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Ein Bild aus besseren Tagen: »Kiss forever« bei »Gleiberg rocks« 2019. Das für Juni geplante Festival wird nun noch einmal auf 2022 verlegt. ARCHIVFOTO: VH

»Gleiberg rocks« erneut verschoben

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Die Macher des Festivals »Gleiberg rocks« sehen unter den aktuellen Bedingungen keine Alternative: Das Event wird noch einmal auf das kommende Jahr verschoben. Veranstalterin Sabine Glinke erläutert die Gründe - und äußert sich auch zu bereits verkauften Tickets und der weiteren Planung.

Was sich Sabine Glinke vor einem Jahr kaum vorstellen konnte, ist nun eingetreten: »Wir haben nach eingehender Prüfung entschieden, ›Gleiberg rocks‹ noch einmal um ein Jahr zu verschieben«, sagt die Konzertveranstalterin. Statt, wie geplant, am 2. Juni 2021 soll das abendliche Festival mit drei Bands nun am 15. Juni 2022 stattfinden - also wieder wie gewohnt am Mittwoch vor Fronleichnam.

Der Entschluss ist Glinke und ihren Mitstreitern nicht leicht gefallen, doch unterm Strich haben sie keine Alternative gesehen - obwohl vor Ostern traditionell die Hauptverkaufszeit für Tickets liege. Angesichts der derzeit kursierenden Stufenpläne für kulturelle Veranstaltungen und des aktuellen Pandemiegeschehens könne man nicht davon ausgehen, dass sich in gut zwei Monaten wieder ein Festival unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen veranstalten lasse, sagt Glinke. Vor Corona habe das Sicherheitskonzept bis zu 1200 Besucher zugelassen. »Selbst wenn ich auf die Plakatierung verzichte, an allen Stellschrauben drehe, brauche ich mindestens 450 Leute auf der Burg, um die Kosten annähernd zu decken«, rechnet sie vor. Mit 100 Besuchern sei das nicht darstellbar, »da würde ich draufzahlen«.

Erschwerend komme hinzu, dass ein Event unter Pandemie-Bedingungen auch höhere Kosten und mehr Aufwand bedeuten würde, etwa wegen Absperrungen und Hygieneauflagen. Gleichzeitig fielen Fixkosten, beispielsweise für Bühnentechnik, aber nicht automatisch geringer aus, wenn weniger Besucher kommen. Höhere Kosten und mehr Aufwand bei wesentlich geringeren Einnahmen - diese Rechnung könne am Ende nicht aufgehen.

Zwar ermöglichen Corona-Tests mittlerweile vereinzelt wieder Freiheiten. Glinke erwähnt den »Feldversuch« in der Berliner Philharmonie, wo nun Konzertbesuche bei negativem Ergebnis eines kostenlosen Tests wieder möglich sind. »Aber das ist ohenhin schon ein subventioniertes Haus«, sagt sie, »da gibt es ganz andere Möglichkeiten als bei privaten Unternehmen«. Wenn man für »Gleiberg rocks« auch noch die Kosten für einen Test auf den Ticketpreis draufpacke, »dann kommt keiner mehr«. Auch juristisch seien solche Ideen schwer umzusetzen - denn aktuell dürfe sie als Veranstalterin nicht einmal Personalausweise kontrollieren.

Was passiert mit Tickets, die schon für das vergangene oder dieses Jahr erworben wurden? Wer darauf bestehe, bekomme die vollen Kosten zurückerstattet, versichert Glinke. Rund 70 Eintrittskarten seien bislang verkauft, »bisher wollte niemand sein Ticket zurückerstattet haben - das finde ich klasse«.

Für ein paar Wochen werde man den Vorverkauf fürs kommende Jahr nun aber aussetzen - und danach die Preise womöglich moderat anheben. Man überlege, »flexibel gestaffelte Preise« zu schaffen, »das müssen wir auch an die Verluste anpassen«. Bislang bewegt sich der Ticketpreis laut Glinke zwischen 16 Euro für Frühentschlossene und 25 Euro an der Abenkasse. »Wir wollen jetzt aber nicht auf 50 Euro gehen«, so die Veranstalterin.

Glinke ist froh, dass zwei von drei Bands, die ursprünglich schon 2020 im Burghof auf der Bühne stehen sollten, die erneute Verschiebung mittragen: Die italienische Muse-Coverband »Drones« und die »Sophisticated Butcher Fingers« werden laut der Veranstalterin im kommenden Jahr dabei sein. Ob das auch für die Wetzlarer Alternative-Rockband »Campaign like Clockwork« gilt, sei aber noch unklar: Die Musiker wollten, erläutert Glinke, 2020 auf der Burg eigentlich erstmals nach ihrer Neugründung wieder spielen - doch auch für die Band habe Corona viel Unsicherheit gebracht. »Ansonsten finden wir einen adäquaten Ersatz«, gibt sich Glinke optimistisch.

Sie und ihr Team hoffen, dass »Gleiberg rocks« im kommenden Jahr wieder unter normalen Bedingungen über die Bühne gehen kann. Doch die Zukunftsaussichten der Eventbranche insgesamt bereiten Glinke Sorge. Sie fürchtet, dass sich gerade kleinere Betriebe und Festivals von der Corona-Vollbremsung nicht wieder erholen könnten. »Es gibt auf Veranstalterseite die Angst, dass das, was wir kannten, nie wieder zurückkehrt«, sagt sie. Natürlich sterbe die Hoffnung zuletzt, doch ihr komme auch der Gedanke, »dass das Abstandhalten uns als Gesellschaft verändert« - auch über das Ende der Pandemie hinaus.

Als Veranstalter sei man ohnehin gewohnt, ins Risiko zu gehen und auf echte Gewinnmargen zu verzichten, um etwas auf die Beine zu stellen. Doch in der Corona-Pandemie sei es seit einem Jahr teils unmöglich, Konzerte & Co. zu ermöglichen - und das trifft freilich nicht nur die Veranstalter selbst: »Da hängt ein unglaublich langer Rattenschwanz dran«, sagt Glinke. Denn beispielsweise auch Musiker, Ton- und Lichttechniker können ihre Berufe aktuell nur bedingt ausüben.

Klar ist für die Veranstalterin aber auch: »Wir wollen jetzt kein falsches Zeichen setzen - auf Biegen und Brechen etwas zu veranstalten, das kann auch nach hinten losgehen.« Daher nun die Verschiebung - und die Hoffnung, dass die Fans des Festivals auf der Burg Verständnis haben und bei der Stange bleiben.

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