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In der Ortsdurchfahrt Cleeberg war die Baugrube über Wochen hinweg nur mit Kies verschlossen.

Anwohnerbeschwerden

Glasfaserausbau im Kreis Gießen sorgt für Ärger

  • VonPatrick Dehnhardt
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In Langgöns, Hüttenberg und zwei Pohlheimer Stadtteilen freuen sich viele Menschen über den Internetausbau mit Glasfaser. Die Bauarbeiten sorgen jedoch für reichlich Gesprächsstoff.

Kreis Gießen - In Langgöns, Hüttenberg und zwei Pohlheimer Stadtteilen freuen sich viele Menschen über den Internetausbau mit Glasfaser. Die Bauarbeiten sorgen jedoch für reichlich Gesprächsstoff, da Baugruben teils wochenlang nur provisorisch verschlossen sind. In den Rathäusern bindet der Ausbau zudem viel Arbeitskraft.

Der flächendeckende Glasfaserausbau wirbelt Staub auf: In der Cleeberger Ortsdurchfahrt wurde ein mehrere hundert Meter auf der Fahrbahn verlaufender Graben mit Kies verschlossen. Über Wochen hinweg rollte der Verkehr bei trockenen Temperaturen über den Kies - und zog entsprechende Staubwolken hinter sich her.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, über das sich Anwohner in den vergangenen Wochen beschwerten. Während sowohl in Pohlheim als auch Langgöns und Hüttenberg die Geschwindigkeit gelobt wird, mit der die Leerrohre verlegt werden, gibt es viel Kritik daran, wie und wann Baugruben wieder verschlossen werden.

Glasfaserausbau im Kreis Gießen: Von Freude bis Verzweiflung

Nachgefragt in den drei genannten Kommunen: In Hüttenberg ist die Lage derzeit relativ entspannt. Bei Bürgermeister Christof Heller überwiegt die Freude, dass die Gemeinde ein Glasfasernetz erhält, »ohne das wir dafür Steuergelder in die Hand nehmen müssen«. Den Netzausbau zahlt die Deutsche Glasfaser, sie hat damit ein Bauunternehmen beauftragt.

Aufgrund der Größe des Projekts sei absehbar gewesen, dass dies nicht ohne Störungen ablaufen könne. »Es wird die ganze Gemeinde umgegraben, jede Straße - oder Gehweg - aufgemacht. Da lassen sich Schäden nicht vermeiden«, sagt Heller.

Glasfaser-Internet? Mammutaufgabe in Hüttenberg

In Hüttenberg gab es vor allen Dingen dann Beschwerden, wenn Straßenquerungen nicht ordentlich verschlossen wurden. Zudem wurde darüber diskutiert, warum die Baufirma, wenn sie schon den halben Gehweg aufgegraben hat, diesen nicht in ganzer Breite neu herstellte. Nur: Das ist aufgrund des deutschen Vergaberechts nicht möglich.

Im Anschluss kontrollierte in Hüttenberg stets das Bauamt, ob alles ordentlich wiederhergestellt wurde. Eine Mammutaufgabe: Ein Mitarbeiter im Bereich Tiefbau ist allein damit beschäftigt, den Glasfaserausbau zu begleiten.

Die Nachbargemeinde Langgöns hat für diese Aufgabe das Bauamt eigens mit einer Honorarkraft - einem erfahrenen Bauleiter - verstärkt. Dennoch bindet der Glasfaserausbau in der Verwaltung viel Personal - auch beim Ordnungsamt, welches die Baustellenabsicherungen kontrolliert.

Bürgermeister Marius Reusch wirbt um Verständnis, dass sich die Kommune darum derzeit nicht so zügig wie sonst um Schlaglöcher kümmern könne.

Langgöns zieht Konsequenzen nach Glasfaser-Problemen

Insgesamt ärgert man sich im Langgönser Rathaus darüber, dass bei den Baustellen nicht konsequent nachgearbeitet und Baugruben endgültig verschlossen werden. »Wir müssen immer wieder Druck machen«, sagt Reusch.

Die Gemeinde lasse deshalb Bauarbeiten in einem weiteren Ortsteil erst dann zu, wenn diese im vorigen abgeschlossen sind. Die Wiederherstellung der Fahrbahnen und Gehwege macht dabei besonders Probleme. »Es wirkt relativ konfus«, sagt Reusch. In Niederkleen etwa sei an einer Stelle asphaltiert worden, dann wieder punktuell woanders. Zudem seien dort beim Asphaltieren der Gehwege Stolperkanten entstanden. Dass diese wieder beseitigt werden, hat die Kommune angemahnt.

Erst wenn alle Arbeiten zur Zufriedenheit des Bauamts erfolgt sind, erfolgt die Endabnahme, sagt Reusch. Sollten sich nach ein paar Jahren Schäden zeigen, wird sich die Gemeinde Langgöns wegen der Mängelhaftung die Deutsche Glasfaser. »Das ist formell deren Baustelle.«

Stete Kontrolle in Pohlheim

Von der Endabnahme sind die Arbeiten in den Pohlheimer Stadtteilen Dorf-Güll und Holzheim noch weit entfernt - und dies nun bald ein Jahr nach Baubeginn. »Ein Mitarbeiter der Bauverwaltung ist mehrere Stunden in der Woche damit beschäftigt, die Arbeiten zu kontrollieren und Ausführungsmängel anzumahnen«, sagt Bürgermeister Andreas Ruck. »Mittlerweile gibt es hierzu bereits einen beachtlichen Schriftwechsel. Bei Abnahmeterminen ist der Mitarbeiter manchmal bis zu sechs Stunden unterwegs, um die ganzen Nacharbeiten und Mängel zu Dokumentieren.«

Die Stadt hatte dem Bauunternehmen im Vorfeld mitgeteilt, welchen Belastungen Straßen und Gehwege standhalten müssen und welche Aufbauhöhen vorgegeben sind. »Die Anforderungen gehören zu den technischen Standards«, sagt Ruck. Dennoch müssten sie ständig wieder angemahnt werden.

»Aus Sicht der Verwaltung ist der zeitliche Ablauf und der damit verbundene Aufwand als miserabel einzustufen«, sagt Ruck. Bei den Aufbrüchen sei die Baufirma zwar schnell unterwegs gewesen. Bei der Wiederherstellung von Fahrbahnen und Gehwegen ließen Geschwindigkeit und Qualität jedoch zu wünschen übrig. »Oftmals müssen Mängel mehrfach nachgebessert werden, da das gewünschte Ergebnis nicht erreicht wird.« Bei betroffenen Anliegern wachse das Unverständnis darüber.

Deutsche Glasfaser nimmt Kritik aus Kreis Gießen an

Seitens der Deutschen Glasfaser (DG) bittet man bei den betroffenen Anliegern um Entschuldigung. »Das sollte natürlich nicht sein«, sagt Pressesprecher Dennis Slobodian. Die Anwohner könnten sich darauf verlassen, dass alles wieder ordnungsgemäß hergestellt werde.

Bei dem beauftragten Bauunternehmen aus dem europäischen Ausland handele es sich um eine Firma, die gute Referenzen habe , teilt die DG mit. »Deutschland ist in Europa im hinteren Drittel bei der Glasfaserversorgung, Spanien viel weiter vorne. Da sitzen die Fachleute.«

In Pohlheim sei derzeit eine Kolonne mit der Oberflächenwiederherstellung und der Mängelbeseitigung beschäftigt. In Langgöns sind bereits zwei von sieben Hauptverteilern gesetzt. Der Ausbau in Espa wird erst dann starten, wenn die Baugruben in den anderen Ortsteilen asphaltiert sind. »Das Ergebnis zählt. Da spielt es keine Rolle, wo begonnen wird, zu asphaltieren.«

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