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Nach Zahlen der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation in Linden lag die zu Tages- und Nachtzeiten gemessene durchschnittliche Temperatur in den Monaten März bis Mai bei 7,8 Grad - und war damit um einiges kälter als in den vergangenen Jahren zu dieser Jahreszeit.

1,6 Grad zu kühl

  • vonStefan Schaal
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Endlich herrschen Sommer und warme Temperaturen im Kreisgebiet. Der Frühling unterdessen hat einen regnerischeren und ungewöhnlich kühlen Eindruck hinterlassen. Doch bestätigen das auch die gemessenen Zahlen? Nur zum Teil, wie Dr. Gerald Moser vom Institut für Pflanzenökologie der Uni Gießen erklärt, der auf Daten einer Forschungsstation in Linden zurückgreift.

Ungewöhnlich kühl und regnerisch bleibt der Frühling im Kreisgebiet in Erinnerung. Dies belegen nun auch Zahlen der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation in Linden - zumindest, was die Temperaturen angeht.

So lag die zu Tages- und Nachtzeiten gemessene durchschnittliche Temperatur in den Monaten März bis Mai bei 7,8 Grad - und damit 1,6 Grad unter dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre. »Vor allem im April war es deutlich zu kühl«, berichtet Dr. Gerald Moser vom Institut für Pflanzenökologie der Uni Gießen, der die Forschungsstation in Linden maßgeblich betreut. Der Monat fiel um 2,9 Grad kälter aus als der Durchschnittswert im April in den vergangenen 25 Jahren in Höhe von 9,4 Grad.

In der Wahrnehmung vieler Menschen im Gießener Land war der Frühling außerdem ungewöhnlich nass. Die Daten der Station in Linden allerdings legen nah, dass der Eindruck eher täuscht. Demnach hat es im Vergleich zu den vergangenen 25 Jahren zwar leicht, aber nicht sonderlich viel mehr geregnet.

So sei in Linden von März bis Mai eine Niederschlagsmenge von insgesamt 126,3 Millimetern gemessen worden, erklärt Moser. »Das sind 1,9 Prozent mehr als im Durchschnitt in den Jahren 1995 bis 2020.« Der April allerdings, räumt Moser ein, sei ungewöhnlich feucht gewesen, mit 45,8 Millimetern im Vergleich zu durchschnittlich 35,1 Millimetern in den vergangenen 25 Jahren. Der März hingegen sei in diesem Jahr mit 23,0 Millimetern deutlich trockener als sonst gewesen, hier lag der Durchschnittswert zwischen 1995 und 2020 bei 32,1 Millimetern.

Kühler als üblich, etwas mehr Niederschlag als sonst: Diesen Eindruck bestätigt der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der DWD greift auf Daten der Wetterstation Gießen zurück, vergleicht diese allerdings mit deutlich weiter zurückliegenden Durchschnittstemperaturen, nämlich aus den Jahren 1961 bis 1990. Der Frühling sei dieses Jahr mit 7,5 Grad um 0,4 Grad kühler als im Vergleichszeitraum gewesen, erklärt Friedrich. Statt der durchschnittlich 174 Millimeter Niederschlag in der Vergangenheit in den Monaten März bis Mai habe man in Gießen nun 190 Millimeter gemessen, dies sei mit neun Prozent mehr eine leichte Zunahme im Vergleich zu 1961 bis 1990.

Schlüsse, wie heiß nun der Sommer wird, könne man aus dem Frühlingswetter indes schwerlich ziehen, sagt Friedrich. Allerdings veröffentlicht der DWD einen Jahreszeitentrend. Demnach sei für die Region mit einem um 0,5 Grad wärmeren Sommer im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren auszugehen, erklärt Friedrich.

Nach den Hitzerekorden der vergangenen Jahre, in denen die Durchschnittstemperatur im Vergleichszeitraum um zwei bis drei Grad übertroffen wurde, sieht es somit nach einem durchaus warmen, aber etwas milderen Sommer als zuletzt aus. »Die Trefferquote des Trends liegt bei 60 Prozent«, warnt Friedrich davor, sich zu sehr auf den Trend zu verlassen. »Und es geht nur um Durchschnittszahlen. Der Sommer könnte auch kühl starten, 40-Grad-Tage wären dann nicht ausgeschlossen.« Der Jahreszeitentrend diene bestimmten Industriezweigen wie zum Beispiel der Branche für Kühlgetränke, die danach ihre Produktion ausrichtet. Genauere Aussagen für den Sommer Monate im Voraus seien »aus wissenschaftlicher Sicht nicht möglich«, betont der Meteorologe. »Das ist ein Blick in die Glaskugel.«

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