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Fensterbau Koch ist seit 30 Jahren am Zimmerplatz angesiedelt. Die Tage des Unternehmens sind gezählt.

Gemeinde kauft Fensterbau Koch

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Vor knapp 30 Jahren ist die Schreinerei Koch aus Kinzenbach in den Süden von Heuchelheim umgezogen. Doch die Tage des Unternehmens sind dort gezählt. Betriebsinhaber Volker Bremer-Koch verkauft die Halle am Zimmerplatz und wird das Unternehmen schließen. Käufer ist die Gemeinde Heuchelheim.

Was will eine Gemeinde mit einer Gewerbe-Immobilie? Und greift sie mit dem Kauf nicht in den örtlichen Wettbewerb ein? Antworten auf diese und weitere Fragen lösten eine kräftige Debatte in der Gemeindevertretung von Heuchelheim aus, als am Dienstag der Erwerb des Grundstücks und der Halle von Fensterbau Koch aufgerufen wurde.

Seit gut zwei Jahren ist bekannt, dass Volker Bremer- Koch das Traditionsunternehmen am Zimmerplatz schließt, dessen Wurzeln als Stellmacherei und Wagnerei bis ins Jahr 1800 zurückreichen. Doch nun pressiert es. Denn es gab neben der Gemeinde einen weiteren Interessenten gleich aus der Nachbarschaft. Dieser hatte wie auch die Gemeinde ein Gebot abgegeben. Bürgermeister Lars Burkhard Steinz ging jedoch zuversichtlich in die Beratungen: »Wir haben es ausverhandelt«, sagt er.

Die Gemeindevertretung hat am Dienstag in einer Sondersitzung mehrheitlich grünes Licht gegeben. Die Kooperationspartner CDU, FW, FDP und KWI stimmten dafür, SPD und Grüne dagegen. Rund 720 000 Euro werden für die Immobilie aufgewandt.

Warum das Interesse der Gemeinde an der Liegenschaft? Man wolle sich keinesfalls stärker auf dem Immobilienmarkt betätigen, versichert Bürgermeister Steinz angesichts entsprechender Vorhaltungen aus der Opposition. Und nennt die Gründe für den Kauf: Zum einen will sich die Gemeinde ein Wegerecht über das Grundstück sichern. Es liegt nämlich zwischen einer Kita und dem dazu gehörenden Außenspielgelände. Denn gleich neben Fensterbau Koch, im früheren dormiente-Gebäude, hat die Gemeinde vorübergehend ihr Rathaus eingerichtet. Und sie betreibt dort einen Kindergarten. Während die Verwaltung nach der aktuell laufenden Sanierung des 70er-Jahre Gebäudes am Linnpfad wieder dorthin zurückkehrt, kann es durchaus sein, dass die Kindertagesstätte längeren Bestand hat. Die dort nach dem Brand an der Kindergartenstraße untergebrachte Kita »Rappelkiste« wird zwar ebenfalls wieder an den alten Standort zurückkehren, sobald der Wiederaufbau abgeschlossen ist.

Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass angesichts steigender Geburtenzahlen und weiterem Zuzug nach Heuchelheim zusätzlicher Raum für Kinderbetreuung gebraucht wird. Ergo will Steinz die Option wahren, die Kita im früheren Matratzen- und Bettenhaus weiterzubetreiben. Und die Außenspielflächen auf der anderen Seite des Fensterbau- und Schreinerbetriebes direkt anzuschließen.

Vor allem aber will der Bürgermeister den kommunalen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Immobilie sichern. »Heuchelheim ist eine stark wachsende Gemeinde. Auch im gewerblichen Bereich«, argumentiert er. Und verweist auf die kaum mehr vorhandenen Flächen. Schon jetzt sei klar, dass mit der Neugestaltung des Rinn & Cloos-Areals Firmen von dort weggehen und neue Standorte suchen. Insofern ist er guter Dinge, die große Halle schnell wieder vermieten, besser noch verkaufen zu können. »Es ist nicht das Ziel der Gemeinde, die Immobilie dauerhaft zu halten, erläuterten Steinz und CDU-Fraktionsvorsitzender Mirko Nowotny. Mit dem Kauf, so Steinz, halte man sich aber Optionen offen.

Grüne und SPD hatten ein ganzes Paket an Detailfragen vorgelegt. Sie sehen Belastungen und Risiken. SPD-Chef Benjamin Unverricht befürchtet einen massiven Eingriff in den örtlichen Wettbewerb, sieht die Kommune als Makler und Vermieter tätig werden. »Dürfen wir das?«, so seine Frage. Für 720 000 Euro müsse man sich kein Wegerecht erkaufen. Da gebe es andere Optionen. »Eine Immobilie für 720 000 Euro, von der wir nicht wissen, wofür wir sie brauchen. Diese Wundertüte ist zu teuer«, so sein Fazit.

Fensterbau Koch zog 1992 aus dem Kinzenbacher Ortskern in den Heuchelheimer Süden, um mehr Platz zu haben. Seit den 1960er Jahren lag der Schwerpunkt auf Fenstern und Türen, Umglasungen, Rollläden sowie weiteren Schreinerarbeiten und Bestattungen.

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