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Golden Oldies im Kleinformat

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Von: Rüdiger Soßdorf

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Zwei Konzertabende, ein Familiennachmittag - die Golden Oldies in Krofdorf-Gleiberg setzen in diesem Jahr auf ein drastisch reduziertes Format unter dem Motto »Just Concert«. Doch die Veranstalter versprechen für das kommende Jahr wieder das volle Programm.

Drei Tage, 1000 Oldtimer, 50 Bands auf neun Bühnen und 60 000 Besucher - das war über Jahre die prägnante Formel des Golden-Oldies-Festivals, das seit drei Jahrzehnten in Krofdorf-Gleiberg immer am letzten Wochenende des Juli gefeiert wird.

In diesem Jahr lesen sich die Werte bescheidener: Zwei Tage, null Oldtimer, acht Bands auf zwei Bühnen. Und die Besucherzahl? Womöglich nur vierstellig. Denn nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause haben die Verantwortlichen für dieses Jahr entschieden, ein reduziertes Format plus dazugehörigem Sicherheitskonzept zu fahren. Aus Sorge um die Gesundheit der Menschen. Aus der Ungewissheit heraus, wie es in diesem Sommer überhaupt aussieht; was geht und was eben nicht. Denn die Weichen dafür wurden bereits im vergangenen Winter gestellt. Damals war ungewiss, wie sich Inzidenzen und Auflagen für Veranstaltungen entwickeln. Ergo traten die Wettenberger lieber der »Fraktion Vorsicht« bei. Das Motto am Wochenende: »Just Concert«.

Alexander Bath und Christoph Ludwig vom Veranstalterteam sprechen von einem »kleinen und exklusiven Konzertformat« mit je einer Bühne auf dem Sorguesplatz beim Rathaus und einer auf dem Turnhallenplatz.

Die Besucherzahl ist limitiert: Maximal 3000 Karten werden für das Musikprogramm jeweils am Freitag und am Samstag verkauft. Das Kinder-Mitmachprogramm am Samstagnachmittag ist frei für jedermann.

Unkalkulierbare Größe fürs kommende Wochenende: Wie viele Musikfreunde und Oldtimer-Fahrer werden sich auch ohne Ticket auf den Weg nach Wettenberg machen, um dort in den Straßen zu feiern?

»Es gibt noch Karten an der Abendkasse«, versichert Bürgermeister Marc Nees gestern auf Anfrage. Heißt konkret: Im Vorverkauf wurden in den vergangenen Wochen bis zum gestrigen Dienstag erst rund 50 Prozent der 6000 Tickets abgesetzt - auch wenn mit den GlitterTwins, Boppin’ B oder Markus Hochkaräter auf den Bühnen stehen.

Wobei der verhaltene Zuspruch womöglich am Preis liegen mag: 22,50 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr werden je Abend aufgerufen; im Bunde für beide Abende kostet die musikalische Zeitreise in die 1950er bis 1980er Jahre 40 Euro. Die Eintrittspreise haben bereits im Vorfeld für Frust gesorgt und für Kritik in den sozialen Medien. Denn es fehlt die Oldtimerschau, es gibt keinen 50er-Jahre-Flohmarkt, keinen Petticoat-Wettbewerb und so weiter. Und dann ein Preis, der deutlich höher liegt als 2019, als die große Party das letzte Mal stieg? Zur Erinnerung: Vor drei Jahren kostetete das Tagesticket 15 Euro, der Besuch an allen drei Tagen 20 Euro.

Aber zu sehen ist auch: Bei begrenzter Besucherzahl und dem Zurückfahren auf einen Nachmittag und zwei Abende müssen die Veranstalter eine ganz andere Kalkulation zugrunde legen.

»Leider nicht mehr das Golden Oldies, was wir kennen«, wird auf Facebook beklagt. Und weiter »Ich hoffe, es wird wieder wie früher werden«.

Das hofft auch Marc Nees. Es ist das erste Festival, für das er als Bürgermeister Verantwortung trägt. Aus seinem früheren Leben im Getränke-Fachhandel kennt er die Golden Oldie überaus gut, bekennt sich selbst als Fan. »Wenn die Welt nicht untergeht, dann im nächsten Jahr wieder volle Möhre! Dann wollen wir wieder mit allem Drum und Dran am Start sein«, verspricht der Rathaus-Chef mit Blick auf 2023.

Für das kommende Jahr hat bereits der hessische Ministerpräsident Boris Rhein die Schirmherrschaft für die Golden Oldies zugesagt. Für Nees wie auch für Alex Bath und Christoph Ludwig ist klar: Die Kompromisslösung »Just concert« soll eine einmalige Angelegenheit bleiben.

Bereits im Herbst 2019 war an einem runderneuerten Konzept des Festivals gearbeitet worden. Als neuen Partner hatte die ausrichtende Gemeinde Michael Stein (Palast-Promotion Wiesbaden) als künstlerischen Leiter gewonnen. Um ein breiteres Publikum anzusprechen, sollten Musik und Motoren der 80er Jahre stärker mit einbezogen werden; die Bühnen sollten themenorientierter sein. Nees sagt: »Was 2019 für 2020 überlegt wurde, das ist weiterhin unser Ziel - für 2023.«

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