Karl-Heinz Till (r.) und seine Kollegen Karin Schweikhard und Michael Limbeck. FOTO: VH
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Karl-Heinz Till (r.) und seine Kollegen Karin Schweikhard und Michael Limbeck. FOTO: VH

Geräusche wie aus einer Dampflok

  • vonVolker Heller
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Mehr als 500 Werkstätten und Ateliers haben am Wochenende ihre Türen geöffnet. Im Gießener Land nahmen Besucher einen seltenen Train-Kiln-Brandofen im Hofgut Appenborn in Augenschein. Auch in Lich empfingen Keramiker zum "Tag der offenen Töpferei".

Es ist der einzige Schornstein weit und breit, der offiziell Feuer und Rauch speien darf, ja muss, ohne dass die Feuerwehr zum Löschen ausrücken bräuchte. Er steht im Garten des Hofguts Appenborn unweit der Landesstraße 3146 zwischen Kesselbach und Weitershain.

Dort befindet sich einer von wenigen sogenannten "Train Kiln"-Öfen Deutschlands. Der freischaffende Keramikkünstler Karl-Heinz Till macht hier den Anheizer. So auch am Tag der offenen Töpferei in Hessen, der mittlerweile zum 15. Mal durchgeführt wurde.

In dem knapp ein Dreiviertel Kubikmeter großen Brandraum werkelt Till nicht alleine, sondern unter Beteiligung seiner Kollegen Karin Schweikhard und Michael Limbeck. Die Keramikwerkstatt Schweikhard-Limbeck ist ansässig in Maulbach, Stadtteil von Homberg/Ohm.

Holz als archaisches Überbleibsel

Immer am zweiten Märzwochenende öffnen bundesweit mehr als 500 Werkstätten und Ateliers ihre Türen, allein knapp 40 in Hessen - mit dabei auch einige im Gießener Land. Keramiker bieten den Besuchern die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen einer Töpferei zu schauen, Fragen zu stellen, mitzumachen oder bei Vorführungen Interessantes über das vielfältige Material Ton zu lernen. Dabei geht es nicht nur um das fertige Produkt.

Hunderte Besucher nutzten die Gelegenheit, Keramikarbeiten live zu erleben und zu erfahren, wie aus einem Klumpen Ton Tassen, Schalen und Figuren entstehen.

Während Till seit jeher den Holzbrand pflegt, setzt Schweikhard-Limbeck auf Gas. Brennen mit Gas sei eine technische Fortentwicklung, erklären die Experten, eher für Kontroll-Freaks. Heizen mit Holz sei derweil ein archaisches Überbleibsel und überwiegend Erfahrungssache.

Wobei der Train Kiln, ein querliegender Toplader, von seiner Bauform her gewisse Sicherheiten bietet. Das Brennmaterial, gespaltene Holzstücke aus dem nahen Wald, wird von oben zugeführt. Der Brennraum heißt Bourry Box.

Für gewöhnlich wird in Holzbrennöfen von unten nachgelegt. Bis zu 1400 Grad Celcius wird die Brennkammer heiß. Das bedeutet für den Beschicker: Deckel auf, Holzstück rein, Deckel zu.

Beim Anbrennen des frischen Holzscheites gibt der Ofen für kurze Zeit das typische Geräusch einer anfahrenden Dampflok von sich. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet "Train Kiln" Zugofen. Der Name leitet sich von der länglichen Ofenform und dem Arbeitsgeräusch ab.

Glut und Asche, die sich während des Brands in der Feuerung ansammeln, werden durch den Kaminzug im Inneren des Ofens verteilt und schmelzen bei hohen Temperaturen zu Oberflächenglasuren aus. Zusätzlich wird aus einer großen Tasse ein Gemisch von Hobelspänen und Sodasalz beigegeben.

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