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Eine volle Autobahn: Für viele Pendler ist das ein alltägliches Bild. (Archivfoto: Geck)

Pendlerstatistik

Immer mehr Pendler im Kreis Gießen - Steigerung um 24 Prozent seit 2000

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Immer mehr Menschen müssen auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit die Kreisgrenzen verlassen. Dieser bundesweite Trend zeigt sich auch im Kreis Gießen.

Wenn Lebenszeit im Stau flöten geht: Die Zahl der Berufspendler im Landkreis Gießen hat einen neuen Höchststand erreicht. Auf dem Weg zur Arbeit verließen im vergangenen Jahr rund 72 000 Menschen regelmäßig die Grenzen des Kreises - das sind 24 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte der Kreis noch rund 58 000 sogenannte Auspendler, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG Bauf beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Gewerkschafterin Doris Hammes spricht von einem "alarmierenden Trend". Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. "Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise in der Stadt nicht mehr leisten. Aber genau dort sind in den vergangenen Jahren besonders viele Jobs entstanden", sagt die Bezirksvorsitzende der IG Bau Mittelhessen. Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler aus dem Kreis Gießen mittlerweile gang und gäbe, betont Hammes. "Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei." Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Bundesweiter Trend

Die Gewerkschaft warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine "drastische Wende" in der Wohnungsbaupolitik. "Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment", sagt Hammes.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. "Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß", macht Hammes deutlich. Einen entscheidenden Beitrag gegen den "Pendel-Frust" könnten zudem die Firmen leisten - indem sie es ihren Beschäftigten leichter machten, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Die Pendler-Problematik im Landkreis Gießen ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im vergangenen Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

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