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Eine Schülerin sitzt in einem Arbeitszimmer und arbeitet für die Schule. (Symbolbild)

Kreis Gießen

Distanzunterricht im Lockdown: Schulstart mit technischen Problemen

Stresstest: Als beim Schulstart nach den Ferien die Schüler im Distanzunterricht auf ein System zugreifen wollen, geht vielerorts im Kreis Gießen gar nichts mehr.

Gießen - Distanzunterricht ist seit Montag (11.01.2021) mal wieder das Gebot der Stunde. Ob am Computer, Laptop oder Tablet - viele Schüler im Kreis starteten nach zweieinhalb Wochen Weihnachtsferien von zu Hause aus digital in ihren Unterricht. Vielerorts blieb es allerdings beim Versuch, denn das Schulverwaltungssystem IServ machte schlapp.

Der Grund: »Sehr viele Nutzer wollten erstmals gleichzeitig auf IServ zugreifen und nutzten zudem das datenintensive Videomodul. Das überforderte Server und Leitungen«, erklärt Kreispressesprecherin Nadine Jung auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Die Folge: Videokonferenzen wurden unterbrochen, Schüler konnten nicht auf Ihre Accounts zugreifen. Betroffen seien in erster Linie Grundschulen gewesen, da diese bisher nicht über eigene Server verfügen, so Jung.

Holpriger Schulstart im Landkreis Gießen: Videomodul deaktiviert

Der Schulträger hat reagiert. »Das Videomodul wurde vorübergehend deaktiviert, um die Basisfunktionen wie Mail und Aufgaben-Modul zu entlasten«, so die Pressesprecherin. Die Schulen seien auf die Möglichkeit verwiesen worden, Videokonferenzen auch über MS Teams oder Jitsi Meet einzurichten. Zumindest so lang, bis auch an den großen Grundschulen eigene Server installiert wurden. »IServ wurde zudem auf neue, leistungsstärkere Hardware umgezogen.« Mittlerweile stünden wieder alle Server zur Verfügung und man erwarte, dass die Basisfunktionen bis auf weiteres nutzbar bleiben.

Für die CDU-Fraktion im Kreistag ist der digitale Zwischenfall zum Schulstart Grund für harsche Kritik. In einer Pressemitteilung zeigen sich die Christdemokraten verärgert über die »massiven technischen Probleme«. Die Schulen seien faktisch lahmgelegt und ein Distanzunterricht nicht möglich gewesen, beklagt CDU-Fraktionsmitglied Christopher Lipp. Und obwohl Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl eine schnelle Behebung zugesichert habe, gebe es nach wie vor Probleme. Lipp spricht von einem »untragbaren Zustand« für Lehrer und Schüler.

CDU kritisiert Landkreis Gießen: Zeit bis Schulstart nicht für Verbesserungen genutzt

Der Landkreis habe monatelang Zeit gehabt, die Schulen technisch in die Lage zu versetzen, einen geregelten Distanzunterricht zu ermöglichen, Doch anstatt vorausschauend zu planen und die Serverkapazitäten zu erweitern, »wurde auf ganzer Linie versagt«.

Die Kritik der CDU bezieht sich aber auch generell auf das kostenpflichtige Schulverwaltungssystem IServ, das der Landkreis nutzt. In Hessen setzten rund 90 Prozent der weiterführenden Schulen und rund 50 Prozent der Grund- und Förderschulen auf das kostenlos vom Land zur Verfügung gestellte Schulportal Hessen, das vergleichbare Funktionen bereithalte. »Im Gegensatz zum Landkreis Gießen kam es bei den Nutzern des Schulportals dank vorausschauender Planung und massiver Erweiterung der technischen Kapazitäten durch das Hessische Kultusministerium nicht zu nennenswerten technischen Problemen zum Schulstart«, so Lipp.

CDU: Digitalisierungsstrategie für Schulen im Landkreis Gießen notwendig

»Wenn der Distanz-Unterricht fast in ganz Hessen reibungslos funktioniert, muss dies auch bei uns möglich sein«, finden die Christdemokraten und fordern, in enger Abstimmung mit Schulen, Eltern und Schülern grundlegend an einer Digitalisierungsstrategie zu arbeiten.

Dazu zähle neben einer »dringend erforderlichen« Optimierung des Schulverwaltungssystems, die Verbesserung der digitalen Schulinfrastruktur etwa in Bezug auf ausreichend digitale Endgeräte sowie einen Glasfaseranschluss für alle Schulen, eine stabile Internetverbindung in jedem Klassenraum sowie eine Ausweitung des technischen Supports. Lipp: »Insgesamt sehen wir großen Aufholbedarf bei der Digitalisierung der Schulen.« (ti/pm)

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