Coronavirus_Mobiles_6798_4c
+
1947 Menschen im Gießener Land haben sich für eine Impfung zu Hause angemeldet. Das Innenministerium hat sie nun um Geduld gebeten.

Weitere Impf-Panne

Kreis Gießen: Knapp 2000 Senioren warten auf die Corona-Impfung zu Hause

  • vonStefan Schaal
    schließen

Hunderte Senioren im Kreis, die das Impfzentrum in Heuchelheim nicht besuchen können, warten noch immer auf einen Impftermin zu Hause. Der Grund sind Verzögerungen auf Landesebene. Der Kreis hat nun angefangen, erste Impfungen selbständig durchzuführen.

Gießen –Es ist eine weitere Panne in einer Reihe von Pannen im Rahmen der Corona-Schutzimpfungen. Knapp 2000 Senioren im Kreisgebiet haben in den vergangenen Tagen ein Schreiben des hessischen Innenministeriums erhalten. »Zunächst möchten wir Ihnen danken, dass Sie sich für eine Impfung entschieden haben«, heißt es darin. Dann bittet das Ministerium um Geduld.

Die angeschriebenen Senioren zählen zur Gruppe der höchsten Priorität bei den Impfungen. Sie sind aber nicht in der Lage, das Impfzentrum in Heuchelheim aufzusuchen - weil sie im Rollstuhl sitzen oder weil sie aufgrund ihres hohen Alters, wegen Krankheiten oder Behinderungen bettlägerig und besonders pflegebedürftig sind. Daher haben sie beantragt, das Vakzin zu Hause verabreicht zu bekommen. Doch sie müssen vorerst weiter warten, konkrete Impftermine gibt es bisher nicht. Hessenweit handelt es sich um 57 000 Menschen. Der Grund sind Verzögerungen auf Landesebene.

Warten auf die Impfung: Landkreis Gießen reagiert

Der Kreis hat auf die Situation reagiert. Bis Mittwochabend seien inzwischen 191 Menschen auf Initiative des Landkreises von mobilen Teams zu Hause geimpft worden, erklärt Louisa Wehlitz, Sprecherin des Kreises. »Diese wurden von uns selbstständig aufgesucht.«

Man habe sich mit den ambulanten Pflegediensten ausgetauscht und so Senioren ermittelt, die aufgrund ihrer mangelnden Mobilität eher zu Hause statt in Heuchelheim geimpft werden, sagt Wehlitz. »Wir rufen dann die benannten Personen an und fragen nach der Impfbereitschaft und stimmen den Termin ab.«

Warten auf die Impfung: Landkreis Gießen liegen Anmeldungen noch immer nicht vor

Ein Sprecher des Innenministeriums, Michael Schaich, erklärt, die Impfzentren hätten seit Mittwoch Zugriff auf die Daten der Senioren, die älter als 80 Jahre alt sind, zur ersten Priorität zählen und zu Hause geimpft werden möchten. Grund für die Verzögerungen seien datenschutzrechtliche Vorkehrungen angesichts der sensiblen Daten. Außerdem seien die mobilen Impfteams in den Seniorenzentren stark eingebunden gewesen. Die Anmeldungen für das Impfen zu Hause gingen per Post an das Regierungspräsidium Kassel, dort wurden die Formulare eingescannt und an den Dienstleister ekom21 weitergegeben, der daraufhin eine Excel-Tabelle für das jeweilige Impfzentrum erstellen soll.

Wehlitz betont indes, dass dem Landkreis eine Liste mit den Anmeldungen bis zum gestrigen Freitag noch nicht vorgelegen habe. »Wir wissen nicht, wer oder wie viele Menschen sich für eine Impfung zu Hause angemeldet haben«, erklärte die Sprecherin.

Warten auf die Impfung im Kreis Gießen: Innenministerium versichert „zeitnahe“ Umsetzung

Dem Kreis liegt seit vergangener Woche zumindest ein Konzept des Landes für das Impfen mobiler Teams bei Menschen zu Hause vor. Demnach läuft die Verabreichung des Vakzins ähnlich wie in den vergangenen Monaten in Pflegeheimen ab. Wesentlicher Unterschied ist, dass pro Adresse in der Regel immer nur eine Person geimpft wird und aufgrund hoher Anforderungen beim Transport der Vakzine eine streng durchgetaktete Termin- und Routenplanung durch das Impfzentrum und die mobilen Teams erforderlich ist. Das Heuchelheimer Impfzentrum werde der Start- und Endpunkt der jeweiligen Routen sein.

Das Innenministerium versichert, dass sich »zeitnah« etwas tun werde, was die Impfungen von Senioren zu Hause angeht. Die Menschen würden schriftlich von den Impfzentren über ihren Termin und über den damit verbundenen Hausbesuch informiert. Die Impfzentren seien dabei, »Impfrouten« zu erstellen.

Warten auf die Impfung: Innenministerium bittet um Geduld

Auch für Menschen, die nicht zur ersten Priorität gehören, werde eine Impfung zu Hause möglich sein, wenn sie nicht in der Lage sein sollten, das Zentrum in Heuchelheim oder eine Arztpraxis aufzusuchen, wo mittelfristig ebenfalls Impfungen stattfinden sollen, erklärt Schaich.

Ein Satz im Schreiben des Innenministeriums an die Senioren deutet unterdessen darauf hin, dass es noch eine Weile dauern wird, bis die Verzögerungen gänzlich behoben und aufgeholt sind. In dem Brief heißt es: »Falls Sie zwischenzeitlich die Möglichkeit haben, zu dem für Sie zuständigen Impfzentrum zu kommen, können Sie sich dort auch jetzt noch impfen lassen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare