Mit Enthusiasmus bei der Sache: In ihrem roten Renault fährt Daniela Pieth seit April Backwaren aus.
+
Mit Enthusiasmus bei der Sache: In ihrem roten Renault fährt Daniela Pieth seit April Backwaren aus.

Befreiungsschlag für Daniela Pieth

Brötchen-Lieferservice im Landkreis Gießen: Was hinter „MeinFrühstück24“ steckt

  • vonLena Karber
    schließen

Eigentlich wollte Daniela Pieth einen Brötchen-Lieferservice für Gießen und Umgebung eröffnen, um Menschen anzustellen, die eine Perspektive brauchen. Dann brachte sie Corona selbst in eine Zwangslage.

Gießen – Früher stand Daniela Pieth im Handballtor, heute arbeitet sie selbstständig. Für die 52-Jährige hängt das zusammen. »Als Handballtorhüterin ist man zwar ein Teil der Mannschaft, aber auch ein Stück weit Einzelkämpferin«, sagt sie, um ihr Wesen zu erklären - und ihre Affinität zur Selbstständigkeit, die durch Corona auf eine harte Probe gestellt wurde. »Meine finanzielle Grundlage war plötzlich komplett weg«, sagt Pieth über den ersten Lockdown im Frühjahr. »Die Maßnahmen haben mich dazu gezwungen, total umzuswitchen.«

Den Rückzug aus der Selbstständigkeit bedeutete Corona für Pieth jedoch mitnichten. Stattdessen suchte sie sich dafür eine neue Form: Die Handballtrainerin und freie Sportjournalistin eröffnete kurzerhand einen Brötchen-Lieferservice.

Landkreis Gießen: „MeinFrühstück24“ kooperiert mit lokalem Brötchen-Lieferservice

Etwa einen Monat nach Beginn des Lockdowns, am Ostersamstag, belud sie zum ersten Mal ihren roten Renault mit Backwaren und machte sich auf den Weg.

Dass Pieth kurz zuvor nach Rechtenbach gezogen war, spielte ihr dabei in die Karten. Denn das Gebiet Mittelhessen war - anders als ihr vorheriger Wohnort - noch nicht durch das Franchise-Unternehmen »MeinFrühstück24« erschlossen, mit dessen Konzept sie schon länger geliebäugelt hatte. Für die 52-Jährige eine große Chance: gegen eine Umsatzbeteiligung stieg sie als Partnerin ein.

Pieths ursprüngliche Pläne wurden durch Corona jedoch ganz schön auf den Kopf gestellt. »Ich wolle es eigentlich ganz langsam angehen«, erzählt die 52-Jährige, die eigentlich für die Auslieferung Mitarbeiter einstellen wollte - um selbst weiter schreiben und trainieren zu können und um anderen Menschen eine Perspektive aufzuzeigen.

Brötchen-Lieferservice im Landkreis Gießen: „Mut wird belohnt“

»Ursprünglich stand der Plan dahinter, Harz-IV-Empfängern eine Chance zu geben«, sagt Pieth, die in der Vergangenheit selbst »aufstocken« musste und sehr unter dieser Situation gelitten hat. »Ich weiß, wie es ist, mental down zu sein, und ich weiß, dass es noch mehr Menschen gibt, denen es so geht, wie es mir ging«, sagt sie. Ihnen will sie helfen. Denn Pieth weiß aus eigener Erfahrung, dass man mit etwas Hilfe und einem kleinen Schubs aus dieser Situation rauskommen kann.

Durch ihre eigene Geschichte hat sie eines gelernt: »Mut wird belohnt.« Deswegen stürzte sie im Frühjahr nicht, als Corona ihr den Boden unter den Füßen wegzog, sondern zog sich schnell ein neues Standbein heran.

Frühstück als Liefer-Service: Werktags immer unterwegs rund um Gießen

Der Frühstücksservice, mit dem sie eigentlich Hartz-IV-Empfängern eine Perspektive geben wollte, bewahrte sie in dieser Situation selbst vor Hartz IV und gab ihr neue Zuversicht. »Man braucht einfach Unternehmergeist und Lust«, sagt Pieth. Dann grinst sie. »Und Enthusiasmus, um morgens um vier in der Backstube zu stehen.«

Denn der Job ist nichts für Langschläfer. Schließlich sollen alle Brötchen an Werktagen, wenn die Kunden arbeiten müssen, bis um sieben Uhr ausgeliefert sein. Und am Wochenende, wenn die Menge an Bestellungen naturgemäß höher ist, will Pieth spätestens um neun Uhr die letzte Brötchentüte ausgeliefert haben. Alleine schafft sie das bereits nicht mehr, deswegen hat sie kürzlich einen Mitarbeiter eingestellt, der sie unterstützt.

Aktuell fährt Pieth von montags bis freitags Brötchen aus, kann sich aber gut vorstellen, das Angebot auszuweiten - so wie sie Mitte Oktober auch ihr Gebiet bereits erweitert hat. Denn mit der Nachfrage ist sie zufrieden.

Frische Brötchen an die Tür in Mittelhessen

Seit der Gebietserweiterung umfasst das Liefergebiet Mittelhessen, das Daniela Pieth für Frühstück24 mit Backwaren versorgt, neben Hüttenberg, Langgöns, Linden und Pohlheim auch Butzbach, Schöffengrund, Waldsolms, Rockenberg und Münzenberg. Aktuell erfolgt die Lieferung freitags, samstags, sonntags und montags. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht. Es sind sowohl Einzelbestellungen als auch Daueraufträge, die jederzeit gekündigt werden können, möglich. Die Backwaren stammen aus der Bäckerei und Konditorei Steinmüller.

Brötchen-Lieferservice im Gießener Land: 100 Bestellungen in vier Tagen

Anfang Oktober hat sie zum ersten Mal die Marke von 100 Bestellungen in vier Tagen geknackt. Dabei mag auch der erneute Lockdown eine Rolle gespielt haben, doch Pieth glaubt nicht an ein vorübergehendes Phänomen. »Ich glaube, dass viele dabei bleiben und sich diesen kleinen Luxus nicht mehr nehmen lassen«, sagt sie. Für ihr Geschäft ist Corona wie ein kleiner Schubs, den es anzunehmen gilt. »Stehenbleiben ist keine Option«, findet sie.

Und auch Daniela Pieths ursprünglicher Plan steht noch. Wenn sie selbst nicht mehr auf die Einnahmen angewiesen ist, will sie Menschen anstellen, die ebenfalls einen Schubs gebrauchen können. »Der Weg ist ein anderer, aber das Ziel bleibt das gleiche«, betont sie. (Lena Karber)

Bewegung in Gießens Brötchen-Branche gibt es nicht nur dank des Lieferservices von Daniela Pieth. Eine bekannte Bäckerei-Kette zieht in eine prominente Immobilie der Kreisstadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare