Gesundheitsamt bundesweit Vorreiter bei Corona-Software

  • vonStefan Schaal
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Gießen(srs). Ein Wirrwarr zwischen verschiedenen Computerprogrammen herrscht bundesweit bei der Erfassung und im Management der Corona-Fälle durch die 380 Gesundheitsämter. Für Abhilfe soll nun Software sorgen, bei der das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen in zweifacher Hinsicht eine Vorreiterrolle spielt.

Bereits seit März dieses Jahres kommt im Kreis das Programm "Sormas" zum Einsatz. Der Name steht für "Surveillance Outbreak Response Management Analytics System". Die Software soll dabei helfen, Kontakte nachzuverfolgen, Symptome zu dokumentieren und Daten mit Gesundheitsämtern anderer Landkreise zu teilen. Die Initiative, das kostenfreie Programm anzuwenden, hat Dr. Anja Hauri ergriffen, Leiterin des Fachdienstes Hygiene im Gesundheitsamt des Landkreises. Im Februar habe ihr das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung die Software vorgeschlagen, berichtete Hauri. Wenige Tage später habe man das Programm installiert. "Ich dachte sofort, dass es die beste Lösung ist", erklärt sie. Im Jahr 2014 wurde "Sormas" bereits zur Bekämpfung der Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika entwickelt.

Der Landkreis Gießen war der zweite bundesweit, der die Software installiert hat. Bund und Länder haben das Ziel ausgegeben, dass so gut wie alle der 380 Gesundheitsämter in Deutschland das Programm anwenden. Um einen möglichst reibungslosen Ablauf im Management der Corona-Fälle per Software zu erreichen, ist es allerdings ein weiter Weg. Mitarbeiter in zahlreichen Gesundheitsämtern arbeiten noch mit Excel-Listen, die Landkreise arbeiten mit vielen unterschiedlichen Programmen, die untereinander nicht kompatibel sind. "Es gibt da sehr viele verschiedene kommerzielle Anbieter", berichtet Hauri.

Ein Austausch zwischen Landkreisen ist dadurch erheblich erschwert. Ein schnelles Teilen von Daten über die Kreisgrenzen hinweg ist nicht möglich, weil bisher kaum ein weiterer Kreis in der Umgebung "Sormas" nutzt.

Daten bisher doppelt eingetragen

Auch das Gesundheitsamt erhält zahlreiche Corona-Befunde aus Laboren und Arztpraxen noch per Fax, die Mitarbeiter daraufhin zeitaufwändig in den Computer und in das Programm "SurvNet", die Meldesoftware des Robert-Koch-Instituts eintippen. Die Mitarbeiter müssen die Daten außerdem bisher doppelt eintragen, wenn sie "Sormas" benutzen. Dies soll sich im Kreis Gießen allerdings ab Januar ändern. Dann soll eine Schnittstelle, eine Verbindung für "Sormas" und "SurvNet" erprobt werden. Der Landkreis nimmt dafür nun an einem Pilotprojekt teil. Gerne hätte man mit dem Pilotprojekt noch etwas früher begonnen, berichtet Hauri. Sollte die Schnittstelle allerdings funktionieren, fügt sie hinzu, "dann würde uns das vieles erleichtern."

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