Ein Labormitarbeiter mit einem Stapel Teströhrchen.
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Corona-Tests von Lehrern sollen möglicherweise zu spät im Labor untersucht und dadurch nicht mehr aussagekräftig sein. (Symbolbild)

Coronavirus

Corona: Probleme bei Tests für Lehrer in Hessen

Lehrer in Hessen können sich zurzeit freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Auch ein Arzt aus Wettenberg bietet das an - und moniert Probleme bei Versand und Analysedauer. Das Ministerium räumt anfängliche Schwierigkeiten ein. Inzwischen wurde nachgesteuert.

  • Seit dem 10. August können sich Lehrer aus Hessen freiwillig auf Corona* testen lassen.
  • Eine Gemeinschaftspraxis aus Wettenberg (Kreis Gießen) kritisiert jedoch das Vorgehen.
  • Laut der Praxis werden Tests möglicherweise zu spät untersucht und seien deshalb nicht mehr aussagekräftig.
  • Nun äußern sich die Beteiligten.

Update, 26.8.2020: Das Gebot der Stunde: Testen, testen, testen. Um die Verbreitung des Coronavirus zu minimieren, werden in Deutschland die Testkapazitäten ausgebaut. Das Ziel: Durch möglichst viele Abstriche sollen Infektionen schnell erkannt, weitere Infektionsketten vermieden werden. 

Seit 10. August ermöglicht das Land Hessen Lehrerinnen und Lehrern, sich bis Oktober alle zwei Wochen freiwillig auf das Virus testen zu lassen. Das Angebot richtet sich an Pädagogen ohne Symptome, ist quasi als Vorsichtsmaßnahme für den Schulbetrieb gedacht. Die Lehrer können sich ein Formular von der Schule unterschreiben lassen und werden dann in einer dafür eingetragenen Praxis getestet. 

Auch Dr. Martin Bayer aus Wettenberg hat sich mit seiner Gemeinschaftspraxis bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) für die Tests eintragen lassen. Und er macht auf Probleme aufmerksam, die sich während der ersten Wochen aus seiner Sicht gezeigt haben. 

Kreis Gießen: Arzt aus Wettenberg weist auf Probleme bei Corona-Tests für Lehrer hin

Ihn wundert, dass für die Analyse der Tests hessenweit nur ein Labor in Frankfurt vorgesehen ist. Üblicherweise, sagt Bayer, würden Proben aus der Praxis per Kurier in ein nahe gelegenes Labor gebracht, das funktioniere im Alltag gut. Durch den Versand nach Frankfurt per Post, wie nun bei den Lehrer-Tests vorgesehen, vergehe aber mehr Zeit, bis das Ergebnis vorliege. Getestet wird von Montag bis Donnerstag. Da Lehrer aber in der Regel erst nachmittags in die Praxis kommen können, würden die Proben vom Donnerstag erst am späten Nachmittag versandt. Laut Bayer wurden Proben teilweise erst am kommenden Montag untersucht. Seine Befürchtung: Im schlimmsten Fall könne es bei zu langer Dauer zwischen Abstrich und Analyse zu falsch negativen Befunden kommen. Ebenfalls problematisch: In einem Fall sei ein Proben-Paket auf dem Postweg offenbar verschwunden, die Nachverfolgung der Sendung nicht mehr möglich.

Grundlage der für Lehrer kostenlosen Tests ist ein Vertrag zwischen dem Kultusministerium und der KV Hessen. Die KV verweist auf Anfrage an das Ministerium. Gegenstand der Vereinbarung mit diesem sei »lediglich die ärztliche Vergütung der Tests«, äußert sich Karl Roth, Sprecher der KV Hessen. Das Ministerium habe »einen Laborvertrag abgeschlossen, den wir als KV noch nicht einmal kennen (und auch nicht kennen müssen)«, so Roth weiter.

Das Kultusministerium räumt Probleme in den ersten Wochen der Corona-Tests für Lehrer ein: »Bei dem Angebot gab es ein paar Anfangsschwierigkeiten, die bei der Einführung eines Verfahrens nicht außergewöhnlich, aber natürlich bedauerlich sind«, heißt es seitens der Pressestelle. Konkret war laut Ministerium »das Entnahmematerial nicht rechtzeitig bei allen teilnehmenden Praxen verfügbar«. Auch seien Proben zunächst an ein falsches Labor geschickt worden. Diese Probleme habe man aber schnell ausräumen können. (jrw)

Corona: Tests für Lehrer sorgen für Diskussionen

Wie steht das Ministerium zur teils längeren Dauer bis zum Ergebnis der Corona-Tests? Die Frage, wie lange ein Probe verwertbar sei, könne man nicht pauschal beantworten. »Ungekühlt sind die Proben mindestens drei bis vier Tage haltbar, in der Regel aber länger. Dies hängt auch von der Viruslast ab«, heißt es dazu aus Wiesbaden. Zu der Frage, warum nur in einem Labor ausgewertet wird, äußert sich das Ministerium auf Anfrage nicht.

»Durch die Einsetzung eines zentralen Labors war eigentlich allen beteiligten Partnern klar, dass es beim Versand per Post zu einer Verzögerung der Bearbeitung über 24 Stunden hinaus kommt«, äußert sich der Leiter des beauftragten Labors IMD, Martin Stürmer. Vorgesehen sei, dass die Proben bis Donnerstagabend vor Briefkastenleerung verschickt werden. Da dies aber häufig nicht eingehalten werde, untersuche man die Corona-Test-Proben inzwischen auch samstags. »Das wollten wir im Hinblick auf die Belastungsgrenze der Mitarbeiter vermeiden, reagieren aber entsprechend auf die aktuelle Entwicklung«, so Stürmer. Die Kapazitätsgrenze sei aber weder personell noch in Sachen Material erreicht. Für die Abstriche würden trockene Tupfer verwendet, die Viren seien damit »auch über einen längeren Zeitraum nachweisbar«.

Corona-Tests für Lehrer: Mehrere Probleme zum Auftakt

Liegt das Ergebnis vor, dann wird es bei negativem Befund vom Labor an die Arztpraxis geschickt. Stürmer sieht auch die Praxen in der Verantwortung: Viele Laborscheine müssten nachkorrigiert werden, teils seien die Aufdrucke kaum lesbar. »Da wäre die Nutzung des einheitlichen Formulars wünschenswert.« 

Laut dem Laborleiter nehmen mehr als 1000 Praxen an dem Projekt teil. »Bei so viel plötzlich neu dazugekommenen Vertragspartnern läuft naturgemäß am Anfang nicht immer alles reibungslos«, sagt Stürmer. Man sehe aber »auf Seiten aller Beteiligten deutliche Lerneffekte mit dem ausdrücklichen Willen, das Projekt erfolgreich zu bestreiten«.

Erstmeldung, 25.8.2020: Hessische Lehrkräfte und sozialpädagogischen Mitarbeiter, die an Schulen tätig sind, können sich seit dem 10. August freiwillig auf Corona testen lassen. Infektionsketten sollen so frühzeitig erkannt und das Risiko einer unerkannten Verbreitung des Coronavirus an Schulen minimiert werden, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Anfang August zu dem Angebot.

Einige Tage sind seitdem vergangen. Dass bei den Corona-Tests für Lehrer nicht alles glattläuft, machte sich recht schnell bemerkbar. Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte bereits vor einigen Tagen, dass an manchen Orten das Testmaterial gefehlt habe, Termine hätten deshalb verschoben werden müssen oder noch gar nicht stattfinden können. „Wenn die Kolleginnen und Kollegen einen Termin hatten, dauerte es teilweise bis zu einer Woche, bis das Ergebnis vorlag“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald.

Kritik an Corona-Tests für Lehrer: Praxis aus Kreis Gießen findet Vorgang skandalös

Auch eine Gemeinschaftspraxis aus dem Kreis Gießen beschwerte sich. In einem Facebook-Post schreibt sie, dass Corona-Tests von Lehrern und Erziehern möglicherweise zu spät untersucht werden und deshalb nicht mehr aussagekräftig seien. Denn „entnommenen Proben dürfen in lediglich einem Labor in Hessen untersucht werden.“ Demnach gingen die Proben von Lehrern nach Frankfurt und Erzieherproben nach Darmstadt.

Da die Proben auf dem Postweg in die Labore gehen, könne es laut Praxis mitunter vorkommen, dass die Proben erst später untersucht werden können. Zum Beispiel, wenn die Proben an einem Freitagnachmittag eintreffen. Am Wochenende mache das Frankfurter Labor, nämlich keine Untersuchungen. So könnten die Proben erst am Montag, über 72 Stunden später, untersucht werden. „Laut Laborangaben müssen durchgeführte Abstriche spätestens 72h (!!) nach Entnahme im Labor untersucht werden, sonst kann das Virus evtl. nicht mehr nachgewiesen werden“, schreibt die Praxis in dem Post.

Kreis Gießen: Gemeinschaftspraxis aus Wettenberg befürchtet fehlerhafte Testergebnisse von Lehrern

Hinzu kommt, dass nicht immer garantiert sei, dass die Probe noch vom Freitag stammten. Die Abstriche könnten auch donnerstags oder sogar mittwochs genommen worden sein.

Die Praxis aus Wettenberg kritisiert das Vorgehen mit den Corona-Tests für Lehrer deshalb. Denn im schlimmsten Fall könnten „Personen mit negativem Befund in Wahrheit mit dem SARS-CoV2-Virus infiziert sein, ohne es zu wissen.“ Und damit wäre ein Corona-Ausbruch in einer Schule durchaus möglich.

Kreis Gießen: Kultusministerium äußert sich zu Kritik - Vereinbarungen, die zeitnahe Abläufe garantieren

Die Ärzte aus dem Kreis Gießen haben jedoch auch einen Lösungsvorschlag. So könnte die Praxis die Abstriche an das eigene Labor schicken. „Die Ergebnisse sind dann innerhalb von 48 Stunden vorrätig - und die entnommenen Abstriche vor allen Dingen schnell ausgewertet.“, heißt es in dem Post.

In einer Stellungnahme des Kultusministeriums, die der „hessenschau.de“ vorliegt, äußerte man sich zu den Vorwürfen. Darin heißt es, dass sich bewusst dafür entschieden wurde, die Untersuchungen der Proben durch nur ein Labor in Hessen durchführen zu lassen. „Damit können wir einen einheitlichen Qualitätsstandard gewährleisten, ein landesweit einheitliches Verfahren, können jederzeit nachsteuern und verfügen über einen tagesaktuellen Überblick über die Zahl der Testungen“.

Der Versand per Post wurde von dem Ministerium aus logistischen Gründen so ausgewählt, denn viele Praxen würden dezentral testen. Das Ministerium sagte zudem, dass mit der Kassenärztlichen Vereinigung und dem beauftragten Labor detaillierte Vereinbarungen getroffen wurden, um möglichst genaue, sichere und zeitnahe Abläufe zu garantieren. Auch das Frankfurter Labor verwies laut hessenschau auf diese Vereinbarung. Tests würden zudem mitunter auch am Wochenende stattfinden. -*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. (svw- mit dpa) Alle Informationen zum Thema Corona in Hessen gibt es auch in unserem News-Ticker.

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