf SWR3 zu hörendes Konzert von Status Quo aufzunehmen, mit dem großen Telefunken-Tonband. "Ich das Mikro vor das Radiogerät, die größten Bänder drauf und alles eingestellt.

" Beim Abhören die Überraschung: Auf dem Band waren noch die um Mitternacht ausgestrahlte Nationalhymne und große Teile der anschließend gesendeten Siebten Sinfonie von Beethoven. "Es wurde meine Lieblingssinfonie."

Die Frankfurt-Zuneigung – selbstredend ist "Bombi" Adlerträger und häufig im Waldstadion anzutreffen – wuchs mit dem Aufblühen der Stadt in den Jahren der Oberbürgermeister Wallmann, Hauff und Roth, ging einher mit der auf fruchtbaren Boden fallenden Kulturpolitik von Stadtrat Hilmar Hoffmann zwischen 1970 und 1990.

Frankfurt zuvor – wer wollte hin? Niemand! München: Schätzchen und Film und Olympia und Schickimicki. Berlin (West): Fluchtpunkt. Hamburg: Beatles, Beat und Große Freiheit. Aber Frankfurt? "Die Stadt war nix und kriminell!" Das hat sich grundlegend geändert. Und "Bombi" genießt das in vollen Zügen. Er ist mit seinem Frankfurt im Reinen. Alte Oper, Römerberg, Zeil, das Mainufer, das schon von Goethe geschätzte "Nizza".

Wenn ihm alles zu eng ist, findet man Bombach auf dem Dach des Börse-Parkhauses, in der "Long Island Summer Lounge": "... wie auf dem Deck eines Oceanliners." Seine Tipps fürs Winterhalbjahr, in fußläufiger Entfernung zueinander: "22nd Lounge" im "Eurotheum" ("...wie in Manhattan") und die Bar im 53. Maintower-Stockwerk. Bevorzugte Gastronomie-Adressen des HR3-Chefs sind das "Gregorellis", ein In-Italiener in der Meisengasse (zwischen Parkhaus Börse und Fressgass), das "Charlot" am Opernplatz, die Gerbermühle ("... seit zwei Jahren wieder") und das von Traiteur Meyer betriebene "Holbein’s" im Städel-Museum. Letzteres auch und vor allem zur Zeitungslektüre, die dem Journalisten J. B. ein Muss ist, wie er sie auch von seinen Leuten fordert, damit die "à jour" sind, tagesaktuell informiert.

Beim Plaudern mit Bombach an der Bertramswiese ist auch vom Hörfunk die Rede, von dessen Qualitäten und den Ansprüchen. Zum Quoten-Gerangel zwischen HR und FFH ist längst alles gesagt. "Die Claims sind abgesteckt. (...) Wir haben unsere Lektion gelernt." HR3 sei "so erfolgreich wie seit zehn Jahren nicht mehr".

Wichtig für Bombach: Qualität geht vor! Der Chef steht auf das gescheite Wort, den guten Satz. "Wir brauchen keine Dampfplauderer. Man muss verantwortlich mit der Sprache umgehen, mit ihr jonglieren können." Kreativität sei gefragt, denn: "Unterhaltung ist das schwerste aller Radiogeschäfte." Nicht zu vergessen die Identität: "Unser USP ist Hessen; das ist das, was wir können und andere nicht!"

Noch einmal kommt die Sprache auf die Musik. Immerhin war der in Flöte und Klavierspiel geschulte Sohn von Klassik-Eltern mal Bassgitarrist der Punk-Rock-Band Straßenjungs. Er sei, so sagt Bombach, musikalisch nicht festgelegt, mag Tschaikowskys Klavierkonzerte, geht zu Howard Carpendale, hört AC/DC, genießt große Oper. "Das ist o.k.; ich schäm mich nicht. Musik ist Musik. Nur Schrumpfhirne beanspruchen ein Genre als geltenden Musikgeschmack."

Und Bombachs Allzeit-Musik-Favoriten? Tschaikovsky – 1. Klavierkonzert / Green Day – "Basket Case" / Smetana – "Die Moldau" / Bruno Mars – "The lazy song" / AC/DC – "You shook me all night long" / Comedian Harmonists – "Mein kleiner grüner Kaktus" / CCR – "Fortunate Son" / Tim Bendzko – "Nur noch kurz die Welt retten" / Lucenzo feat. Don Omar – "Danza Kuduro" / Beethoven – die Siebte.

Bleibt für den Moment die Erinnerung an Bombachs schwärzeste Stunde im Job. In jungen Jahren war er nach London geschickt worden zu einem Queen-Konzert samt Interviewtermin mit Freddie Mercury. Schock in einem Nobelhotel an der Themse: Im Sony-Cassettenrecorder war keine Kassette drin. Was tat der Bub? Drückte "rec", legte eine Zigarettenschachtel aufs MC-Fensterchen und plauderte mit dem Promi, als wenn nichts wär. Rückkehr nach Frankfurt. Frage des Chefs: Wie war’s? Antwort, ganz selbstbewusst. Nein, das könne man nicht senden, der Herr sei so zugekifft gewesen. Er, Bombach, habe das Band "gleich gelöscht!".

Man muss sich halt immer nur zu helfen wissen. No. Schmidt

Ein paar Fakten zu: HR3-Chef Jörg Bombach

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