Der Kreis Gießen will überfüllte Busse in Corona-Zeiten vermeiden. Dafür präsentierte er jüngst mehrere Maßnahmen. (Symbolbild)
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Der Kreis Gießen will überfüllte Busse in Corona-Zeiten vermeiden. Dafür präsentierte er jüngst mehrere Maßnahmen. (Symbolbild)

Mehr Busse und andere Zeiten

Gießen: Stadt setzt zusätzliche Schulbusse ein – Kreis dreht weitere Stellschrauben

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Pünktlich zum Schulstart steigen die Corona-Zahlen rund um Gießen rapide. Kreis und Stadt wollen Entlastung in den vollen Bussen schaffen. Dafür gibt es mehrere Ansätze.

  • Im Kreis Gießen steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus rapide.
  • Am Montag (19.10.2020) beginnt die Schule – damit drohen wie stets volle Busse.
  • Der Kreis Gießen dreht an verschiedenen Stellschrauben, um den Schulbusverkehr zu entzerren.

Update vom Freitag, 16.10.2020, 10.08 Uhr: Auch die Stadt Gießen setzt im Schulverkehr nach den Herbstferien zusätzliche Busse ein, um Überfüllung zu vermeiden und die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, zu senken. Das Regierungspräsidium habe erlaubt, Reisebusse einzusetzen, weil kurzfristig nicht genügend Stadtbusse zur Verfügung stünden, heißt es in einer Mitteilung. Die Firma Höchsmann wird den Stadtbusverkehr demnach in einer Übergangszeit von zwei Wochen täglich mit zwei Reisebussen unterstützen, danach übernimmt die Stadtwerke-Tochter Mit.Bus die zusätzlichen Fahrten mit ihrer eigenen Bus-Flotte. Das Land Hessen finanziert die Maßnahme.

Das Angebot wird in Gießen nach den Herbstferien ab Montag, 19.10.2020, zunächst befristet bis zum Donnerstag, 1.4.2021 eingerichtet. Die Zusatzbusse kommen auf den Linien zwei Minuten vor der regulären Fahrtzeit, der regulären Linien:  

  • Linie 1: Heyerweg (06:54) - Br.-Grimmschule (07:25)
  • Linie 1/ Linie 5: Br.-Grimmschule (06:59) - Theodor-Litt-Schule (07:29)
  • Linien 801/802 Berliner Platz (07:40) - Leimenkauter Weg (07:49)
  • Linie 1: Heyerweg (07:04) - Max-Reger-Straße (07:26)
  • Linie 1: Friedrichstraße (07:35) - Max-Reger-Straße (07:41)  
  • Linie 1/ Linie 5: Max-Reger-Straße (12:56) - Röderring (13:15)
  • Linie 1: Berliner Platz (13:16) - Waldweide (13:34)
  • Linie 1: Br.-Grimm-Schule Süd (13:12) - Sophie-Scholl-Schule (13:42)
  • Linie 1: Sophie-Scholl-Schule (14:04) - Berliner Platz (14:13)

Kreis Gießen: Corona erzwingt unübliche Maßnahmen im Busverkehr zu den Schulen

Erstmeldung vom Donnerstag, 16.10.2020, 10.15 Uhr: Gießen – Wenn am Montag der Unterricht nach zwei Wochen Herbstferien wieder beginnt, dann wird die Busanbindung zu einigen der 54 Schulen im Landkreis Gießen verstärkt. Nach wiederholten Beschwerden von Eltern und Schülern über zu volle Fahrzeuge werden im Herbst und den Winter über, voraussichtlich bis Ostern, zusätzliche Busse eingesetzt.

Völlig überbelegte Wagen sind seit Jahren Dauerthema - aber zu Zeiten von Corona gewinnt dies nochmals an Virulenz. I m September hatte Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl (Grüne) angekündigt, für Verbesserungen zu sorgen. Denn in den Bussen gilt zwar eine Maskenpflicht. Aber es gelten keine Abstandsregeln. Heißt: Die Schüler sitzen und stehen dicht an dicht.

Kreis Gießen: Zusätzliche Busse fahren mehrere Schulen an

Zu einigen der 54 Schulen im Landkreis Gießen fahren zusätzliche Busse. Verstärkt werden die Anbindung zur Theo-Koch-Schule in Grünberg, zur Gesamtschule Gleiberger Land in Wettenberg und zur Friedrich-Magnus-Gesamtschule Laubach. Konkret: Auf der Linie 371 von Rabenau zur Schule in Grünberg werden morgens zum Unterrichtsbeginn drei statt bislang zwei Busse auf den Weg gebracht. Nach der sechste Stunde gegen 13 Uhr werden ebenfalls wieder drei (statt bislang zwei) Busse eingesetzt. Nach der 9. Stunde fahren dann zwei statt ein Bus zurück in die Rabenau. Das bestätigt der Landkreis Gießen in einer aktuellen Mitteilung. Zusätzliche Busse gibt es von Hohenahr über Biebertal ins Gleiberger Land und von Ettingshausen nach Laubach (und wieder retour).

Zugrunde liegen die Abfragen an allen Schulen im September. Da hatten nur wenige Grundschulen, aber die Mehrzahl der weiterführenden Schulen von Problemen berichtet und um Nachbesserungen gebeten. Dies geschieht nun auf den als besonders belastet eingestuften Linien.

Busverkehr im Kreis Gießen: Maximal 15 Stehplätze auf dem Weg zur Schule

An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich werden laut Schmahl die Umläufe der Busse so verändert, dass Schüler aus Pohlheim und Fernwald nicht mehr so eng stehen müssen wie bisher. Konkret: Ein Bus fährt eine andere Strecke.

Je nach Größe eines Busses sollen neben den Sitzplätzen nur zehn bis 15 Stehplätze zugelassen werden, um übervolle Fahrzeuge zu vermeiden. Dies wird so beispielsweise auch in der Wetterau versucht. Schmahl: »Das ist nach wie vor das Ziel. Wir hoffen, dass wir das mit unseren geplanten Maßnahmen schaffen.« Sollte es weitere Buslinien geben, auf denen das nicht klappt, dann will sie auch diese zählen lassen und gegebenenfalls nachsteuern.

Die zusätzlichen Busse kosten Geld. Rund 300 000 Euro hat der Landkreis laut der Ersten Beigeordneten Schmahl dafür erst einmal parat. Das Geld ist laut Schmahl da, weil der eigentlich für diesen Herbst geplante Abriss der alten Grundschule Krofdorf ins Jahr 2021 verschoben wurde und deshalb Mittel frei werden. Zudem sind Gelder im Frühjahr coronabedingt nicht für Schülerbeförderung ausgegeben worden, als die Schulen geschlossen waren.

Corona-Maßnahmen im Schulbusverkehr: Land stellt dem Kreis Gießen Geld zur Verfügung

Das Land will insgesamt 10,3 Millionen Euro für zusätzliche Busse, Kontrollen der Maskenpflicht et cetera landesweit bereitstellen und an die Verkehrsverbünde verteilen. Was davon wie konkret beim Landkreis ankommt, das ist noch nicht zu beziffern. Schuldezernentin Schmahl hat aber bereits angekündigt, dass sie den Kreisanteil einfordern will.

Der Landkreis hat wegen der zusätzlichen Busse vornehmlich mit den Verkehrsgesellschaften verhandeln müssen: Dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und der Verkehrsgesellschaft Oberhessen. Denn zu 90 Prozent sind es Linienbusse, die die Schüler aus den Dörfern zu den Schulen bringen. Unter den zusätzlichen Fahrzeugen, die nun im Linienverkehr zu den Schulen eingesetzt werden, können auch Reisebusse sein, die ansonsten in den Depots stehen würden. Dazu hatte es in den vergangenen Wochen Klärungsbedarf gegeben. Busunternehmer und Verkehrsgesellschaften hatten dargelegt, Reisebusse seien im Schülerverkehr und im Nahverkehr nicht einsetzbar. Dazu gibt es nun aber eine klare Ansage: Ja, es geht, hat das Regierungpräsidium im September beschieden.

Grundschulen testen zeitversetzten Unterrichtsbeginn

Einige wenige Schulen, vornehmlich Grundschulen, gehen allerdings noch einen anderen Weg. Sie setzen auf einen zeitversetzten Unterrichtsbeginn, um das Ankommen der Busse und Schüler zu entzerren. Die Grundschule in Villingen hatte die Zeiten schon selbst verändert. Die Grundschule in Langsdorf verändert an zwei Tagen die Anfangszeiten für einzelne Klassen. Die Grundschule am Diebsturm in Grünberg und die Limesschule in Pohlheim ebenso.

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