Einfach abgeladen: Anstatt die alten Traktorreifen zu einer Annahmestelle zu bringen, haben Unbekannte sie im Wald entsorgt. Nicht der erste Fall im Kreisgebiet. Die Polizei ermittelt. FOTO: MÖ
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Einfach abgeladen: Anstatt die alten Traktorreifen zu einer Annahmestelle zu bringen, haben Unbekannte sie im Wald entsorgt. Nicht der erste Fall im Kreisgebiet. Die Polizei ermittelt. FOTO: MÖ

Müll im Wald

Geschäft mit illegaler Entsorgung von Altreifen

  • vonChristina Jung
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Über 100 Altreifen im Licher Stadtwald, 30 auf Reiskirchener Gemarkung. Unbekannte Täter haben offenbar ein Geschäftsmodell in der illegalen Entsorgung entdeckt. Die Polizei ermittelt.

Mal ist es eine Ladung Bauschutt, mal sind es alte Möbel. Wer häufig im Wald unterwegs ist, findet so manches, das andernorts ausrangiert und nicht ordnungsgemäß weggeworfen wurde. Am Wegesrand unterm grünen Blätterdach zwischen Ettingshausen, Lich und Albach stößt man in diesen Tagen auf rund 30 Altreifen. Allerdings nicht von Autos, sondern von Traktoren.

Laut Reiskirchens Erstem Beigeordneten Dr. Thomas Stumpf, der zurzeit den im Urlaub weilenden Bürgermeister Dietmar Kromm vertritt, liegen die Reifen seit Anfang Juli in dem Waldstück. Dieses befindet sich östlich der Landesstraße zwischen Lich und Hattenrod auf Reiskirchener Gemarkung.

Betrug an Landwirt

Spaziergänger hatten die riesigen "Schlappen" entdeckt und ihren Fund der Gemeinde gemeldet. Das Ordnungsamt machte den früheren Besitzer, einen Landwirt, ausfindig, der laut Stumpf 2300 Euro dafür bezahlt hatte, dass die Reifen entsorgt werden. Mittlerweile habe er Strafanzeige erstattet.

Solche illegalen Müllablagerungen kämen immer mal wieder vor, sagt Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen. Doch in diesem Fall befürchtet Reinemer, dass System dahinter steckt. Die Polizei habe Hinweise, dass den Bauern in der Gegend günstige Angebote zur Entsorgung von Altreifen gemacht worden seien. Doch der angebliche Dienstleister brachte seine Ladung dann ins nahe Grün.

Über 100 Reifen in Lich

Auch bei einem weiteren Fall könnte genau das geschehen sein. Im Licher Stadtwald waren ebenfalls Anfang Juli an zwei Stellen insgesamt mehr als 100 Altreifen in verschiedenen Größen abgeladen worden. Revierförster Ulrich Gessner entdeckte sie und schaltete die Polizei ein, wie Bürgermeister Julien Neubert auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung berichtet. Einen Teil haben die Mitarbeiter des Bauhofes bereits aus dem Wald geschafft, der Rest soll in den kommenden Tagen abtransportiert und durch ein zertifiziertes Unternehmen entsorgt werden.

Auch diese Reifen stammen vermutlich aus der Landwirtschaft, so Neuberts Einschätzung. Weil sie mitunter sehr alt und in schlechtem Zustand seien, nimmt man an, dass es sich um ehemalige Silo-Abdeckungen handelt.

"Ich befürchte, dass die Fälle zusammenhängen", sagt Polizeipressesprecher Reinemer. Möglicherweise gebe es sogar noch weitere. Die Polizei ermittelt wegen unerlaubten Umgangs mit Abfall. Laut Paragraf 326 des Strafgesetzbuches kann dieser mit Geld- oder Freiheitstrafe geahndet werden.

Landwirt in der Pflicht

Für den betrogenen Landwirt ist die Angelegenheit allerdings noch nicht vom Tisch. Er ist nämlich laut Dr. Thomas Stumpf nach wie vor für die ordnungsgemäße Entsorgung der Traktorreifen zuständig, auch wenn er bereits dafür gezahlt hat. Weil aber gerade Erntezeit ist, habe die Gemeinde die Frist für den Abtransport auf Mitte August verlängert.

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