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Wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und des Schwangerschaftsabbruchs muss sich ein 41-Jähriger vor dem Amtsgericht Gießen verantworten.

Amtsgericht

Tritte gegen schwangere Ehefrau - Embryo stirbt ab

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Ein 41-Jähriger soll seine damals schwangere Ehefrau in den Bauch getreten haben, wenig später starb der Embryo ab. Nun steht der Mann vor dem Gießener Amtsgericht.

Die Vorwürfe der Anklage wiegen schwer: Ein 41-Jähriger soll seiner Ehefrau vor gut drei Jahren in den Bauch getreten haben. Die Frau war in der elften Woche schwanger. Der Embryo starb ab.

Inzwischen lebt das Ex-Paar, das mehrere Kinder hat, voneinander getrennt. Vor dem Amtsgericht trafen sich beide nun wieder. Doch der Erkenntnisgewinn hielt sich beim Auftakt des Prozesses am gestrigen Freitag in sehr engen Grenzen: Der Angeklagte wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Das Opfer hat als ehemalige Ehepartnerin auch nach der Scheidung ein Zeugnisverweigerungsrecht - und machte davon Gebrauch. Auch eine Tochter des früheren Paares sollte vor Gericht gehört werden. Laut Anklage war sie zur Tatzeit mit dem Angeklagten und der Frau in der gemeinsamen Wohnung.

Der Vater sei über die Tochter verärgert gewesen, habe sie dann an den Haaren gezogen, schilderte Staatsanwalt Dr. Fabian Hohl den vermeintlichen Ablauf. Dann sei die Frau dazwischen gegangen, der Mann habe sie geschubst und dann über ihr stehend in den Bauch der Schwangeren getreten.

Er soll sie laut Anklage dann beleidigt, hochgezogen und wieder fallen gelassen haben. Das Opfer erlitt demnach Prellungen und klagte danach über Schmerzen im Bauchbereich. Ein paar Tage später starb der Embryo ab. Laut der Frau war die Tochter am gestrigen Freitag erkrankt, sie erschien nicht vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten neben der körperlichen Misshandlung der damaligen Ehefrau auch einen Schwangerschaftsabbruch vor. Allerdings habe die Frau eine Obduktion des Embryos abgelehnt, hieß es am Freitag. Die Beweisführung, ob der Embryo tatsächlich infolge der Tritte starb, dürfte umso schwieriger werden. Da die Frau vor Gericht nun die Aussage verweigerte, dürfen ihre frühere Aussagen bei der Polizei vor Gericht nicht verwendet werden. "Sofern möglich, möchte ich dieses Verfahren heute zu Ende bringen", äußerte sich Richterin Maddalena Fouladfar während der Verhandlung. Doch der Mangel an Aussagebereitschaft und die Abwesenheit der Tochter führten dazu, dass daraus nichts wurde. Nun sollen weitere Zeugen gehört werden, unter anderem die Kinder des Ex-Paares sowie ärztliche Gutachter. Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist noch unklar.

Eine Besonderheit in diesem Fall: Obwohl der Angeklagte ein Erwachsener ist, führt Fouladfar den Prozess als Jugendrichterin. Es handelt sich um eine "Jugendschutzsache". Dies soll ermöglichen, dass der Schutz Minderjähriger gewährleistet wird, etwa bei der Zeugenbefragung.

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