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Am Tisch bleibt kein Platz frei: Die Organisatoren sind überrascht, wie gut das erste Treffen nach 20 Monaten besucht ist. F.: PAD

Gelungener Neustart

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
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20 Monate lang waren die Treffen des Seniorenclubs Oberkleen nicht möglich. Nun wagten die Organisatoren einen Neustart - ohne sicher sein zu können, dass dieser Mut belohnt werden würde.

Der Saal im frisch sanierten evangelischen Gemeindehaus Oberkleen ist vorbereitet. Auf dem Tisch stehen Kaffeegedecke zwischen herbstlicher Dekoration und passenden Servietten. Aus der Küche lässt sich schon Kaffeeduft wahrnehmen. Noch sind die Plätze leer - und bei den Organisatoren steigt die Aufregung.

Gruppe besteht seit über 50 Jahren

Es ist ein entscheidender Tag für den Seniorenclub Oberkleen: Es geht um die Zukunft. Seit über 50 Jahren gibt es den Zusammenschluss im Dorf. Das Programm reicht von Vorträgen über gemeinsame Bastelarbeiten bis hin zu Gehirnjogging. In Hochzeiten besuchten bis zu 80 Senioren den monatlichen Treff.

Die ersten Besucher treffen ein, nehmen am Tisch Platz. Noch eine Viertelstunde bis zum offiziellen Beginn. Es herrscht große Freude, dass man sich einmal in dieser Runde wiedersieht.

»Im Februar 2020 war unser letztes Treffen«, schildert Sprecherin Hannelore Hepp. Dann kam Corona. Lange Zeit waren die Treffen nicht möglich, sah man sich nur durch Zufall im Dorf oder in der Kirche.

Als es sich abzeichnete, dass die Treffen wieder in einem sicheren Rahmen stattfinden könnten - alle Teilnehmer sind geimpft oder genesen, am Eingang wird kontrolliert - stellte sich jedoch die nächste Frage: »Was macht man nach 19 Monaten ohne Treffen mit einem Seniorenverein?«, fragt Hepp. Gibt es eine Zukunft für den Verein? Es war unklar, wie viele Besucher bei einem Neustart kommen würden. Unsicher, ob das Helferteam noch weitermachen möchte. Im September wurde sich zusammengesetzt und beraten. Es gab auch den Vorschlag: »Das einfachste wäre, den Seniorenclub still und leise aufzulösen.«

Inka Gath, das jüngste Mitglied der Runde, machte den Älteren jedoch Mut. Sie plädierte dafür, es zumindest einmal zu probieren. Eine Einladung im Gemeindeblättchen wurde abgedruckt, der Termin verbreitete sich zudem von Mund zu Mund. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass Interessierte gerne vorbeischauen dürfen.

Der Mut wird belohnt: Die rund drei Dutzend Stühle sind zu Beginn alle besetzt, auch zahlreiche Neue haben Platz genommen. Selbst zwei 90-Jährige sind wieder mit dabei.

Hepp ist die Freude sichtbar anzusehen, als sie mit den Worten »Herzlich willkommen zurück« alle begrüßt. Zur Einstimmung trägt sie das Gedicht »Der Apfelbaum« vor. Sie betont die positiven Seiten des Alters: »Es bietet die Chance, Ruhepausen zu genießen und die dankbare Erinnerung zu pflegen.«

Erinnerungen werden an diesem Tag reichlich geteilt, während das Helferteam Streuselkuchen und Kaffee serviert. Später sorgt Inka Gath mit einem Herbstbingo für Unterhaltung. Der Seniorenclub hat den Neustart geschafft.

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