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Auch in der kälteren Jahreszeit bieten Blühflächen vielen Tierarten Schutz.

Gewollt »unaufgeräumt«

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Gießen (pm). Im Sommer bieten sie strahlende Farben und aromatische Düfte, jetzt wirken sie hingegen noch verlassen und nutzlos: Blühflächen in der Feldflur. Doch Ackerflächen, die mit Blühpflanzen wie Sonnenblume, Dill, Ringelblume, Margerite und vielen anderen Arten bestellt sind, haben zu jeder Zeit einen großen biologischen Wert und stellen Lebensräume dar.

Die Abteilung für den ländlichen Raum der Landkreise Gießen und Lahn-Dill und Landrätin Anita Schneider nehmen Fragen zu abgeblühten, »unaufgeräumten« Flächen zum Anlass, um aufzuklären.

So viel wie 350 Fußballfelder

»Die Landwirte säen diese Blühflächen nicht, um die Landschaft optisch aufzuwerten, sondern ihr Ziel ist es, die Artenvielfalt zu bewahren«, sagt Landrätin Anita Schneider. Die Pflanzen dienten sowohl als zusätzliche Nahrungsquelle als auch als Rückzugsraum für Insekten, Vögel, Kleintiere und Niederwild. »Landwirte tragen somit zur Aufwertung des Lebensraumes und zur Förderung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft bei«, so Schneider.

Insbesondere im Zuge des Feldflurprojektes »Gießen-Süd« sind seit 2020 zahlreiche Blühflächen im Bereich der Kommunen Langgöns, Pohlheim, Linden, Hüttenberg und der Stadt Gießen neu entstanden. Aber nicht nur dort.

Blühflächen sind eine in der Feldflur immer häufiger sichtbare Maßnahme zur Förderung der Artenvielfalt. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 250 Hektar Blühflächen in den Landkreisen Gießen und Lahn-Dill, informiert Margot Schäfer, Leiterin der Abteilung für den ländlichen Raum. Das entspricht rund 350 Fußballfeldern. Viele Landwirte legen solche Flächen im Rahmen des Agrarumweltprogramms für überwiegend fünf Jahre an. Sie ergänzen damit die teils zu wenig vorhandenen, deckungsgebenden und vernetzenden Strukturen wie Hecken, Büsche, Wegraine oder Brachen.

Mit der Integration solcher Naturschutzmaßnahmen in die landwirtschaftliche Produktion werden selten gewordenen Arten wie manchen Insekten oder aber dem Rebhuhn neue Lebensräume geboten. Angesät werden dabei spezielle Saatgutmischungen aus Kultur-, Zier- und Wildpflanzen.

»Viele Spaziergänger denken, dass abgeblühte Felder abgeräumt werden können«, sagt Schäfer. Sie und ihr Team erhielten häufig Anrufe zu diesem Thema. »Dann erklären wir allen Anrufern, dass gerade die vertrockneten, unansehnlichen Überreste der sommerlichen Blütenpracht als Nahrungs- und Rückzugsräume große Bedeutung haben, wenn andere Kulturen noch fehlen.« Insekten, die keine großen Flugdistanzen zwischen Brut- und Futterplatz überwinden können, nutzen die Blühflächen im Spätsommer als Brutstätte und in der kälteren Jahreszeit als Überwinterungsquartier.

Werden die Blühflächen bis zu den ersten warmen Tagen im nächsten Frühjahr erhalten, erwachen die Insekten aus ihrem Winterschlaf, schlüpfen aus ihrem Schutz und starten in die nächste Saison. Auch das Rebhuhn nutzt die Deckung der über Winter erhaltenen Blühfläche im Frühjahr wieder als Brutplatz.

»Blühflächen sind aus diesen Gründen nicht nur im Sommer von Bedeutung, sondern haben auch in der kälteren Jahreszeit ihre Daseinsberechtigung. Die eher wild anmutenden Flächen aus ästhetischen Gründen zu entfernen, ist daher nicht sinnvoll«, sagt Schneider.

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