Gesucht wird der "Herr des Trinkwassers"

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen(so/sel). Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW), Trinkwasserversorger für rund 500 000 Menschen in der Region, ist auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Mitte August war die Stelle ausgeschrieben. Bewerber sollten ab April 2021 verfügbar sein.

Derzeitiger Geschäftsführer ist Karl-Heinz Schäfer, zuvor 18 Jahre lang Bürgermeister in Pohlheim. Er führt die ZMW-Geschäfte seit nunmehr fünf Jahren und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Sein Vertrag endet spätestens Mitte 2022, erläuterte Schäfer auf Anfrage. Er war von 2012 bis 2015 ZMW-Verbandsvorsitzender und wurde im April 2015 von der Verbandsversammlung zum neuen Geschäftsführer gewählt und trat die Stelle im Juli 2015 an.

Reizvolle Stelle für Ex-Bürgermeister?

Die Geschäftsführerstelle war öffentlich ausgeschrieben. Bis Ende September lief die Bewerbungsfrist; in den kommenden Wochen werden die eingegangenen Bewerbungen gesichtet und mit den potenziellen Kandidaten Gespräche geführt, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Nicht auszuschließen, dass sich der eine oder andere Bürgermeister, der in den kommenden Monaten aus dem Amt scheidet, für diese Position interessieren könnte.

Der ZMW mit Sitz in Gießen beschäftigt fast 200 Mitarbeiter in der Trinkwasserversorgung, der Abwasserentsorgung, im Hochwasserschutz und der Gewässerunterhaltung. Nahezu eine halbe Million Menschen werden vom ZMW mit Trinkwasser versorgt. Mitglieder des Zweckverbandes sind 27 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill sowie die Landkreise selbst.

Vorsitzender der Verbandsversammlung ist der Bürgermeister der Gemeinde Lahntal, Manfred Apell. Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi ist Zweckverbandsvorsitzender. Bei der jüngsten Verbandsversammlung stand die Frage der Geschäftsführung jedenfalls nicht auf der Tagesordnung, wohl aber das Jahresergebnis 2019. Das weist nach Steuern einen Gewinn von 670 000 Euro aus, der zu einem guten Drittel zur Minderung der Verluste aus den Vorjahren verwendet wird. Dass der Gewinn deutlich geringer als 2018 ausfiel, ist laut Geschäftsführer Schäfer einer 800 000 Euro teuren Baumaßnahme im Bereich der Stadt Wetzlar geschuldet.

In Sachen Wasserverbrauch habe das Jahr 2019 das Trockenjahr 2018 nochmals "getoppt": 2019 wurden seitens des ZMW 680 000 Kubikmeter mehr - insgesamt fast 22 Millionen Kubikmeter - an die Endverbraucher geliefert. Die Bilanzsumme stieg um 4,1 auf 74,6 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019. Im laufenden Jahr 2020 werden rund zehn Millionen Euro investiert. Die Finanzlage des ZMW bezeichnete Schäfer als "weiterhin stabil".

Die Qualität des im ZMW-Geschäftsbereich geförderten Rohwassers und damit auch das an die Verbraucher weitergeleiteten Trinkwassers ist laut Schäfer "sehr gut". Die Nitratgehalte des ZMW-Wassers liegen deutlich unterhalb der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung.

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