Hier fing für Silvia Barth aus Lich das Unglück an: Wie so viele infizierte sie sich unbewusst beim Skiurlaub in Ischgl mit dem Coronavirus.
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Hier fing für Silvia Barth aus Lich das Unglück an: Wie so viele infizierte sie sich unbewusst beim Skiurlaub in Ischgl mit dem Coronavirus.

Linden

Corona-Spätfolgen nach Ischgl: „Ich dachte, das gibt sich. Aber das war nicht so“

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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  • Stefan Schaal
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Silvia Barth (58) hat sich im März 2020 in Ischgl mit Corona angesteckt. Der Virus ging irgendwann, die Müdigkeit blieb bis heute.

Lich – Die Worte ihres Hausarztes waren drastisch: »Sie können froh sein, dass Sie noch leben«, hat er zu ihr gesagt. In welcher Gefahr sie im vergangenen Frühjahr geschwebt hat, war Silvia Barth zunächst nicht bewusst. Die 58 Jahre alte Frau aus Ober-Bessingen war eine der ersten im Landkreis Gießen, die sich mit Corona infiziert hatte.

Am 7. März war sie gut gelaunt aus dem Skiurlaub in Ischgl zurückgekehrt, einen Tag später meldeten sich Halsschmerzen, eine knappe Woche später litt die Patientin unter hohem Fieber, mehr als 39 Grad. 14 Tage habe sie so allein zu Hause durchgestanden, erinnert sie sich. »Ich wollte nicht ins Krankenhaus.« Erst später, als die Lunge geröntgt wurde, stellte sich heraus, wie schwer das Organ in Mitleidenschaft gezogen war. »Das ganze untere Viertel war weiß«, berichtet Barth.

Corona im Landkreis Gießen: Krankheit dreht Leben auf links

Das Virus hat sie längst überwunden, aber die Krankheit prägt ihr Leben bis heute. Die Frau, die von sich selbst sagt, dass sie eigentlich nie Ruhe gibt, fühlt sich unendlich müde. »Das kenne ich gar nicht von mir. Es ist, als ob ich auf einen Schlag 15 Jahre älter wäre.«

Dass diese Krankheit anders ist als alles, was sie vorher erlebt hat, merkte die Ober-Bessingerin, als sie einen Monat nach der Rückkehr aus Ischgl wieder anfing, zu arbeiten. »Ich hatte keinen Antrieb und habe nichts geregelt bekommen.« Auch an ihre sonst üblichen Walking-Runden sei nicht zu denken gewesen. 

Corona im Kreis Gießen: Infizierte aus Lich musste Reha durchmachen

Den Haarausfall, mit dem sie im Sommer zu kämpfen hatte, führt sie ebenfalls auf die Erkrankung zurück. Mit Nahrungsergänzungsmitteln hat sie ihn in den Griff bekommen. Doch die tiefe Müdigkeit blieb. »Ich dachte, das gibt sich. Aber das war nicht so. Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt.« Leichte Besserungen, zunächst im Herbst und später noch einmal über Weihnachten, seien lediglich vorübergehend gewesen. »Die Belastbarkeit ist weg.«

Barths Hausarzt hat reagiert und seine Patienten in die Reha geschickt. Den Februar hat sie in einer Klinik im Schwarzwald verbracht. Aktuell fühle sie sich gut, berichtet sie. Aber ob es so bleibt? Barth sagt, dass sie schon einige Krankheiten und Operationen hinter sich hat. »Wenn es vorbei war, war es vorbei.« Aber Covid sei anders. »Bei dieser Krankheit weiß man nicht, ob es noch einmal so gut wird wie vorher.«

Gießener erzählen Corona-Geschichten

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurde der erste Corona-Fall im Landkreis publik. Mehr als 8700 Menschen haben sich seitdem mit dem Virus infiziert. Ein Großteil gilt als genesen. Aber was heißt schon genesen? Nicht jeder findet zurück in den Alltag. Manche kämpfen noch Monate später mit Beschwerden. In einer kleinen Serie erzählen sechs Menschen aus dem Landkreis ihre Corona-Geschichte-

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