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Noch in diesem Frühjahr sollte hier mit dem Bau einer neuen Kita begonnen werden. Nun stehen die Pläne auf Pause.

Gestoppte Großkita-Pläne

  • vonStefan Schaal
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Alles deutet darauf hin, dass die geplante Kita mit acht Gruppen in Watzenborn-Steinberg erledigt ist. Ein neuer Standort für einen kleineren Kindergarten ist bereits im Gespräch.

Anderthalb Stunden lang plätschert die Sitzung des Pohlheimer Stadtparlaments am Donnerstagabend harmonisch und mit Beifall von allen Seiten vor sich hin. Die neue Stadtverordnetenvorsteherin Hiltrud Hofmann moderiert durch Wahlen von Stadträten und Vertretern des Parlaments in Verbänden und Stiftungen. Dann, als der letzte Punkt des Abends aufgerufen wird, tritt Bürgermeister Andreas Ruck (parteilos) ans Rednerpult.

Es sei »Wahnsinnn, wie die Kosten nach oben gehen«, sagt Ruck. Er spricht von 14 Millionen, kurz darauf von 19 Millionen Euro. Die Stadt sei zwar verpflichtet, Kindergartenplätze zu schaffen. »Wir werden auch weitere Kitas an den Orten bauen, wo Bedarf ist.« Für die in Watzenborn an der Ludwigstraße geplante Kita mit acht Gruppen aber gehe die Kostenschätzung von »explodierenden Zahlen« aus. »Es ist meine Pflicht, darüber zu informieren und dass wir diskutieren, ob wir die hohen Kosten für die schmucke Designer-Kita wollen.«

CDU wirft Ruck Drohkulisse vor

Eine knappe Stunde später liegen die Kita-Pläne nach einem Beschluss der neuen Mehrheit im Parlament aus SPD, Grünen und FDP auf Eis. Die Pläne pausieren, bis die Stadtverordnetenversammlung über das weitere Verfahren entscheidet. Vieles deutet darauf hin, dass es vorbei ist mit dem Großprojekt, dessen Bau in wenigen Tagen eigentlich beginnen sollte. Ruck und die drei Mehrheitsfraktionen bevorzugen an der Stelle eine kleinere Kita mit nur vier Gruppen. Eine Verzögerung des Baus von sechs bis neun Monaten könne man in Kauf nehmen, »wenn die Kosten am Ende geringer sind«, sagt Peter Alexander, der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Bei der CDU, die die Kita-Pläne maßgeblich angestoßen hat und nach der Kommunalwahl nun in der Opposition sitzt, macht sich Ärger breit. »Unfassbar«, raunen Abgeordnete. Ruck baue mit der Nennung der steigenden Kosten eine Drohkulisse auf, sagt Malke Aydin von der CDU-Fraktion. »Mit geschätzten Zahlen, die nicht belastbar sind«, fügt er hinzu. »Woher kommen diese 14 Millionen?«

Aydin erinnert an den einstimmigen Parlamentsbeschluss vor knapp zwei Jahren für den Kita-Bau. »Es gibt keine alternativen Standorte im städtischen Besitz«, sagt Aydin. Ruck verspricht, zu beantworten, wie viel der Bau zweier kleinerer Kitas in Watzenborn und Steinberg plus Multifunktionsraum für die Pohlheimer Vereine im Vergleich zu den bisherigen Großkita-Plänen kosten würde.

Dem Vernehmen nach bereiten SPD, Grüne und FDP die Einrichtung eines weiteren Kindergartens in der Erfurter Straße in Steinberg vor. Am 8. Juni wollen die Pohlheimer Ausschüsse über die Kita-Pläne diskutieren. Danach dürfte feststehen, ob das Großprojekt mit acht Gruppen an der Ludwigstraße erledigt ist.

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