Über die Auszeichnung "Hessen à la Carte" freuen sich (v. l.) Küchenchef Sebastian Kukuk, Käser Roland Reum und Restaurantleiter Sven Zimmermann.
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Über die Auszeichnung »Hessen à la Carte« freuen sich (v. l.) Küchenchef Sebastian Kukuk, Käser Roland Reum und Restaurantleiter Sven Zimmermann.

Gereift wie ein guter Käse

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Drei Landeslöwen sind die neueste Errungenschaft der »Käsescheune« im Herzen von Hungen. Sie zieren das rot-weiße Schild »Hessen à la Carte«, das auf die renommierte Auszeichnung für Käsevielfalt mit Erlebnisfaktor hinweist. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter.

Ein Großbetrieb könnte einen Gaumenschmaus wie diesen Grillkäse kaum herstellen - es wäre schlicht zu aufwendig: Pasteurisierte Milch, Molke, selbstgemachter Joghurt und die gewisse Prise Kräuter und Gewürze sind für jenes Produkt erforderlich, das sich zum jüngsten Verkaufsschlager in der »Käsescheune« entwickelt. Ein Exporthit aber wird dieser edle Käse nicht: Kredenzt wird er ausschließlich im hauseigenen Restaurant - und geht nebenan nur dann über die Ladentheke, wenn etwas übrig ist.

In diesen speziellen Genuss kam gestern eine Besucherrunde, die sich anlässlich einer Auszeichnung des Vorzeigeunternehmens in der Hungener Altstadt eingefunden hatte. Bereits zum zweiten Mal in Folge erhält die »Käsescheune« Urkunde und Plakette als »Hessen à la Carte«-Betrieb; sie wird im gleichnamigen Restaurantführer 2021/22 aufgeführt. Dafür gab’s an Ort und Stelle Lob von Landrätin Anita Schneider, Bürgermeister Rainer Wengorsch und Oliver Seidel, dem Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Mittelhessen.

Wer sich heutzutage die selbst zur Frühstücks- und Mittagszeit gut besetzte Location ansieht, merkt: Der nach der Eröffnung 2013 zunächst gern als Geheimtipp gehandelte Betrieb hat sich zur angesagten Adresse entwickelt, ist quasi selbst gereift wie ein guter Käse.

»Die Käseschule ist bis November fast komplett ausgebucht, der Online-Handel geht durch die Decke«, fasst Roland Reum die aktuelle Entwicklung der »Käsescheune« zusammen. Und auch mit Blick auf das Restaurant sei es stets geboten, frühzeitig einen Platz zu reservieren. Der Käser mit dem alpenländischen Outfit strahlt pure Begeisterung aus, wenn er von seinem Arbeitsplatz erzählt: »Hier kann ich mich richtig austoben!«

Ende 2021 hatte er seine vorherige Stelle nahe seines Wohnortes in Unterfranken aufgegeben, war in das Hungener Unternehmen als Betriebsleiter eingestiegen und nimmt seitdem eine 70 Kilometer lange Anfahrt in Kauf. Reum: »Es lohnt sich jeden Tag«.

Der Mann versteht sein Handwerk ganz offensichtlich: »Ich war noch keine zwei Monate in der Firma, da haben wir für unsere Käse zwei Gold- und eine Silbermedaille gewonnen«, freut er sich noch immer. Reum, der kreative Kopf, und sein Team mit Küchenchef Sebastian Kukuk und Restaurantleiter Sven Zimmermann an der Spitze sind aus der Pandemie als Gewinner hervorgegangen: Allein für ihre drei Online-Tastings haben der Käser & Co. nach eigener Aussage rund 1000 Pakete verschickt - und das deutschlandweit, einige sogar bis nach Belgien und Großbritannien.

Eingebettet in ein gemeindeübergreifendes Tourismuskonzept erweist sich die »Käsescheune« noch immer als ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt Hungen, auch im Oberzentrum Gießen ist dergleichen nicht zu finden. Das Ensemble vereint eine einsehbare Schaukäserei, Räume für Käseseminare und -Verkostungen, Reifekeller, Gastraum, Genussladen und einen »Erlebnisraum Schaf und Natur« unter einem Dach. 20 feste Arbeitsplätze wurden geschaffen, regionale Wirtschaftskreisläufe werden durch die Zusammenarbeit mit heimischen Produzenten gestärkt.

Betrieb expandiert

»Umsatz kann nur gemeinsam mit der Produktion wachsen«, ist Reum überzeugt. Mit dem Hausherrn und Unternehmer Gerd Kaiser hat er einen Plan entwickelt, wie der zunehmenden Enge in der »Käsescheune« begegnet werden soll; die Zeichen stehen auf Expansion: Ein Nachbargebäude (einstige Metzgerei) ist bereits gekauft und wird - wenn alles gut läuft - noch im Herbst abgerissen. An dessen Stelle entsteht ein neuer Reifekeller, die Räumlichkeiten darüber sind für Verpackungsarbeiten vorgesehen. Somit gibt’s im Haupthaus mehr Platz für das Restaurant. Der jetzige Verkaufsbereich soll vis à vis in ein derzeit leerstehendes Geschäft umziehen.

Winziger Wermutstropfen: Für die Produktion der begehrten Schafskäse gibt es nicht ausreichend Milchschafe in der Region - bittere Nachricht für die »Schäferstadt« Hungen. Landrätin Schneider sagte zu, beim Amt für den Ländlichen Raum vorstellig zu werden und sich für eine geeignete Förderung einzusetzen.

Schaukäserei in Hungen.

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