+

INFO

Mit geschärftem Profil

  • vonVolker Mattern
    schließen

Generationen von Schülern hat sie auf das Leben vorbereitet. Zahlreich waren die Lehrkräfte, die nicht nur in der Vermittlung des Unterrichtsstoffes ihre Aufgabe sahen. Jetzt wird die Gesamtschule Gleiberger Land 50 Jahre alt.

Sie ist in Wettenberg eine Institution, aber auch schulische Heimat für Jugendliche aus dem Einzugsgebiet Biebertal, Hohenahr und Heuchelheim. In fünf Jahrzehnten hat die Gesamtschule Gleiberger Land (GGL) ihr Profil geschärft, sich - im besten Sinne - an die gesellschaftlichen Veränderungen angepasst, sich Herausforderungen gestellt, für Transparenz des Schullebens gesorgt und die Chancen genutzt, sich als Teil des Gemeinwesens nach außen zu öffnen.

Am 4. November 1970 rollten die Bagger für den Neubau der unter dem Namen "Wettenbergschule" firmierenden Bildungseinrichtung. Damit war auch dort der Weg von Schulversuchen mit Gesamtschulen geebnet. Die drei Wettenbergdörfer gehörten damals zum Landkreis Wetzlar, der mit Gesamtschulen sein Schulwesen völlig neu konzipierte. Chancengleichheit und soziale Erfahrungen gemeinsam erleben, hieß es.

Neuaufbau nach Brandstiftung

Elf Millionen Mark kostete der Schulneubau. Launsbach erhielt den Zuschlag bei der Standortfrage, weil die seinerzeit noch eigenständige Gemeinde dem Kreis ihr Gelände kostenfrei zur Verfügung stellte und im geografischen Mittelpunkt des Einzugsgebietes lag. Konzipiert war die Schule für 1200 Schüler.

Im August 1971 wurde aus den integrierten Jahrgangsstufen 5 bis 7 die Gesamtschule. Heinrich Gombert leitete die Einrichtung kommissarisch. Zwei Jahre später wurde er zum Direktor ernannt. Der dritte und letzte Bauabschnitt wurde am 1. August 1974 beendet. Ein Jahr später wurden die ersten Schüler, die die neue Schulform komplett durchlaufen hatten, entlassen: 31 wurden in die Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe versetzt, 44 erreichten den Realschulabschluss. Im Schuljahr 1975/76 konnte mit 800 die bis dahin höchste Schülerzahl verzeichnet werden.

Eine Erfolgsgeschichte hatte begonnen, vier Jahre vor Gründung der Großgemeinde erhielt die Schule ihren Namen "Wettenbergschule". Bis heute - auch als GGL mit größerem Einzugsgebiet - ist sie Identifikationsobjekt, nicht nur für die drei Wettenbergdörfer.

1983 brannte die Schule, die Ermittlungen ergaben Brandstiftung. Werkräume und der naturwissenschaftliche Bereich wurden nahezu völlig zerstört, die übrige Bausubstanz durch Rauchgase schwer geschädigt. Die Umsiedlung von 500 Schülern in Nachbarschulen war ein Kraftakt und Solidaritätsbeweis. In einer großen Gemeinschaftsaktion packten viele an, um das Schulgebäude wieder nutzbar zu machen. Ein tragischer Zwischenfall bleibt unvergessen: Während der Abrissarbeiten kam ein Bauarbeiter zu Tode, dessen vier Kinder zu diesem Zeitpunkt auch die Wettenbergschule besuchten.

Der Wiederaufbau erfolgte nach heftigem politischen Streit. Gebaut wurde eine "Schule nach Maß", 19 Klassen und 16 Fachräume auf 2500 Quadratmeter Nutzfläche. Direktor Heinrich Gombert ging im Januar 1988 "von Bord". Studiendirektor Josef Tonner wurde kommissarischer Leiter bis Anfang 1991. Dann übernahm der erst kürzlich verstorbene Direktor Hubert Hartel das Ruder für 420 Schüler und 36 Lehrerkollegen. Die Nachfolger waren Andreas Jorde, Werner Burggraf und Klaus-Dieter Gimbel. Jetzt steht Gabriel Verhoff an der Spitze der GGL.

Der 46-Jährige ist seit 2013 an der Schule, zunächst als stellvertretender Schulleiter. Er leitet die Einrichtung seit vier Jahren. Thomas Eckhardt (43) ist sein Stellvertreter.

In der jüngeren Vergangenheit der Schule gab es zukunftsweisende Veränderungen und Ereignisse: 2008 wurde die pädagogische Nachmittagsbetreuung eingeführt - wichtige Voraussetzung für das Prädikat "Ganztagsschule Profil II" in 2017. Ein Jahr später erlangte die Einrichtung mit dem Ausbau des Konzepts die Anerkennung als "Ganztagsschule mit Profil III". Das Konzept beinhaltet eine vielfältige Angebotspalette aus sportlichen, musikalischen und naturwissenschaftlich-technischen Bereichen.

Schwerpunkt im Unterricht ist der sportliche, naturwissenschaftliche und kulturelle Bereich. In den Jahrgangsstufen 5 bis 7 beispielsweise findet fächerübergreifend im naturwissenschaftlichen Bereich experimenteller Unterricht mit hohem praxisbezogenen Anteil statt. Im vergangenen Jahr erhielt die GGL erneut die Auszeichnung "Umweltschule Hessen".

2009 dann ein besonderer Einschnitt: Die Fusion der beiden Gesamtschulen in Biebertal und Wettenberg. Sie gehen mit der GGL in einer neuen Schule auf. In diesem Schritt sieht Verhoff nicht nur die Beibehaltung eines Teils von Tradition beider Schulen, sondern auch die Chance einer Neuausrichtung durch die Einführung moderner Strukturen.

Seit 2015 gibt es den "Karrieretag" an der Schule und mit der Ausbildungsmesse eine weitere Veranstaltung zur Orientierung für Schulabgänger in Richtung Berufsleben. Auch die Arbeit im Schulverbund gilt als wichtiger Kooperationsbestandteil. Das betrifft ebenso die Grundschulen in den vier Gemeinden wie auch andere integrierte Gesamtschulen, wobei es mit der Gesamtschule Gießen-Ost die Vereinbarung einer Aufnahmegarantie in die gymnasiale Oberstufe gibt.

Einen Beitrag für Völkerverständigung und ein geeintes Europa leistet die Gesamtschule Gleiberger Land durch die Teilhabe an den Kommunalpartnerschaften mit Sorgues und Grigny (Frankeich), Zsámbék und Tök (Ungarn) sowie Denbigh (Wales), insbesondere durch die Schüleraustausche. Hier kooperiert die Schule seit Jahren mit den Partnerschaftsvereinen aus Wettenberg und Biebertal.

Corona hat den Plan zahlreicher Veranstaltungen im Jubiläumsjahr zunichte gemacht. Wenn es die Umstände zulassen, soll am 25. März 2021 zunächst der Festakt nachgeholt werden, kündigt Schulleiter Verhoff an.

Im neuen Schuljahr werden über 550 Schülerinnen und Schüler die Gesamtschule in Launsbach besuchen, unterrichtet von einem Team mit 55 Lehrkräften. m

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare