"Gentechnik besser als ihr Ruf"

RP Gießen überwacht 670 gentechnische Anlagen

  • schließen

Gießen (pm). Von Medikamenten, über widerstandsfähige Pflanzen bis hin zu neuen Behandlungsmöglichkeiten schwerer Krankheiten: Gentechnik spielt in vielen Lebensbereichen eine Rolle. Das Regierungspräsidium (RP) Gießen überwacht und genehmigt hessenweit die Arbeit von 670 gentechnischen Anlagen. Neben Gewächshäusern und Produktionsstätten handelt es sich vor allem um Laboranlagen.

Der Ruf der Gentechnik sei nicht immer der beste, erklärt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich: "Aber wir nutzen die Vorteile von Gentechnik vielmals in unserem Alltag, ohne es zu wissen. Neue Produkte entstehen oftmals durch den Einsatz von Gentechnik. Deswegen ist das Innovationspotenzial der hessischen Labore und Betriebe nicht zu unterschätzen."

Die Gentechnik wird in vier verschiedene Bereiche unterteilt: unter der roten Gentechnik ist der Bereich der medizinischen Forschung zu verstehen, also beispielsweise die Grundlagenforschung zu Krebs und Infektionskrankheiten. Die weiße Gentechnik befasst sich mit der Verbesserung und der industriellen Produktion von Arzneimitteln und Haushaltsartikeln. Die sogenannte gelbe Gentechnik beschäftigt sich mit der zunehmend wachsenden Forschung an Insekten. Die Erzeugung und Weiterentwicklung von Pflanzen mit neuen nützlichen Eigenschaften ist Ziel der grünen Gentechnik.

Ein Labor mit Sicherheitsstufe vier

Maßstab für die Sicherheit und Hygiene ist das Gentechnikgesetz. "Die verschiedenen Teilbereiche der Gentechnik unterliegen strengen Sicherheitsbestimmungen" erklärt Dr. Jens Gerlach, Experte beim RP Gießen. Das hessenweit zuständige Gentechnikteam des RP Gießen schreitet ein, sobald die Vorschriften nicht eingehalten werden: "Dies kann bis zur Stilllegung des Betriebs führen", sagt Gerlach. Dies sei allerdings die letzte Option. Daher werde zunächst versucht, mit den Betreibern sachgerechte Lösungen zu finden. Das Gentechnikteam überwacht nicht nur die gentechnischen Anlagen in Hessen, sondern berät zudem die Betreiber von gentechnischen Anlagen bereits im Vorfeld der Antragstellung und unterstützt bei Problemen.

Die meisten gentechnischen Anlagen unterliegen der Sicherheitsstufe 1. Bei den dort verwendeten gentechnisch veränderten Organismen besteht keine Gefahr für Menschen und die Umwelt. Etwa 20 Prozent der Einrichtungen in Hessen unterliegen der zweiten Sicherheitsstufe. In diesen gentechnischen Anlagen wird unter anderem mit Masern- und Grippeviren experimentiert. In den 19 hessischen Anlagen der Sicherheitsstufe 3 wird an gefährlichen Erregern wie HIV geforscht.

Unter den 670 gentechnischen Anlagen in Hessen wird auch ein Hochsicherheitslabor der höchsten Sicherheitsstufe 4 betrieben. Das RP Gießen erteilte dafür 2006 deutschlandweit die erste Betriebsgenehmigung. Die Wissenschaftler befassen sich dort unter anderem mit der Erforschung und Entwicklung von Therapie und Impfstoffen gegen das Ebola- und Marburgvirus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare