Nicht nur bei Großbränden wie in Oberkleen kurz vor Weihnachten wird die Freiwillige Feuerwehr gebraucht. Für Lehrgangsbesuche enthalten die Ehrenamtlichen bereits eine Aufwandsentschädigung. 		FOTO: PAD
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Nicht nur bei Großbränden wie in Oberkleen kurz vor Weihnachten wird die Freiwillige Feuerwehr gebraucht. Für Lehrgangsbesuche enthalten die Ehrenamtlichen bereits eine Aufwandsentschädigung.

Wie viel ist Engagement wert?

Am Beispiel Gießen: Aufwandsentschädigung für Feuerwehrleute gefordert

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Nachdem die Stadt Gießen eine Aufwandsentschädigung für Feuerwehrleute eingeführt hat, fordert die SPD diese nun auch in Langgöns.

Langgöns - In Gießen ist sie bereits beschlossen, in Reiskirchen hatten die Freien Wähler zu Jahresbeginn eine Diskussion dazu angestoßen, nun ist sie auch ein Thema in Langgöns: Eine Aufwandsentschädigung für die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr.

Die SPD in Langgöns hatte in der jüngsten Gemeindevertretersitzung dazu einen Antrag eingebracht. Die Entschädigung soll nicht nur »Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement sein, sondern auch einen kleinen Ausgleich für den eigenen finanziellen Aufwand bei der Ausübung des Dienstes darstellen«, schreibt Fraktionsvorsitzende Anja Asmussen. Die Aufwandentschädigung soll 2021 in den Ausschüssen beraten werden, zunächst wird der Wehrführerausschuss Stellung nehmen. In Langgöns gibt es 175 ehrenamtlich aktive Feuerwehrleute.

Aufwandsentschädigung für Feuerwehr: 80.000 Euro Kosten für Stadt Gießen

Die Stadt Gießen hatte die Anerkennungsprämie im Herbst beschlossen. Dort sollen 100 Euro jährlich fließen, wenn eine Mindestanzahl an Übungsstunden besucht wird. Pro Teilnahme an einem Einsatz sollen zudem sieben Euro bezahlt werden. In Gießen sind rund 200 Menschen bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, die Stadt hat für die besagten Prämien 80.000 Euro im Haushalt veranschlagt.

Hinzu kommen die Kosten, die die Stadt bereits jetzt trägt: Wenn ein Arbeitnehmer etwa für einen Feuerwehreinsatz seinen Arbeitsplatz verlässt, dann zahlt die Kommune auf Antrag einen Lohnausfall an den Arbeitgeber.

Kreisbrandinspektor Mario Binsch will die aktuelle politische Diskussion in Langgöns nicht kommentieren. »Es liegt im Ermessen der kommunalen Gremien, Aufwandsentschädigungen vorzusehen«, sagt Binsch. Jedoch erinnert er an die Begrifflichkeiten: »Die Begriffe Aufwandsentschädigung und Anerkennungskultur sollte man deutlich trennen.«

Generell sei die Entschädigung für ehrenamtliches Engagement nicht neu, sagt Binsch. So würden etwa Gemeindevertreter und Mitglieder des Ortsbeirates eine Aufwandsentschädigung erhalten - etwa in Form von Sitzungsgeldern, mancherorts auch Dienst-Tabletts.

Feuerwehr im Landkreis Gießen bekommt Aufwandsentschädigung für Lehrgänge

Feuerwehrleute im Landkreis Gießen bekommen bereits Aufwandsentschädigungen, etwa wenn sie Lehrgänge auf Kreisebene oder bei der Landesfeuerwehrschule besuchen. Einige Kommunen im Kreis unterstützen die Fitness der Einsatzkräfte, in dem sie freien Eintritt ins Schwimmbad gewähren. Mancherorts gibt es auch eine Entschädigung für die Übernahme von Brandsicherheitsdiensten bei Hochzeiten, Messen und Märkten.

Jedoch sei dies immer anlassbezogen. »Eine Aufwandsentschädigung ist kein Entlohnungs- oder Anerkennungssystem, sondern ersetzt den Aufwand«, sagt Binsch. Dieser könne nur ersetzt werden, wenn es ihn auch gibt. »Wer nicht an Sitzungen der Gemeindevertretung teilnimmt, hat keinen Aufwand und bekommt kein Sitzungsentgelt.« Gleiches gelte auch für Aufwandsentschädigungen für Feuerwehrleute.

Um ihre Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehrleute auszudrücken, wählen Kommunen im Kreis verschiedene Mittel: Manche würden die Anerkennungsprämie des Landes Hessen für langjährige Tätigkeit (10, 20, 30 und 40 Jahre) verdoppeln, andere Zuschüsse zur Renten- und Lebensversicherung zahlen, wieder andere bei der Bauplatzvergabe für das Ehrenamt Pluspunkte verteilen. Auch die Gemeinde Langgöns hat vor wenigen Monaten das Ehrenamt als Pluspunkt in ihrer Richtlinie für die Bauplatzvergabe aufgenommen.

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