Nachhaltig und wegweisend: Am Rande des Niddaer Stadtteils Harb soll ein interkommunaler Gewerbepark entstehen. Aus Sicht der neun beteiligten Städte und Gemeinden, zu denen auch Hungen gehört, ein Pilotprojekt. FOTO: AGE
+
Nachhaltig und wegweisend: Am Rande des Niddaer Stadtteils Harb soll ein interkommunaler Gewerbepark entstehen. Aus Sicht der neun beteiligten Städte und Gemeinden, zu denen auch Hungen gehört, ein Pilotprojekt. FOTO: AGE

Ein Gewerbepark, neun Kommunen

  • vonChristina Jung
    schließen

Wenn die Hungener Stadtverordneten in ihrer nächsten Sitzung die Vorlage 2020/198 beschließen, fassen sie einen Grundsatzbeschluss zu einem Pilotprojekt. Eine Kooperation von neun Städten und Gemeinden, deren Ziel ein nachhaltiger Gewerbepark ist.

Mit anderen Kommunen zusammenzuarbeiten, um Synergieeffekte zu nutzen, hat sich längst durchgesetzt. Ob Abwasserverband, Finanzabteilung, Standes- oder Ordnungsamt - viele Städte und Gemeinden teilen sich mittlerweile ihre Aufgaben. Beim Thema Gewerbe kocht die Mehrheit aber nach wie vor ihr eigenes Süppchen. Nur wenige, wie etwa Langgöns und Butzbach (Magna-Park), machen gemeinsame Sache. In Hungen soll sich das ändern.

Zusammen mit acht weiteren Kommunen planen die Schäferstädter einen Gewerbepark. Ein Grundsatzbeschluss dazu sollte eigentlich in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gefasst werden, wurde pandemiebedingt aber vertagt.

"Interkommunaler Gewerbepark Oberhessen" heißt das Vorhaben, dessen Ziel die Schaffung nachhaltiger Gewerbeflächen unter Federführung der Stadt Nidda in Kooperation mit den beteiligten Kommunen, der Wirtschaftsförderung Wetterau sowie - zwecks wissenschaftlicher Begleitung - der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen ist. Im Februar haben die Partnerkommunen ihre Absicht zur Umsetzung des Pilotprojektes erklärt. Jetzt sind die jeweiligen Parlamente am Zug.

Die ersten Gespräche habe es bereits vor anderthalb Jahren gegeben, seitdem sei das Vorhaben immer konkreter geworden, berichtet Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Vorgesehen ist, auf einem rund 19 Hektar großen Gelände am Ortsrand des Niddaer Stadtteils Harb Flächen für Gewerbetreibende zu entwickeln, die für die beteiligten Städte und Gemeinden einen Mehrwert bieten, wie Wengorsch sagt. Logistiker sollen ausgeschlossen sein, stattdessen gezielt innovative Unternehmen aus dem Technologiebereich und Start-ups angesiedelt werden. Das biete gute Chancen, für die Menschen vor Ort Arbeitsplätze bereitzustellen.

Nachhaltigkeit spielt bei den Planungen eine großes Rolle, nicht nur mit Blick auf mögliche Jobs. CO2-Reduzierung, Grünflächenanteil, Energieeffizienz oder Ressourcenschonung sollen Kriterien für die Entwicklung des Gewerbeparks sein und schon im Bauleitplanverfahren festgeschrieben werden.

Was das Areal angeht, das zentral zwischen den Städten Hungen und Nidda liegt, hebt Wengorsch die positiven Standortstrukturen hervor. Mit zwei Bundesstraßen (457 und 455) und einer Bahnverbindung verfüge das Gebiet über eine sehr gute Anbindung. Ein weiterer Pluspunkt sei die räumliche Nähe zur Metropolregion Rhein-Main sowie die Vernetzung mit dieser über die Wirtschaftsförderung Wetterau. "Darin sehe ich eine große Chance für uns. Ich bin davon überzeugt, dass der Gewerbepark für Hungen und die Region einen Mehrwert darstellt und Vorbild für andere sein kann".

Noch ist nicht klar, welche Rechtsform die interkommunale Kooperation haben wird. Möglich sind laut Beschlussvorlage eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung oder ein Zweckverband. Wengorsch tendiert zu letzterem, da dieser aus seiner Sicht "haushalterisch einfacher zu händeln ist". Aber letztlich entscheide das die Stadtverordnetenversammlung.

2024 Beginn der Erschließung

Im nächsten Frühjahr soll die Rechtsform laut Bürgermeister feststehen, parallel die Bodenbevorratung angeschoben werden. 2022 würden laut derzeitigem Fahrplan die baurechtlichen Belange geklärt. Mit Abschluss des Bauleitplanverfahrens rechnet Wengorsch Mitte 2023, im Jahr darauf mit dem Beginn der Erschließung. Angeboten werden sollen Grundstücke in der Größenordnung zwischen 3000 und 10 000 Quadratmetern, zwischen 25 und 30 an der Zahl.

Damit die Planungen fortschreiten können, sind zunächst aber die Parlamente gefragt. In Hungen steht die Entscheidung über den Grundsatzbeschluss in der Sitzung der Stadtverordneten am 17. Dezember an, nachdem die Fachausschüsse darüber beraten haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare