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Männer vom Reichsarbeitsdienst marschieren in die Richtung, wo heute der Essener Weg liegt.

Geschichten hinter Fotos gesucht

  • VonStefan Schaal
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Nachdem bisher unbekannte Fotografien aus Lang-Göns und vom Flugplatz Kirch-Göns aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgetaucht sind, bittet Hobby-Historiker Werner Reusch um Hilfe: Wer kann Erinnerungen oder Erzählungen über die Bilder teilen?

Es sind bewegende Einblicke in Alltag, Irrsinn und kuriose Erlebnisse der Menschen in Langgöns und Umgebung während des Zweiten Weltkriegs: Hobby-Historiker Werner Reusch hat in inzwischen drei Bänden Berichte von Zeitzeugen über die Geschichte von Langgöns und zum Flugplatz Kirch-Göns, dem Magnapark und der Ayers-Kaserne herausgegeben.

»Menschen erzählen mir ihre Lebensgeschichten«, erklärt Reusch seine Arbeit. Und er stehe in der Pflicht, diese Berichte aufzuschreiben und zu sammeln. In wenigen Jahren werde es zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs keine Zeitzeugen mehr geben. »Wenn ich die Lebensgeschichten jetzt nicht sammle, ist es irgendwann zu spät.« Die drei Bücher, die 1001 Seiten umfassen, haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, betont Reusch. »Erst beim Lesen wird uns manches wieder einfallen. Und längst vergessene Bilder werden zum Vorschein kommen, die in einem Kästchen geschlummert haben.«

Und so entdeckte Horst Jeckel aus Rabenau acht bisher unbekannte Fotos vom Flugplatz Kirch-Göns, auf denen Flugzeuge, Gebäude und der Aussichtsturm zu sehen sind.

Nach Sichtung der Aufnahmen hat sich Reusch entschlossen, diese eindrucksvollen Bilder als Zusatz in einem kleinen Nachdruck des Buches »Flugplatz Kirch-Göns - Ayers Kaserne - Magna Park. Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg - Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte« mit zu veröffentlich. Die Aufnahmen seien weitere kleine Mosaiksteine zum Thema des Flugplatzes in Kirch-Göns, erklärt Reusch. »Sie wären sonst für immer verloren.«

Erinnerungen an die »dicke Eiche«

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1940 zeigt ein zweimotoriges Kampfflugzeug des deutschen Herstellers Dornier, eine Do 17 P, als Teil der Fernaufklärerstaffel 4. (F)11 auf dem Flugplatz Kirch-Göns. Die Maschinen wurden im Zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe als Bomber und Aufklärer eingesetzt.

Reusch bezeichnet das Foto als »ein ganz besonderes Zeitdokument«. Auf keiner Aufnahme, die ihm bisher zur Verfügung gestellt wurde, sei eine Do 17 P in Verbindung mit dem Aussichtsturm zu sehen gewesen. Diese Flugzeuge, weiß der Hobby-Historiker, haben von November 1939 bis Mai 1940 Aufklärungsflüge über Nordfrankreich durchgeführt.

Der Langgönser Helmut Althaus erinnerte sich im Gespräch mit Reusch im Mai 2019 an die »dicke« Eiche und den Aussichtsturm am Flugplatz Kirch-Göns. »Ich war als Jugendlicher einige Male auf dem Flugplatz Kirch-Göns«, erzählt Althaus. Der Weg dorthin führte zunächst bis zum Wald in Richtung Niederkleen. »Nach etwa 100 Metern war links der Weg zum Flugplatz, abgesperrt durch einen Schlagbaum. Ich kann mich noch gut an einen Wachsoldaten erinnern und ein Schilderhäuschen.« Links im Wald habe eine Baracke gestanden und etwas weiter Richtung Flugplatz ein hoher Turm aus Eisenstreben. »Beim sogenannten Tag der Wehrmacht hat es am Flugplatz für alle Essen aus der Gulaschkanone gegeben. Mittlerweile sind fast 80 Jahre vergangen und ich sehe heute immer noch zwei Gebäude vor mir, die wie Bauernhäuser ausgesehen haben.«

Uniformierte in der Amthausstraße

Die ›Dicke Eiche‹ am Flugplatz, neben der Straße zwischen Kirch-Göns und Niederkleen, sei um die Jahre 1940 und 1941 einmal das Ausflugsziel seiner Schulklasse gewesen. »Auch die Do 17 P Aufklärungsflugzeuge, versteckt unter Bäumen, habe ich nicht vergessen«, erzählt Althaus. »Als der Krieg gegen Frankreich angefangen hat, waren sie aber weg. Auch an Splittergräben kann ich mich noch gut erinnern.«

Ein zweites Fundstück Jeckels ist ein Bild etwa aus dem Jahr 1939 oder 1940, das in Lang-Göns aufgenommen wurde. Es zeigt Männer in Uniformen vom Reichsarbeitsdienst. Inzwischen steht fest, dass es Häuser in der heutigen Amthaussstraße zeigt, die Männer auf dem Foto marschieren in die Richtung, wo heute der Essener Weg liegt.

Wer etwas zu dem Bild erzählen kann oder wer zum Beispiel Personen auf der Fotografie erkennt, kann sich an Werner Reusch wenden, entweder telefonisch unter 0 64 47/63 37 oder per E-Mail an werner.reusch@web.de. Von Reusch erhalten Interessierte auch weitere Auskünfte über die Bücher vom Flugplatz Kirch-Göns.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1940 zeigt ein ein zweimotoriges Kampfflugzeug des deutschen Herstellers Dornier, eine Do 17 P, auf dem Flugplatz Kirch-Göns. »Längst vergessene Bilder, die in einem Kästchen geschlummert haben, kommen zum Vorschein«, sagt Werner Reusch.

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