In der Zeit, in der Kontakte eingeschränkt werden sollen, werben Telekom-Vertreter an der Haustür.
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In der Zeit, in der Kontakte eingeschränkt werden sollen, werben Telekom-Vertreter an der Haustür.

Direktvertrieb

Telekom-Vertreter werben trotz Corona an Haustür – Kritiker vermutet Kalkül

  • vonPatrick Dehnhardt
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Während viele Geschäfte aufgrund von Seuchenschutz schließen mussten, gibt es auch Unternehmen, die es ausnutzen, dass nun mehr Menschen im Landkreis Gießen Zuhause sind.

  • Hessen steckt mitten im Corona-Lockdown – da scheint plötzlich eine Geschäftspraktik zu boomen.
  • Im Landkreis Gießen gehen Vertreter von Tür zu Tür, um für die Telekom zu werben.
  • Die Verbraucherzentrale übt Kritik, der Kreis pocht auf den Infektionsschutz, das Unternehmen wehrt sich.

Gießen – Erst klingelt es an der Tür, dann klopft es noch hektisch, als wäre etwas passiert. Vor der Tür steht jedoch nicht etwa der Nachbar, der Wichtiges auf dem Herzen hat, sondern ein Vertreter im Auftrag der Telekom. Dieser erzählt zunächst etwas über Telefon- und Internetstörungen in den vergangenen Tagen, mit deren Behebung man beauftragt sei. Nach einem Augenblick fällt dann der Satz »wenn Sie dann von schnellerem Internet profitieren wollen, wechseln Sie zur Telekom«. Ein Werbebesuch, unangemeldet, unerwünscht - und mitten in der Pandemie. In den vergangenen Tagen ist das auch im Landkreis Gießen vorgekommen.

Landkreis Gießen: Telekom-Werbung an der Haustür stößt Verbrauchschutz sauer auf

Während Friseure, Restaurants und Fachgeschäfte geschlossen haben, manche Geschäftsleute nicht wissen, wie sie über die Runden kommen und gleichzeitig Eltern an der Doppelbelastung Homeoffice und Homeschooling verzweifeln, scheinen diese Vertreter nutzen zu wollen, dass man nun mehr Menschen als sonst Zuhause antrifft. Wer seit Monaten seine Kontakte auf ein Minimum reduziert, erhält nun unangekündigten Besuch - der danach noch an zig weiteren Türen klingelt.

Die Verbraucherzentrale Hessen kennt den eingangs geschilderten Fall nur zu gut. »Es klingelt an der Haustür, Mitarbeiter stellen sich als Technikmitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens vor und drängen nachhaltig auf Eintritt in den Wohnbereich. Schnell überrumpelt wird der Zugang zur Wohnung gewährt«, berichtet Peter Lassek, Leitung Fachgruppe Recht.

Eine Anfrage bei der Deutschen Telekom, ob es sich um »schwarze Schafe« handelt oder die Vertreter tatsächlich im Auftrag des Telefonanbieters unterwegs sind, leitet die Telekom an ein Unternehmen weiter, das seit 15 Jahren für sie als »autorisierter Vertriebspartner« arbeitet.

Landkreis Gießen: Telekom-Werbung an Haustür als „Unterstützung“?

Dieses antwortet zunächst, dass das Qualitätsmanagement aufgrund der Anfrage das »Team vor Ort vorsichtshalber sensibilisiert und nachgeschult« habe. Auf weitere Nachfrage bestätigt das Unternehmen, »dass derzeit Vertriebsmitarbeiter im Auftrag der Deutschen Telekom unterwegs sind.« Da viele Menschen im Home-Office arbeiten, sei die Nachfrage nach leistungsfähigem Internet groß. Da wolle man die Menschen im Home-Office unterstützen.

Bei der Verbraucherzentrale vermutet man andere Gründe als Hilfsbereitschaft. »Dass viele Verbraucher wegen der Corona-Pandemie mehr zu Hause sind, weiß natürlich auch der Direktvertrieb«, schreibt Lassek. »Das reicht von langfristigen Internet-, Telefon- und Stromverträgen bis zur Abzocke mit angeblich hochwertigen Büchern.« Da die Ladengeschäfte derzeit geschlossen haben und somit keine Neukunden bringen, »wird verstärkt auf den Direktvertrieb an der Haustür gesetzt und das sogar ohne Blick auf die Pandemie-Situation mit gesundheitsgefährdendem Verhalten«.

Landkreis Gießen: Vertreterbesuche „nicht explizit verboten“

Das mit der Telekom zusammenarbeitende Unternehmen schreibt, dass man sich seiner Verantwortung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bewusst sei und die Hygienevorschriften einhalte. »Selbstverständlich bleibt es die eigene Entscheidung des Kunden, ob die Haustür überhaupt geöffnet und ein Beratungsgespräch geführt wird.« Zu deutsch: Der Bewohner ist ja selbst schuld, wenn er die Tür aufmacht.

Nachgefragt beim Landkreis Gießen, was er von Vertreterbesuchern mitten in der Pandemie hält. Dort verweist man auf die Kontakt- und Beschränkungsverordnung des Landes Hessen. »Darin ist geregelt, dass Dienst- und Beratungsleistungen möglich sind, solange sie nicht explizit als körpernahe Dienstleistungen verboten sind«, heißt es in einer Stellungnahme. Der Verbraucher entscheide selbst, ob er das wolle. »Aus Sicht des Gesundheitsamtes sollte von nicht unbedingt nötigen persönlichen Kontakten abgesehen bzw. auf digitale Formate oder Telefonberatung zurückgegriffen werden.«

Es gibt Notwendigkeiten, warum man sich derzeit mit einem Vertreter treffen muss - etwa für eine Versicherung fürs neue Auto oder den Abschluss eines Bausparvertrags. Dass jedoch jemand an der Haustür dafür wirbt, dass man den Telefonanbieter wechselt, dürfte definitiv zu unnötigen Kontakten zählen.

Verbraucherzentrale Hessen fordert Gesetzesänderung

Die Verbraucherzentrale Hessen fordert, dass ungewollte Vertragsabschlüsse an der Haustür unterbunden werden. »Hier muss gesetzlich gegengesteuert werden«, erklärt Lassek. »Das Erfordernis zeigt sich in diesen Zeiten ganz besonders.« Die Verbraucherzentrale spricht sich dafür aus, dass Anbieter nur nach vorheriger Zustimmung eines Verbrauchers an der Haustür klingeln und ihre Verträge anbieten dürfen. »Dies würde unseriöse Geschäftemacher vom Markt drängen und damit allen ehrlichen Kaufleuten zugute kommen.«

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