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Schlussspurt: Grünbergs Marktplatz wird am vergangenen Samstag letztmals zur Wahlkampfarena. Am Stand von Marcel Schlosser (Mitte) haben sich auch diesmal deutlich mehr Unterstützer eingefunden als an jenem von Noch-Bürgermeister Frank Ide. Der steht - nicht nur wegen der Übergröße von Schlossers Plakaten - in der öffentlichen Wahrnehmung des Wahlkampfs deutlich hinter seinem Herausforderer zurück.

Generationswechsel in Grünberg

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Die Wahl ist gehalten, das erwartet knappe Rennen ums Bürgermeisteramt in Grünberg endete mit einer kleinen Überraschung: Marcel Schlosser (31, CDU) siegte, löst im Februar Frank Ide ab. Für den 59-jährigen Freien Wähler Politiker endet dann eine 18-jährige Amtszeit. Der Beginn neuer Verhältnisse in Grünbergs Politik?

Neue Wege für Grünberg« - so überschrieben im Frühjahr CDU, SPD und Grüne ihre Vereinbarung einer lockeren Kooperation. Durchaus überraschend, hatten die Drei eher selten auf einer Linie gelegen.

Ihren Fokus haben sie bisher denn auch vor allem auf Personalien gerichtet, sich etwa die Mehrheit im Magistrat gesichert - zulasten der »Bürgermeister-Partei« Freie Wähler. Die verliert mit der Niederlage von Ide weiter an Gewicht.

Das neue Bündnis, nennen wir es mal »offene Kenia-Beziehung«, hatte Grünbergs CDU-Chef Marcel Schlosser mit eingefädelt. Nur: Die Hoffnung, die neuen Partner würden ihn unterstützen, musste er fahren lassen. Umso erstaunlicher ist es, dass er mit 51,3 Prozent und einem Vorsprung von 208 Stimmen Ide geschlagen hat. Zum 1.Februar wird der 59-Jährige den Chefsessel im Rathaus räumen müssen. Das ist schon ein Generationswechsel für Grünberg.

Schlosser hat es offenbar verstanden, die - nach langen Amtszeiten latent vorhandene - Wechselstimmung zu befeuern. Person und Programm haben 4091 Grünberger überzeugt, dies bei einer Wahlbeteiligung von 73,8 Prozent - ein gewichtiges Votum.

Zum Ende seiner Kampagne samt 3400 Hausbesuchen (!) hatte er bekräftigt, für ein »neues Miteinander in Grünberg« sorgen zu wollen: »Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Politik, den Vereinen, den sozialen Institutionen, Bürgerinitiativen und -teams können wir eine tolle Zukunft gestalten. Mein Ohr ist daher immer nah am Bürger.« Wichtig, das machte er soeben deutlich, sei ihm dabei, »immer auf Augenhöhe zu kommunizieren«.

Ein Satz, der nicht zuletzt bei Rot/Grün Interesse finden dürfte. Für Reinhard Ewert, Fraktionschef der Grünen, hat Schlossers Wahlsieg freilich »keine große Auswirkungen« auf die Kooperation. Im Wahlergebnis sieht der altgediente Grüne auch keinen Grund, »gegenseitig Rücksicht zu nehmen«. Seine Partei werde weiter jeden Antrag ganz genau anschauen, prüfen, »für was er im Einzelnen steht«.

Grundsätzlich und im Gegensatz zur Konfrontation in der Zeit vor Ide strebe man wie bisher an, für jede Vorlage möglichst viele Fraktionen zu gewinnen. Dass dabei stets die Frage »Haben wir dafür Geld?« zu beantworten sei, betonte er. Apropos: Angesprochen auf Schlossers Agenda und etwaige kostenintensive Versprechen, erwähnt sei nur die Abschaffung der Straßenbeiträge oder eine neue Diskussion um ein Hallenbad, verwies Ewert auf seine Vorrede. »Er muss sein Wahlprogramm erst mal konkretisieren.«

Ide, so Ewerts kurze Wahlanalyse, habe wohl zu sehr auf den Amtsbonus gesetzt, sei zudem zu zurückhaltend gewesen. »Er hat es in den 18 Jahren nicht schlecht gemacht, aber es ist auch nicht schlecht, wenn jemand Neues und Junges es nun macht.«

Ulrich Ebenhöh, Co-Fraktionschef der SPD, hatte ebenso ein knappes Rennen mit Vorteilen für Ide erwartet. Aber: »Egal was ein Bürgermeister macht, er macht es doch für die Hälfte falsch.« Dafür stünden dessen Ergebnisse von 25,3 Prozent in Weickartshain (Windpark) und die 55,6 Prozent in Harbach (neues DGH). Wenn ein Junger mit neuen Ideen übernehme, sei das freilich kein Fehler.

Schlosser werde sich nun zunächst einarbeiten, Erfahrungen sammeln und Mehrheiten suchen müssen, »wir als SPD werden da positiv rangehen«. Für die Kooperation erwartet auch der Sozialdemokrat keine große Änderung, inklusive Abstimmung im Vorfeld einer Sitzung des Stadtparlaments, als dem höchsten Organ der Kommune.

Wie er sodann klarstellte, werde er - wie bereits bei Bürgermeister Ide der Fall - auch bei Schlosser »kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn ich vor ihm stehe«.

Am Ende nahm Ebenhöh nochmals Stellung zur Frage, warum die Genossen keinen Kandidaten aufgestellt hatten. »Es war niemand bereit. Und von außen jemanden zu holen, so sehe ich das persönlich, verspricht keinen Erfolg.«

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