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Die Goldhochzeit der Wagners und die ungewöhnlichen Geschichten dazu

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Dass bei einer Goldhochzeit Fotos gemacht werden, ist ja nichts ungewöhnliches. Doch bei Gudrun und Karl Wagner in Allertshausen hat es mit dem nebenstehenden Bild etwas besonderes auf sich. Als Bürgermeister Florian Langecker am Dienstag gratulierte, waren keine Vertreter der Presse zugegen. Karl Wagner nutzte kurzerhand den Selbstauslöser seiner Kamera, um den besonderen Moment festzuhalten, mit dabei auch die Enkelkinder Moritz und Lukas. Doch das soll nicht die einzige ungewöhnliche Geschichte zu dieser Hochzeit sein.

Am eigentlichen Hochzeitstag und danach nämlich befand sich das Jubelpaar auf einer Flusskreuzfahrt in Richtung Budapest. Bei einem Zwischenstopp in Wien sorgten Tochter Melanie Großmann in Begleitung von Ilona Döring, der Schwester der Jubilarin, als Überraschungsgäste für große Freude. Nach längerer Suche traf man die zu Ehrenden schlummernd auf dem Sonnendeck des Schiffes im Liegestuhl an...

Auch aus der Vergangenheit weiß das Paar von einigen Kuriositäten zu berichten. So konnte etwa die kirchliche Hochzeit, die im ehemaligen Wohnort Kirchhain des Bräutigams stattfand, nur mit Verspätung beginnen, da in Allertshausen auf dem elterlichen Bauernhof der Braut ein Kälbchen das Licht der Welt erblickte! Kuh und Kalb mussten selbstverständlich zuerst versorgt werden.

Auch zur Dorfgeschichte von Allertshausen, das demnächst sein 800-jähriges Jubiläum feiert, gibt es Beiträge. Bürgermeister Karl Waldschmidt war seinerzeit gleichzeitig auch Standesbeamter. Bevor er die standesamtliche Trauung vollzog, fütterte er erst das Vieh im Stall. Seine Gattin Lila bezog zwischenzeitlich den Schreibtisch in der Amtsstube mit einer weißen Tischdecke, um somit in feierlicher Atmosphäre die standesamtliche Trauung durchzuführen. Stallgeruch konnte nicht wahrgenommen werden. Eher ein leichter Duft des damals handelsüblichen Rasierwassers "Sir" bei Waldschmidt. Zuvor wurde das Ereignis über die damals sehr gut funktionierende Ortsrufanlage bekannt gegeben. Auch mit dem Hinweis, dass es am nächsten Tag in Kirchhain im Bürgerhaus Apfel- und Streuselkuchen geben wird. Tanzend nahmen die Kinder die Information zur Kenntnis, denn eine Schallplatte spielte das Lied "Drei weiße Birken" ab.

Es war übrigens die erste Hochzeit im neu errichteten Bürgerhaus in Kirchhain. Das aus Allertshausen angereiste Küchenpersonal musste das noch eingepackte Geschirr spülen und sich mit neuester Technik vertraut machen. Die Allertshäuser Landfrauen meisterten auch das mit Bravour.

Bleibt noch zu erwähnen, dass sich Karl Wagner über Jahrzehnte in der Kommunalpolitik und im Vereinswesen engagierte. Beruflich war er in einer Ermittlungsgruppe der Polizei tätig und ging 2006 als Hauptkommissar in den Ruhestand.

Seine Frau Gudrun war über 40 Jahre Mitarbeiterin bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Gießen und ist im Gymnastikverein engagiert. Und hielt ihrem Mann stets den Rücken frei. Zitat: "Dem lieben Ehemann, der ehrenamtlich auf vielen Hochzeiten tanzte, erledigte sie die Gartenarbeit und vieles mehr."

Dass man aus der Not eine Tugend machen kann, bewies das Ehepaar nun also auch am Jubiläumstag, indem man die erwähnten Begebenheiten aufschrieb und der Zeitung freundlicherweise zur Verfügung stellte, besser gesagt: Um sie zu lancieren, um den Enkelkindern (vielleicht auch in späteren Jahren) eine Freude zu bereiten nach dem Motto: "Gucke mal, das bin ich mit Oma und Opa vor denen ihrem Haus in Allertshausen!" (pm/Foto: pm)

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