Der Lärm der Bundesstraße B3 nervt mehrere Kommunen im Kreis Gießen.
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Der Lärm der Bundesstraße B3 nervt mehrere Kommunen im Kreis Gießen.

Lollar und Staufenberg

Kreis Gießen: Neue Hoffnung im Kampf gegen B3-Lärm – Tempolimit in greifbarer Nähe?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Der Lärm der B3 sorgt in Lollar und Staufenberg im Kreis Gießen schon lange für Unmut. Das Regierungspräsidium sah bisher aber keinen Handlungsbedarf. Nun keimt neue Hoffnung auf.

  • Die B3 ist eine der wichtigsten Verkehrsrouten durch den Kreis Gießen.
  • In Lollar und Staufenberg ist der Lärm der Bundesstraße ein ständiges Ärgernis.
  • Nun keimt neue Hoffnung: Sind Schutzwände oder ein Tempo-Limit möglich?

Lollar/Staufenberg – Der Newsletter aus dem Bundesverkehrsministerium ließ bei Gerhard Born Hoffnung aufkeimen. »Meistens kann man das in den Spam-Ordner legen«, sagt der Lärmschutzexperte der Lollarer Grünen. Doch in diesem Fall machte die Mitteilung ihn hellhörig: Seit dem 1. August gelten neue, nun geringere »Auslösewerte« für die Lärmsanierung für Bundesfernstraßen.

Bundesstraße B3 im Kreis Gießen: In Lollar und Staufenberg keimt die Hoffnung

Wenn diese Werte überschritten werden, können von Verkehrslärm betroffene Anwohner einen Antrag stellen - je nach Einzelfall kann es laut Ministerium dann etwa um den Einbau von Schallschutzfenstern oder von Lärmschutzwänden gehen. Maßgeblich ist der Geräuschpegel, der in der Einheit dB (A) angegeben wird. »Zum Beispiel müssen bei Wohngebieten künftig anstelle von 57 dB (A) nur noch 54 dB (A) in der Nacht überschritten sein, damit Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden können«, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums, und weiter: »In Zukunft wird es für die Anwohner an Straßen und Schienenstrecken leiser, denn Lärmschutz ist jetzt schon bei geringerer Geräuschbelastung möglich.«

In Lollar und Staufenberg hofft man nun, dass es bald auch an der B 3 leiser wird. Die Bundesstraße verläuft zwischen den beiden Kommunen. Einerseits trägt sie zu einer guten Verkehrsanbindung bei, andererseits ist sie für manche ein ständiges Ärgernis.

Kreis Gießen: Lärmschutz an der B3 treibt Lollar und Staufenberg seit Jahren um

»Das treibt uns schon seit vielen Jahren um«, sagte Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek am Mittwoch bei einem Pressetermin im dortigen Rathaus. Mit dabei waren auch Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller sowie Vertreter von SPD und Grünen. »Wir sind mit der Situation nicht zufrieden«, sagte Wieczorek. Nun sehe man durch die verringerten Grenzwerte »als Anrainer die Gelegenheit, neu zu bewerten«.

Es ist längst nicht der erste Versuch der Nachbarkommunen, Lärmschutz an der B 3 durchzusetzen. Zuletzt hätten die Magistrate beider Kommunen Anfang des Jahres in einer Stellungnahme an das Regierungspräsidium Gießen (RP) dies dringend gefordert, erläuterte Gefeller. Das RP ist für den Lärmschutz mit zuständig. Konkret wird in dessen »Lärmaktionsplanung« festgeschrieben, in welchen Kommunen an welchen Stellen Handlungsbedarf gesehen wird.

B3 im Kreis Gießen gilt nicht als „Lärmkonfliktpunkt“

Anfang Mai ist die dritte Fortschreibung dieser Planung in Kraft getreten - und hat in Lollar und Staufenberg erneut für Unverständnis gesorgt. Bezüglich Lollar heißt es darin: »Die B 3 stellt keinen Lärmkonfliktpunkt dar. Es besteht damit keine Handlungsmöglichkeit aus Sicht der Lärmaktionsplanung zur Umsetzung der Maßnahmenvorschläge.«

Die Wahrnehmung von Anliegern sei gänzlich anders, betonte Gefeller am Mittwoch - und berichtete von Beschwerden, die er kürlich bei einer Bürgersprechstunde gehört habe: »Ab fünf Uhr nachts ist an Schlafen nicht mehr zu denken.«

Binnen zehn Jahren habe der Verkehr auf der Bundesstraße um etwa 40 Prozent zugenommen, so Gefeller. Dass es laut RP dort nur wenige von hohen Lärmwerten Betroffene gebe, leuchte nicht ein, findet Grünen-Vertreter Born. Er hat sich bereits an das RP gewandt. Die Hoffnung ist, dass aufgrund der neuen Auslösewerte nun mehr Menschen als betroffen gelten und die B 3 daher als »Lärmkonfliktpunkt« anerkannt werden könnte.

Kreis Gießen: RP soll mit Messfahrzeug auf der Bundesstraße B3 den Lärm messen

Born fordert, dass das RP die Belastung mit einem Messfahrzeug erhebt, das es im Mai angeschafft habe. Bislang werde mit Simulationen gearbeitet, es brauche aber eine »reale« Messung - zumal der Lärmpegel auch vom Wind abhänge. Auch die beiden Magistrate wollen nun erneut Druck machen, um die Situation zu ändern.

Maßnahmen wie die Errichtung von Lärmschutzwänden seien eine freiwillige Leistung des Bundes, so Born. »Die Frage ist, inwiefern man da reinkommt.« Naheliegender wäre aus Sicht der Lollarer und Staufenberger eine Maßnahme, für die es nur zwei Schilder brauche: ein Tempolimit von 100 km/h.

»Das wäre die kostengünstigste Maßnahme«, äußerte sich Gefeller. »Damit fordern wir ja nicht viel«, bekräftigte sein Lollarer Amtskollege Wieczorek. Laut RP wäre in dieser Frage der Landesbetrieb Hessen Mobil zuständig. Das Thema ist ein dickes Brett. Doch die Lollarer und Staufenberger wollen weiter bohren. (Von Jonas Wissner)

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