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Wo gilt Tempo 30 im Kreis Gießen? Ein Überblick. 

Gegen Lärm und Unfallgefahren

Gießen: So gehen die Kommunen mit "Tempo 30" um

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Maßnahmen der Kommunen zur Minderung von Unfallgefahren und Lärm sind seit jeher Thema. Eine Untersuchung des Verkehrsclubs Deutschland zeigt jetzt, wo im Kreis "Tempo 30" nur langsam vorankommt.

Gießen - Abseits von Vorfahrtstraßen sollten Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden. So sieht es die Straßenverkehrsordnung vor. Eine Vorgabe des Bundes sei dies, sagt der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland (VDC). Der hat jüngst das 1250 Kilometer lange innerörtliche Straßennetz im Landkreis untersucht. Nur 190 Kilometer davon sind demzufolge innerörtliche Hauptstraßen, der große Rest Nebenstraßen.

Vordringlich dort sollten dem VCD zufolge Kommunen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ergreifen - zumal eine Genehmigung leicht zu erhalten und die Umsetzung kostengünstig sei. Bedürfe es doch nur eines Beschlusses der Gemeinde, den im Übrigen auch Ortsbeiräte oder einzelne Anwohner anregen könnten. "Die Polizei ist zwar anzuhören, wird aber im Regelfall das Mehr an Sicherheit begrüßen, sofern keine Vorfahrtstraßen betroffen sind." Der VCD-Untersuchung zufolge sind Heuchelheim und Lich die Vorbilder im Kreis: In über 90 Prozent aller Nebenstraßen gelte dort Tempo 30 oder weniger. Gleiches habe Staufenberg angekündigt.

Buseck: Anliegerlob für Tempo-30-Zone

Lob geht auch nach Buseck, wo 2017 auf insgesamt zehn Kilometern Tempo 30 ausgewiesen worden sei. Die Zone im Süden Großen-Busecks habe nur sechs Schilder und einige Markierungen bedurft. Anlieger lobten die Maßnahme, da der Wege zur Schule sicherer geworden sei und auch der Autolärm zurückging.

Ginge es nach dem Verkehrsclub, würde in allen Wohngebieten Tempo 30 ausgewiesen. Und zwar flächendeckend, wie in Lich oder Heuchelheim: "Wenn klar ist, dass überall abseits von Vorfahrtstraßen das Tempolimit gilt, ist die Akzeptanz deutlich besser als wenn diese Zonen nur wenige Straßen umfassen." Auf Kritik des VCD stößt daher das Vorgehen in Biebertal oder Allendorf/Lumda: Dort gelte zwar "fast flächendeckend" Tempo 30, aber in einigen Ortsteilen - Königsberg und Nordeck - eben nicht.

"Rote Laterne" für Rabenau

Nach den positiven Beispielen muss die Sprache auf die Schlusslichter zu sprechen kommen: Am Ende der Skala liegt mit Abstand Rabenau, wo in nur 32,4 Prozent aller Nebenstraßen eine Geschwindigkeitsbeschränkung gilt. Das jedoch soll sich ändern, wie Andreas Zenkert vom Ordnungsamt der Gemeinde versichert. Wie in Reiskirchen oder Münster strebt man für die Ortsdurchfahrt Geilshausen Tempo 30 des nachts an, um den Lärm zu mindern. Der Antrag soll in Kürze an die Kreisverkehrsbehörde gehen.

"Es gibt überdies Anfragen von Bürgern", sagt Zenkert. Dem will die Gemeinde entsprechen und in Londorf ein bis zwei Tempo-30-Zonen ausweisen. Selbiges ist an der Kita Rüddingshausen geplant. Grundsätzlich werde man in Wohngebieten schauen, wo verkehrsberuhigende Anordnungen möglich seien. Und nötig: Straßen, wo geparkte Autos "natürliche Hemmnisse" bildeten, zählten nicht dazu.

Nur auf dem vorletzten Platz landet Grünberg. Bürgermeister Frank Ide zufolge stellt jedoch auch seine Kommune Überlegungen an, "verschiedene Bereiche in Tempo-30-Zonen umzuwandeln." Die Planungen bräuchten aber noch Zeit, eine Umsetzung in den nächsten Monaten dürfe man daher nicht erwarten. Im Frühjahr steht eine Art Gesamtschau an, bei der 14 Stadtteile betrachtet und der Bedarf geprüft werden soll.

Auch Grünberg will nachbessern

Auf die Frage, ob auch Ide mit entsprechenden Forderungen von Bürgern konfrontiert sei, antwortet der Rathauschef: "Aktuell nicht". Erinnert sei dazu an die Diskussion um Tempo 30 vor der Kita am Rondell. Ide verweist hier auf einen Expertenstreit: Manche erachteten das Schild "Spielende Kinder" für besser. "Dann ist der Autofahrer in der Pflicht, jederzeit mit einem Kind zu rechnen und seine Fahrweise darauf einzustellen." Bei einer 30er-Zone könne er sich darauf berufen: "Ich darf doch so schnell fahren!".

Grünbergs Bürgermeister spricht zudem noch den monetären Aspekt an. Zuschüsse aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungskonzept flössen nur für innerörtliche Hauptstraßen mit Tempo 50. Weswegen in der Kernstadt bereits mehr als einmal schon bei grundhaften Straßenerneuerungen das 30er-Limit aufgehoben wurde, zugunsten der Stadtkasse. Aber auch zugunsten der Anlieger, sinkt doch ihr Beitrag, wenn - nach offizieller Lesart zumindest - vor ihrer Tür Durchgangsverkehr herrscht.

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