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Züge in Richtung Frankfurt müssen ihr Tempo bei Linden aufgrund der Schäden am Bahndamm momentan auf maximal 90 km/h drosseln, erlaubt wären eigentlich 160 km/h. "Der Untergrund ist das Problem", sagt ein Vertreter der Deutschen Bahn. Foto: pad

Gießen-Linden-Frankfurt

Großbaustelle an Bahnstrecke bringt deutliche Auswirkungen

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In Großen-Linden entsteht eine Großbaustelle, anderthalb Jahre lang wird dort ab Januar der Bahndamm saniert. Gegen die Fällung von Bäumen auf einer Fläche von drei Hektar regt sich Widerstand. Doch ein Vertreter der Deutschen Bahn hat nun in einer Bürgersprechstunde die Notwendigkeit der Arbeiten deutlich gemacht. Er erklärte zudem, welche Auswirkungen die Sanierung auf Anwohner und Zugreisende hat.

Linden/Gießen - Zahlen verdeutlichen, in welchen Dimensionen in Linden eine Großbaustelle entsteht: 10 500 Kubikmeter Boden werden abgetragen, Stahlträger mit einem Gewicht von 500 Tonnen werden eingesetzt, für die Arbeiten sind anderthalb Jahre veranschlagt. Ab Januar wird in Großen-Linden der Bahndamm saniert.

Ein Vertreter der Deutschen Bahn hat am Dienstag im Rahmen einer Bürgersprechstunde deutlich gemacht, warum die Arbeiten erforderlich sind. Die Bahnstrecke bei Linden ist in einem miserablen Zustand, wie Mohammad Sayahzadeh erklärte. Züge in Richtung Frankfurt müssen dort ihr Tempo aufgrund der Schäden momentan auf maximal 90 km/h drosseln, erlaubt wären eigentlich 160 km/h. "Der Untergrund ist das Problem", sagte Sayahzadeh. Lindens Bürgermeister Jörg König spricht von "Absackungen". Auf einer Länge von einem Kilometer müssen daher am Bahndamm zwischen dem neuen Viadukt in Richtung des Fußgängerwegs die Flanken gestützt und aufgefüllt werden. Einige Oberleitungsmasten sind außerdem schief und müssen erneuert werden. Am Schienenbett selbst und an den Gleisen ändere sich nichts, sagte Sayahzadeh. Ziel der Arbeiten sei, "eine optimale Standsicherheit" der Bahnanlage herzustellen. Er sprach von einer "Gefahrenstelle". Aktuell sei das Bahnfahren an der Stelle aber nicht gefährlich, versicherte er auf Nachfrage.

Bahnstrecke zwischen Gießen und Linden wird einspaltig

Der Bahn-Mitarbeiter erklärte auch, inwiefern Zugreisende von den Bauarbeiten betroffen sein werden. Wenn ab 2021 die sieben Oberleitungsmasten abgerissen und acht Masten neu aufgebaut werden, laufe der Zugverkehr eingleisig. "Es wird aber keine Totalsperrung der Gleise geben."

Baulärm sei durchaus zu erwarten, sagte er. Ab 2. Januar bis 15. Dezember werde jeweils tagsüber von 7 bis 18 Uhr gearbeitet, im Jahr 2021 dann zwischen 1. März und 31. Mai ausschließlich nachts zwischen 23 und 5 Uhr. Laut werde es aber nur direkt an den Gleisen, Anwohner würden nicht gestört. Maximal 30 Lkw sollen täglich in Spitzenzeiten die Baustelle anfahren. Der Bauingenieur der DB-Netz AG stellte den Ablauf der kommenden Monate vor, doch unter einigen der 70 Zuhörer rumorte es. "Die technischen Details verstehe ich nicht", sagte Dorothee Berrisch-Hempen, eine Anwohnerin. Sie interessiere sich dafür auch nicht. "Uns interessiert die Natur." Immer mehr meldeten sich nun im Publikum. Seien die Baumfällungen nicht vermeidbar?, fragten sie. Und sei für die Anwohner am Lindener Forst eine Lärmbelästigung zu befürchten?

Baustellenverkehr soll nicht zwischen Gießen und Linden fahren

Sayahzadeh antwortete, er sei Techniker. Auskünfte, die über das Technische hinausgehen, könne er daher nicht geben. Auf einer Fläche von drei Hektar werde gerodet. "Aber Bäume werden nicht entwurzelt." Die Arbeiten seien zudem mit dem Regierungspräsidium und der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Setzte Sayahzadeh zu einer Antwort an, wurde er von Zuhörern allerdings häufig gleich wieder unterbrochen, eine Diskussion war zwischenzeitlich nicht möglich, Bürgermeister König musste einschreiten. "Der Bahndamm wird saniert, damit die Leute vernünftig mit dem Zug fahren können", sagte König. Hinter dieser Maßnahme stecke ein ökologischer Gedanke, "es geht um die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs". Der Baustellenverkehr werde nicht durch den Forst fahren, hob der Bürgermeister außerdem hervor. Die Anwohner würden von den Bauarbeiten nichts mitbekommen.

Werner Braun, Vertreter der Bauoberleitung, erklärte, Bäume am Bahndamm müssten gefällt werden, weil die Arbeitsgeräte eine Schwenkfläche von acht Metern bräuchten. Nach der Sanierung würden Bäume aber wieder neu gepflanzt. Als Ausgleichsfläche wird außerdem ein Areal an der Rindsmühle renaturiert.

Info: Der Zeitplan

Seit diesem Monat laufen die Vorbereitungen für die Sanierung des Bahndamms, ab Januar wird dann der Oberboden abgetragen, die Böschungen werden aufgefüllt und abgeflacht, Trägerbohlwände werden eingesetzt. Ab März 2021 sollen acht Oberleitungsmasten aufgestellt und sieben Masten entfernt werden. Im Sommer 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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