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Gospels ohne Handbremse

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pax_542GailRelease71_Bil_4c © Heiner Schultz

Erfolgreich präsentierte Benjamin Gail seine neue CD bei einem Konzert im Kino Traumstern. Der Licher Musiker und Chorleiter spielte ein Programm von gospelgeprägter Bluesmusik. Gemeinsam mit seiner Band überzeugte Gail mit exzellentem Gesang.

Benjamin Gail, 40, ist in der Region gut bekannt als Chorleiter. In den letzten Jahren leitete er in Lich drei große Gospelprojekte. Er präsentiert die Songs seiner neuen CD »Leave a legacy«, später legt er noch ein paar Covers drauf. Das erste, das dem Zuhörer auffällt, ist Gails makelloser Sopran, mit dem er zunächst noch verhalten die Lieder singt, die Arne Kopfermann und er zumeist gemeinsam komponierten und texteten. Zuallererst macht er klar, dass die Sache gospelorientiert ist und es sich um christliche Inhalte drehen wird (»worship songs«). Eigentlich klar, wenn der Opener schon »God of amazing grace« heißt. Der lässt musikalisch noch nicht viel über den Abend erahnen, ein sanfter, bluesiger Titel.

Mit Eckhard Jung am Schlagzeug, Matthias Gräb am Bass, Christopher Heinzel mit der Mandoline, Sebastian Büttner mit der Gitarre und Dirk Menger am Keyboards steht eine professionelle Band auf der Bühne. Samtweich umfließt die Musik den Gesang, höchste Zurückhaltung und Konstruktivität kennzeichnen die Spielweise sämtlicher Musiker aus.

Der zweite Titel ist einfach rund, sauber und melodisch. Beim nächsten Titel (»In the middle«) schlägt Gail dem Publikum vor, mitzusingen. Das klappt überraschend gut, später klatschen die Zuhörer sogar mit - es scheinen zahlreiche Chormitglieder da zu sein, jedenfalls ist es prima für die Stimmung.

Zwischendurch spricht Gail über seine Erfahrungen beim Komponieren und im Studio und vor allem seinen gelebten Glauben. Das wirkt ungemein entspannt, ihm fehlt jene drängende Intensivität, die beim Zuhörer zum innerlichen Abwenden führt. Unterdes genießt man Gails prachtvollen, klaren und schönen Tenor und die mühelose Eleganz, mit der er singt, technisch untadelig und nicht zuletzt emotional intensiv. Außerdem schreibt er professionelle englische Texte und kennt sich in den sprachlichen Wendungen von Pop- und Blues bestens aus, was deutschen Künstlern selten gelingt.

Einmal hat er eine aparte Geschichte, die nämlich, wie er sich an den Geruch erinnert, den Opas Harmonium besaß und wie das ausgelöst wurde.

Spiel mit Energie

Ein stimmungsvolles Glanzlicht ist »The ship and the kingdom«, eine schöne Ballade, die er live leider ohne Chor singt, auf dem schön klingenden Album kommt das überzeugender - top klingt es dennoch. Überhaupt gibt es nichts, was an Gails Gesang und der Band auszusetzen ist. Er lässt diese Perfektion durch sein authentisches Gefühl überzeugend wirken. Alle Titel klingen übrigens sanft und vollständig aus, was stets in einem gefühlvollen Moment der Stille endet, wie es sich gehört.

Richtig aus sich heraus geht er in »Take me to the king«, einem Cover. Wie vom Eise befreit übertrifft er sich gesanglich nochmal deutlich und lässt ein Gefühl in den Saal strömen, das man förmlich greifen kann. Noch stärker wird er in »Lean on me«, das er mit exakt dem richtigen Gospelgefühl realisiert, Gail kommt auch äußerlich in Bewegung, die Musik reißt ihn mit. Dabei kann er es mit jedem schwarzen Musiker aufnehmen.

Gail erinnert einen an ganz große Namen. Wenn er einen etwas rhythmischeren, flotteren Titel spielt, kommt gleich deutlich mehr Energie ins Spiel und beim Zuhörer an. Sebastian Gail ist auch, gelegentlich, der seelenvolle Shouter, der eine Gemeinde zur Ekstase treiben kann. Insgesamt wirkt die erste Hälfte bei aller Qualität etwas betulich, die zweite deutlich lebendiger und nicht selten mitreißend. Als Zugabe kommt eine satt ausgespielte Fassung von »God of amazing grace«. kdw/FOTO: KDW

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