+
Unseren heutigen Schatz findet man an der äußersten Peripherie des Landkreises Gießen.

Das Gesicht des Dorfes

  • schließen

Das Gießener Land ist reich an Schätzen. Überall gibt es Orte, die des Entdeckens wert sind; Kleinode, die selbst viele "Eingeborenen" bisher links liegen gelassen haben. In den Sommerferien stellen wir auch dieses Jahr einige vor. Die Kreisredaktion lädt zur "Schatzsuche" ein.

Man muss an die Grenzen des Landkreises reisen, um unseren heutigen Schatz zu bergen. Da befindet er sich seit mehr als drei Jahrhunderten, seit 1698, um genau zu sein. Das Datum steht über der reich verzierten Eingangstür, womit verraten wäre, dass bei unserem heutigen Rätsel nach einem Gebäude gesucht wird. Es steht unter Denkmalschutz und besticht durch einen markanten Aufgang. Als es - damals als Teil eines größeren Ensembles - von frommen Männern errichtet wurde, war es ein Fremdkörper im Ort. Die Menschen, die hier lebten und arbeiteten, hatten einen anderen Herrn und eine andere Konfession als der Rest der Dorfbevölkerung. Das konnte nicht lange gut gehen. Alte Quellen berichten von Neid, Streit und Schikanen. "Wir werden nicht eher ruhen, bis die Pfaffen vertrieben und wir selbst die Herren sind", soll ein Schultheiß im 18. Jahrhundert gedroht haben.

Heutzutage taugen die Querelen von damals nur noch für die Bühne, ansonsten sind sie längst beigelegt. Unser Schatz schmückt sogar das Ortswappen, ist also sozusagen das "Gesicht des Dorfes." Mehr noch: Seit einigen Jahren führt er Menschen zusammen, Einheimische, Zugezogene und Gäste von auswärts. Manche kommen, weil daheim der Kühlschrank leer ist. Weil sie ein Mitbringsel aus regionaler Produktion suchen. Oder weil ihnen der Sinn nach einem Schwätzchen und einer guten Tasse Kaffee steht. Andere rasten hier auf einer Fahrradtour. Und wieder andere schätzen Informationen und Geselligkeit, die sie hier auch mitten in der Woche finden. Dann kann man bei selbst gekochter Suppe viele interessante Menschen kennenlernen: Schriftsteller und Landwirte, Musiker und Metzger, Bauern, Kindergärtnerinnen und Künstler. Nicht zu vergessen die zahlreichen Backexperten, die sich hier einmal im Jahr, nämlich zur Adventszeit, einem Wettbewerb der besonderen Art stellen.

Kein Käufer zu finden

Aber von nichts kommt nichts. Noch vor zehn Jahren führte der Schatz ein Mauerblümchendasein. Seine ursprüngliche Herrlichkeit war längst verblichen. Er stand zum Verkauf, doch niemand wollte ihn haben. Vier Frauen, so will es die Legende, erkannten schließlich seinen Wert für die Zukunft ihres Dorfs. Sie ließen nicht locker, planten, redeten, taten Mitstreiter und Geldquellen auf. Selbst aus Brüssel bekamen sie Unterstützung. Am 11. September 2013 hielten die Initiatorinnen erstmals den Schlüssel zur Schatzkammer in ihren Händen. Wo befindet sie sich? Und welche Funktion erfüllt sie?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare