Vergnüglich: Peter Meilinger und Jutta Failing spielen die Wirtsleute Jean und Faustina Deibel. FOTOS: SO
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Vergnüglich: Peter Meilinger und Jutta Failing spielen die Wirtsleute Jean und Faustina Deibel. FOTOS: SO

Geschichte in Geschichten erleben

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Wirtsleute Jean und Faustina Deibel laden von diesem Frühling an zu Kostümführungen auf Burg Gleiberg ein. Sie erzählen bei einer amüsanten Zeitreise über die Geschichte der Burganlage und ihrer adligen Bewohner und trinkfesten Besucher.

Schließlich hat sie mich umgebracht. Und alles nur wegen der Worschtsupp!" Jean Deibel empört sich über Gattin Faustina. Der graut derweil vor dem Gericht und der Strafe - und so isst sie selbst von der versehentlich vergifteten Wurstsuppe. Im Tode wieder vereint, spuken die einstigen Wirtsleute von der Burg seitdem auf dem Gleiberg herum...

Eine gar zu köstliche Kostümführung haben die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Failing und der Gießener Schlammb-eiser Peter Meilinger in den vergangenen Monaten erarbeitet. Auf einem anderthalbstündigen Rundgang durch Unterburg, Oberburg und die evangelische Katharinenkirche auf dem Gleiberg erschließen sie auf vergnügliche Weise einen neuen Zugang zu dem Wahrzeichen des Gießener Landes. "Wir wollen dazu einladen, Geschichte in Geschichten zu erleben." Ein Konzept, das die beiden als Gästeführer auch in Gießen und auf dem Schiffenberg mit besonderen Stadtführungen erfolgreich umsetzen.

Pate für das fiktive Wirtepaar "Jean und Faustina Deibel" standen die ersten Wirtsleute auf der Burg vor rund 140 Jahren. In den 1880er Jahren hatten die Eheleute Niebergall im heutigen Albertusbau eine Trinkhalle eingerichtet. "Wir sind nicht die Niebergalls, aber lassen uns von ihnen inspirieren", sagt Failing, die aus Rodheim-Bieber stammt und in Frankfurt als Journalistin arbeitet. Die "Deibels" gewähren Einblick in die Speisekarten früherer Jahrzehnte mit Leckereien wie Haifischflossen- oder Schildkrötensuppe.

Sie berichten von Zeiten, in denen vornehmlich Studenten aus Gießen zum Gleiberg wanderten und Burschenschaften dort ihre Stiftungsfeste feierten. Und sie erinnern an die Gründung des Gleibergvereins, der sich seitdem dem Erhalt der mittelalterlichen Burganlage widmet.

Nicht zuletzt wird verraten, was es mit der Gründung der Stadt Gießen vom Gleiberg aus auf sich hat und wie die erst vor wenigen Jahren geschlossene Traditionsgaststätte "Zum Schwarzen Walfisch" hoch oben auf dem Berg zu ihrem Namen kam.

Jede Führung kann verbunden werden mit kulinarischen "Handgreiflichkeiten", für die Burg-Gastronom Axel Horn und sein Team Sorge tragen. Ehrensache, dass da Handkäs mit Musik eine Rolle spielt und weitere regionale Spezialitäten gereicht werden. Aber keine Sorge: Die Wirtschaft "Zum heiligen Handkäs" bleibt Fiktion.

Zentrales Element für Jutta Failing und Peter Meilinger zudem: Sie binden die Gäste ihrer Führungen punktuell in das kleine szenische Spiel ein. Und: Es gibt Versionen für Erwachsene und für Kinder - ganz so, wie es der Zielgruppe entspricht.

Eine (nicht öffentliche) Premiere dürfen in den nächsten Tagen die "Fenster-Paten" als Gäste einer Küchenparty auf Burg Gleiberg genießen. Ab Mitte März werden die Karten für öffentliche Führungen bei der Gießener Tourist-Info, über den Gleibergverein und das Restaurant Burg Gleiberg angeboten.

Vorsitzender Andreas Kraft und Vize Gerhard Schmidt vom Vorstand des Gleibergvereins begrüßen das neue Angebot als "weiteres Highlight auf der Burg". Eben eine schöne Ergänzung zu den regelmäßigen Führungen, die Dr. Jürgen Leib namens des Gleibergverein seit Jahren anbietet. "Wir tun alles, um die Burg ins Gespräch zu bringen und im Gespräch zu halten", sagt Leib.

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