Viel diskutiert und von Allgemeinmedizinern vehement gefordert: Ab April dürfen im Kampf gegen die Corona-Pandemie auch Hausärzte im Landkreis impfen. (Symbolfoto)
+
Viel diskutiert und von Allgemeinmedizinern vehement gefordert: Ab April dürfen im Kampf gegen die Corona-Pandemie auch Hausärzte im Landkreis impfen. (Symbolfoto)

Impfzentrum Heuchelheim

Corona im Kreis Gießen: Künftig noch weniger Impfungen als zuletzt

  • vonChristina Jung
    schließen

Gedrosselten Liefermengen und mangelndes Vertrauen in den Astrazeneca-Impfstoff machen sich im Impfzentrum bemerkbar. Auch der Impfstart in den Hausarztpraxen dürfte den Prozess zunächst nur wenig beschleunigen.

Das Vertrauen in den Astrazeneca-Impfstoff schwindet. Das bekommen auch die Verantwortlichen des Impfzentrums in Heuchelheim zu spüren. Ein Thema bei der dritten Online-Sitzung des Impfbeirates, zu der sich Vertreter des Landkreises gestern Nachmittag trafen.

Gedrosselte Astrazeneca-Lieferungen: Noch weniger Impfungen in Heuchelheim (Kreis Gießen)

Vom Ausbau der Kapazitäten war noch vor zweieinhalb Wochen die Rede. Die täglich 1350 Impfungen sollten auf Anfrage des Landes im Rahmen einer nächsten Stufe auf 1785 erhöht werden. Doch davon ist das Impfzentrum in Heuchelheim weit entfernt. Ab Samstag erhalten sogar nur noch 720 Menschen täglich eine Impfung, berichtete der Leiter des Zentrums, Mario Binsch, gestern Nachmittag im Impfbeirat. Darüber hinaus stehen 426 Dosen pro Woche für die mobile Impfung bereit. Vertreter des Landkreises hatten sich zum dritten Mal zu einer Online-Sitzung getroffen. Um sich zu beraten und um Transparenz zu schaffen.

Als Grund für die geringere Tagesleistung nannte Binsch die gedrosselten Liefermengen des Astrazeneca-Impfstoffes. Dass der Hersteller der EU bis zur Jahresmitte nur noch 100 statt 200 Millionen Dosen bereitstellen wird, bekommt auch der Landkreis zu spüren. Darüber hinaus schwindet offenbar das Vertrauen in das Produkt des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens. Renate Braun, ärztliche Leiterin des Heuchelheimer Impfzentrums, sprach von einer steigenden Anzahl an Menschen, die den Impfstoff ablehne. Braun: »Pro Stunde sagt einer, dass er den Impfstoff nicht bekommen kann.«

Impfzentrum Heuchelheim (Kreis Gießen): Immer mehr Menschen lehnen Astrazeneca-Impfstoff ab

Ursächlich sieht Braun dafür die bundesweite Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca. »Vorher hatten wir solche Anfragen kaum«, so Braun. Wer den Impfstoff ablehnt, muss zum einen darauf hoffen, dass gerade ein anderes Produkt verfügbar ist. Zum anderen muss er seine Haltung begründen. Ohne medizinische Indikation - dazu zählen laut Braun beispielsweise bestimmte Gerinnungsstörungen sowie der Zustand nach Lungenembolie oder rezidivierender Beinvenenthrombose - geht das nicht. Binsch: »Es handelt sich um rein medizinische Gründe. Das ist kein Wunschkonzert.«

Was die Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen in der vergangenen Woche angeht, berichtete Binsch, dass eine Verschiebung der ausgefallenen Termine kein Problem darstelle, Kapazitäten seien vorhanden. Die Patienten sollen zwischen dem 5. und 9. April zur gleichen Zeit mit Impfstoff versorgt werden. Betroffen sind auch die Sonderimpftermine für Lehrer, Kita-Angestellte und Polizisten, die seit 10. März versorgt werden. »Letzte Woche sind die Termine ausgefallen, das holen wir in unmittelbarem Anschluss nach«, sagt Binsch. 1104 Personen seien - Stand Sonntagabend - geimpft worden. Pro Tag kämen weitere 200 aus diesen Berufen hinzu. Binsch: »Ende dieser Woche haben wir diese Gruppe erfüllt.« Zumindest mit der Erstimpfung.

Landkreis Gießen: 23 von 116 Praxen wollen gegen Corona impfen

Aktuell viel diskutiert und von Allgemeinmedizinern vehement gefordert, ist deren Einbindung in die Impfkampagne. 23 von 116 im Landkreis hausärztlich tätigen Praxen haben ihre Bereitschaft erklärt, mitzumachen. Losgehen soll es Anfang April. Zwei Astrazeneca-Lieferungen zu je 20 Vilas - also 200 Impfdosen - werden erwartet. Die eine am 31. März, die andere am 7. April. Jeweils am Tag darauf sollen die Hausärzte die Impfungen verabreichen, so Binsch.

Die Rahmenbedingungen indes sind noch unklar, sie sind morgen im Rahmen einer Telefonkonferenz mit den betroffenen Allgemeinmedizinern Thema. Dabei gilt es beispielsweise, Fragen nach der Bereitstellung medizinischer Hilfsmittel oder der Sicherstellung der Dokumentation zu klären. Denn noch stehen den Praxen die für Letzteres notwendigen Computerprogramme nicht zur Verfügung. Aus Datenschutzgründen dürfen die Patientendaten aber auch nicht per E-Mail überliefert werden. Wann es über den 7. April hinaus Impfstoff-Lieferungen für die Hausarztpraxen geben wird und wie viele Dosen zur Verfügung stehen, dazu konnte Binsch keine Angaben machen. »Das Thema ist so dynamisch, wir wissen es nicht.«

Impfungen im Landkreis Gießen: Bisher rund 58 800 Einwohner geimpft

Was jedoch klar ist: Von einer Herdenimmunität ist man mit Blick auf rund 270 000 Einwohner im Landkreis weit entfernt: Stand Sonntagabend wurden bisher 58 774 Impfungen vorgenommen, 315 Menschen zu diesem Zweck zu Hause aufgesucht. Auch die Beteiligung der Hausärzte wird angesichts der für sie vorgesehenen 400 Dosen daran wenig ändern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare